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Obertrubacher Busfahrer war 300 Mal in Paris

Nach tausenden Busfahrten freut sich Fritz Buchfelder auf den wohlverdienten Ruhestand - 05.01.2021 08:55 Uhr

Der 71-jährige Busfahrer Fritz Buchfelder war über 40 Jahre im Reiseverkehr des Obertrubacher Busunternehmens Schmetterling-Reisen im Einsatz. Jetzt genießt er endlich sein Dasein als bodenständiger Rentner.

04.01.2021 © Foto: Ralf Münch


Fritz Buchfelder war mit dem einstigen Chef des Unternehmens, Willi Müller, auf die Landwirtschaftsschule gegangen. "Aber in der Landwirtschaft wollte ich nicht arbeiten", sagt er. Und als ihn Müller dann fragte, ob er nicht als Busfahrer im Reiseverkehr einsteigen wolle, hat er ja gesagt. Und das war sein Leben. Bis 2014 war er dort tätig, doch wirklich in den Ruhestand wollte er dann immer noch nicht. Und so ist er stundenweise noch im Linienverkehr und Tagesausflüge gefahren. Anfang Dezember war dann aber endgültig Schluss. Seine letzte Tour hatte er am 9. Dezember von Ebermannstadt nach Kleingesee.

Rund 300 mal ist er nach Paris gefahren, manchmal sogar zweimal in der Woche. "Sonntagabend bin ich heimgekommen und Montagfrüh wieder losgefahren", erinnert er sich. An die 100 mal war er in Holland zur Tulpenblüte, sehr gerne war er auch in Ungarn. Einmal ging es für 21 Tage ans Nordkap mit 16 verschiedenen Hotelaufenthalten. Und dann waren sie noch 30 Stunden mit Übersetzen nach Marokko und Tunesien unterwegs. Zwischen neun und zehn Stunden, immer zwölf Tage am Stück war er manchmal unterwegs. "Die Lenkzeiten wurden damals nicht so streng kontrolliert", sagt Buchfelder. Das ist heute anders.

Straßenkarte statt "Navi"

Und er hatte immer eine Straßenkarte dabei, auch zum Schluss noch. Auf das "Navi" hat er sich nie verlassen. Stressig waren oft die Rundfahrten mit jeden Tag einem anderen Hotel. "Und es ist nicht zu glauben, wieviel Gepäck die Leute manchmal dabei haben", sagt er kopfschüttelnd.

Schmunzelnd erinnert er sich an einen Vorfall in Griechenland. Hier kam eine Frau bei der Abfahrt völlig aufgelöst zu ihm, ihr Koffer sei nicht da. Nach einigem Suchen stellte sich heraus, dass sie das Gepäckstück im Hotel auf den Gang vor dem Zimmer abgestellt hatte. Dort hatte es der Fahrer eines anderen Unternehmens – eines aus Italien – eingeladen. Zum Glück konnte alles noch rechtzeitig aufgeklärt werden.

Unfälle in dieser langen Zeit hatte Bauernschmidt praktisch keine. Bis auf einen Laster, der ihm mal hinten drauf gefahren ist. Neben den Touren, die das Unternehmen im Katalog angeboten hat, gab es auch feste Gruppen, die nur den Bus samt Fahrer gemietet hatten und alles andere selbst organisiert haben.

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Daniela Singer, Geschäftsführerin von Schmetterling-Reisen, erinnert sich noch an die pensionierten Postbeamten, die grundsätzlich nur mit Fritz Buchfelder fahren wollten. "Das war manchmal gar nicht so einfach, das entsprechend einzurichten", sagt sie. Fahrer wie ihn gebe es so gar nicht mehr, so Singer weiter.

Bei ihm konnte man sich drauf verlassen, dass alles klappt. Von unterwegs hat er sich gar nicht gemeldet, es lief einfach. Schließlich war er wieder zu Hause. "Die Busfahrer im Reiseverkehr sind schon richtige Abenteurer", sagt sie, "die können gar nicht im Linienverkehr fahren, wo sie sich an feste Fahrzeiten halten müssen."

Am liebsten ist Buchfelder in die Niederlande und nach Kroatien und Slowenien gefahren. "Die Leute waren da unheimlich gastfreundlich." Etwas distanzierter war es in Frankreich. So gab es in Paris einen Hotelier, der partout nichts verstehen wollte, wenn er mit ihm gesprochen hat. Erst am Ende habe sich rausgestellt, dass er Deutsch konnte.

Immer ein Bus dabei

Kann Buchfelder Französisch? Er lacht: "Nur zwei Wörter und dazu drei Wörter Englisch." Aber trotzdem haben sie sich alle verstanden und es sind viele Freundschaften entstanden. Buchfelder war so ziemlich in jedem Land in Europa, nur in Albanien und der Ukraine nicht. "Da wäre ich gerne mal hingefahren."

Und was macht er jetzt im Ruhestand? "Lesen und fern sehen", sagt Buchfelder. Wird er jetzt mal selber in den Urlaub fahren? Nein, er war jahrelang unterwegs, jetzt will er daheim bleiben. Aber so ganz glücklich klingt er nicht, als er das erzählt. "Nachts wache ich oft von meinen Träumen auf", sagt er, "und immer war ein Bus dabei."

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