Freitag, 23.08.2019

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"Ohne Investitionen hat Tourismus-Kreis keine Zukunft"

Beim Abschlussball der Hotelfach- und Berufsschule richtete Landrat Hübner mahnende Worte an die Politik. - 24.07.2019 09:00 Uhr

Diese Schüler der Hotelfachschule haben ihre zweijährige Fortbildung erfolgreich abgeschlossen und dürfen sich nun staatlich geprüfte Hotelbetriebswirte nennen. © Foto: Martin Burger


Im Kurhaus in Bischofsgrün versammelten sich fast alle Absolventen samt ihren Familien und Freunden. "Unsere Schüler haben zu Recht das gute Gefühl, etwas geleistet zu haben", erklärte Schulleiter Christian Länger. "Nach schriftlichen Prüfungen bei großer Hitze sowie den praktischen und mündlichen Prüfungen haben sie sich diesen Abend verdient."

Alle 25 Teilnehmer der Berufsfachschule für Hotelmanagement haben die Abschlussprüfung erfolgreich abgelegt. Prüfungsbeste wurde Julia Hofmann mit der Gesamtnote 1,26. Zweitbeste war Stephanie Englmeier mit 1,30. Die beiden erhielten je eine Staatspreisurkunde der Regierung von Oberfranken. Drittbeste wurde die Pegnitzerin Zina Görlich mit 1,65. Alle drei bekamen zudem einen Buchpreis des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

20 Absolventen haben indes die Abschlussprüfung der Fortbildung zum staatlich geprüften Hotelbetriebswirt erfolgreich abgeschlossen. Erstmalig erhielten die drei Prüfungsbesten Prämien in Höhe von 1000, 500 und 300 Euro. "Der Landkreis setzt damit einen zusätzlichen Anreiz", sagte Länger. Die drei Besten waren Lisa Fleischer mit einer 1,29, Adrian Leidel mit einer 1,33 und Andreas Krapp mit 1,45. Zudem erhalten die Absolventen für ihren erfolgreichen Fortbildungsabschluss nun einen Meisterbonus von 2000 Euro. Dieser ersetzt die bisherige Meisterprämie von 1500 Euro.

"Eher unattraktiv"

Eine der Absolventinnen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, freut sich zwar über ihren Abschluss, hat aber nicht nur Positives über ihre zwei Jahre in Pegnitz zu berichten: "Für junge Leute ist der Standort eher unattraktiv. Man interessiert sich eher für die Großstadt." Außerdem fehlt ihr die Anerkennung der Ausbildung. "Es ist eigentlich ein Studium auf Bachelor-Niveau, aber dadurch, dass man es nicht europaweit gleichsetzen kann, ist es nicht lukrativ", meint die junge Frau. "Selbst im Hotelwesen ist unser Abschluss eher unbekannt."

"Bei den vielen Veranstaltungen, die auf einen Landrat warten, fiel es mir sehr leicht, mich für den Abschlussball der Hotelfach- und Berufsschule zu entscheiden", berichtete Hübner und befand: Der Weg, in der Hotellerie zu arbeiten, sei kein einfacher, aber er biete viele Möglichkeiten.

Seit Gründung der Pegnitzer Hotelfachschule 1991 haben 1126 junge Frauen und Männer hier ihre Ausbildung abgeschlossen; seit 1997 kamen 473 Absolventen der Berufsfachschule hinzu. Dies sei eine Erfolgsgeschichte, resümierte Hübner. Der Landkreis Bayreuth sei die Nummer eins im Tourismus in Oberfranken und einer der Wichtigsten in Nordbayern. Die beiden Urlaubsregionen Fränkische Schweiz und Fichtelgebirge hätten einen Umsatz – der sich aus dem Tages- und Übernachtungstourismus ergibt – von über 800 Millionen Euro im Jahr.

"In Bayern hat der Tourismus insgesamt einen Umsatz, der höher ist, als der Umsatz der Automobilindustrie und des Maschinenbaus zusammen", stellte Hübner fest. "Diese Dinge muss man so kommunizieren, wenn sich Gemeinden oder Landkreise um eine stärke Tourismusförderung bemühen." Die Zahlen der Übernachtungen würden steigen und stünden im krassen Gegensatz zu den weniger werdenden Azubis in der Gastronomie. "Fachkräftemangel – das ist so ein Schlagwort, das ich nicht mehr hören kann", rief er den Absolventen zu. "Der Stellenwert eines solchen Berufs muss hervorgehoben werden." Als Beispiel nannte er die steigenden Ruhetage. "Das ist nicht so, weil der Wohlstand unerträglich geworden ist, sondern weil die Personalknappheit dazu zwingt."

Natürlich verstehe er, dass die Trägerkosten einer solchen Einrichtung erheblich seien. Die Schulen würden bereits jetzt über eine halbe Millionen Euro im Jahr verschlingen. Trotzdem müsse man vorausplanen: "Wer nichts in die Zukunft investiert – in einem Tourismus-Landkreis – dem gehört keine Zukunft." 

MARTIN BURGER

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