Sonntag, 16.05.2021

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"Ohne Zaun geht nichts": Wie Wild und Klimawandel den Waldumbau erschweren

Der Klimawandel bringt einige Gefahren für den Wald mit sich - 12.04.2021 11:55 Uhr

Forstamtmann Robert Lindl (rechts mit Laptop) berät Waldbesitzer vor Ort in Sachen trockenresistenter Baumarten und möglicher Fördermaßnahmen.

11.04.2021 © Foto: Rosi Thiem


Lindl hat sich mit den Waldbesitzern Markus und Felix Windisch und dem zuständigen Abteilungsleiter Forsten des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) Bayreuth, Matthias Huttner, im Wald getroffen. "Wesentlich ist hier eine Risikostreuung", resümierte Forstoberrat Huttner. "Man setzt in der Zukunft auf mindestens drei, jedoch besser vier bis fünf Baumarten, falls eine Sorte im Klimawandel ausfällt." Das dies geschehen kann, hat auch Markus Windisch erfahren müssen. Die von ihm vor 15 Jahren gepflanzten Eschen wurden plötzlich von oben herunter dürr. Einst wurde die Esche favorisiert, doch das überall einsetzende Eschentriebsterben – durch einen eingeschleppten Pilz aus Asien – machte diesen Favoriten zunichte.

Einzelne Eschen haben überlebt. "Die Esche wird nicht mehr gepflanzt", sagte Lindl. "Einzelne ältere Exemplare halten es aus, jedoch Jüngere sterben eher ab", legte er offen. Markus Windisch ließ sich damals nicht entmutigen. Er war schon immer mit dem Schwiegervater gerne im Wald. Sie bauten auch ihre Forstwege aus und schauten schon immer: Was steht gerade im Wald an? Inzwischen komme auch Sohn Felix gerne mit. Im vergangenen August gab es dann an einem Fichtenschlag einen Borkenkäferbefall, den Windisch schnell entfernte. Im Dezember musste er feststellen, dass in der Nachbarschaft an grünen Bäumen bereits eine unbemerkte, massive Borkenkäferbesiedelung stattgefunden hatte. Eein schnelles Eingreifen verhinderte einen flächenmäßigen, gravierenden Befall.

Nun gibt es für die freigewordene Stelle ein neues, hoffnungsvolles Baumkleid. "Wir pflanzen hier nun Schwarzkiefer, Kirsche, Elsbeere und Bergahorn. Die Lärche kommt über die Buchen-Naturverjüngung", zählt der gelernte Zimmermann auf. Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team. Nachdem Felix Windisch flugs den schützenden Zaun beiseite gerollt hatte, ging es mit dem Hohlspaten los.

"Wichtig ist, dass auch die Wurzel senkrecht in den Boden kommt", bestätigte Huttner. "Die 30 Zentimeter Spatentiefe ist ideal. Zuerst einen geraden Stich, dann einen schrägen Gegenstich, damit das Erdreichgefüge erhalten bleibt. Wird es bröselig, muss man schichtweise verdichten", zeigte der Waldfachmann auf. Das beherzigten die beiden Waldbesitzer ohnehin. Markus Windisch setzt zudem auf Naturverjüngung und hat auch schon einige Saatversuche ausprobiert.

"Aber ohne Zaun geht nichts", legt er offen. Das Wild lasse keine ungeschützten Jungpflanzen aufkommen. "Ein angepasster Schalenwildbestand wäre wichtig, damit nicht jede Fläche teuer eingezäunt werden müsste. Die Natur würde ja eine kostenlose Chance zum Waldumbau durch Naturverjüngung – auch klimaverträglicher Baumarten – bieten", so Huttner. Das neue Verbissgutachten 2021 ist noch in Arbeit. Im Juni wird mit dem Ergebnis gerechnet.

Die wurzelnackten Pflanzen warteten auf ihre neue Heimat in den Wäldern von Waiganz.

11.04.2021 © Foto: Rosi Thiem


 Ruck-zuck legten die Windischs im Abstand von je 1,5 Metern ein neues Zuhause für Hainbuche, Elsbeere und Bergahorn an. Letzterer musste einspringen, da der geplante Spitzahorn in der Baumschule wegen Pflanzenmangel nicht zu bekommen war.

"Ja, die Pflanzenversorgung mit trockenresistenten Baumarten ist nicht immer ausreichend. Die Baumschulen müssen sich auf früher wenig beachtete Baumarten umstellen", erklärt Lindl. "Neben den zu hohen Rehwildbeständen, die die leckeren Baumarten herausfressen – die in der Regel ohnehin selten sind – kommen hohe Kosten für den Schutz der Forstkulturen hinzu. Das kann durch die Jagdpacht nicht erbracht werden."

Derzeit hat Markus Windisch von seinen 23 Hektar Wald drei Hektar an verschiedenen Standorten – zum Schutz der Jungpflanzen – eingezäunt. Der Zaun müsse auch ständig kontrolliert werden. Den Schutzzaun, der schon vorher woanders Einsatz gefunden hatte, habe er wiederverwenden können. Nachhaltigkeit ist den Windischs wichtig. 

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"Der Waldumbau ist die größte Aufgabe der nächsten Jahrzehnte", betont Huttner. "Es ist ein Generationenvertrag. Man handelt für die Nachkommen, für die Kinder und die Enkel." In diesem Zusammenhang verweist Huttner auf die hohe CO2-Speichermenge des Waldes.

"Waldumbau wird sich noch beschleunigen"

Der Waldumbaubedarf in Stadt und Landkreis Bayreuth beträgt insgesamt 3528 Hektar – allein nur der Privat- und der Körperschaftswald. Der geplante Waldumbau im AELF Bayreuth für 2021 sind 65 Hektar. "Das ist ohne Staatswald. Der Waldumbau wird sich noch beschleunigen durch den Borkenkäfer und dem Klimawandel", legt Huttner offen. "Die staatliche Förderung wurde 2020 praktisch verdoppelt. Man bekommt für eine Pflanze bereits eine Grundförderung von 2,50 Euro. Dazu kommen zahlreiche Zuschläge, so dass am Ende der Förderbetrag auch bei über vier Euro je Pflanze liegen kann", warb er um das Paket. Hier ist eine Beratung, die der Förster kostenlos vor Ort leistet nötig. "Die staatlichen Revierleiter können, wie in diesem Fall, mit ihren tragbaren Laptops die genaue Standorteignung und das Klimarisiko einzelner Baumarten durch die vom LWF (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft) entwickelte Klimakarte ermitteln. Hier wird auch größtmöglich auf die Wünsche der Waldbesitzer eingegangen", warb Huttner. "Im Landkreis Bayreuth gibt es acht Forstreviere.

"Mehr als die Hälfte des Bayerischen Waldes gehört Privatpersonen", zeigte Förster Robert Lindl auf. "Es steigt der Beratungsbedarf für die Waldbesitzer. Die Zeit, die sie für ihren Wald übrig haben wird immer weniger und die Zahl derer, die noch selbst die Waldarbeiten erledigen können wird immer geringer", betont er. "Die Förster vor Ort beraten unabhängig, neutral und kompetent. Darüber hinaus helfen und organisieren die Selbsthilfeeinrichtungen wie die Forstgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen." Viele Waldbesitzer zögerten noch wegen eines zukunftsträchtigen Waldumbaus. Viele stellen sich die Frage, welche Bäume sind für mich wichtig? - dabei würde eine Beratung bodenständig helfen. "Wie gesagt, es gibt nicht den Brotbaum. Aber inzwischen werden vermehrt heimische Bäume, wie die Kirsche, die Walnuss und die Douglasie, die schnell wachsen, aber auch die Elsbeere, Hainbuche, Lärche, Flatterulme, Esskastanie und die Baumhasel wieder gepflanzt. Die Eiche ist ein Lichtbaum und würde bei uns wachsen, ebenso kommt die Linde mit dem Klimawandel als Schattlaubholz zurecht. Die Robinie", zählt Lindl auf, "ist anspruchslos. Viele kennen sie als Akazie. Sie liefert robustes und witterungsbeständiges Holz. Man muss nur eben neu denken", fordert er. 

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Mehrere Hundert wurzelnackte Pflanzen fanden inzwischen eine neue Heimat in den Wäldern rund um Waiganz. Der 18-jährige Felix Windisch, der gerade vor dem Abi steht, weiß schon was er einmal beruflich machen wird: Förster. Und warum? "Ich möchte Forstwirtschaft studieren. Das Praktikum bei den Bayerischen Staatsforsten hat mir sehr gefallen. Es ist eine gute Abwechslung und ein Ausgleich zum Schreibtisch. Ich brauche Körperliche Bewegung und bin gerne in der Natur", verrät der sportliche, junge Mann. Es ist spürbar: Die Liebe zum Wald wird hier weitergegeben.

ROSI THIEM

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