Samstag, 23.01.2021

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Online-Gottesdienst in Zeiten von Corona: "Da kommt die Kirche zu den Leuten"

Wie viele Pfarrer in der Corona-Pandemie über das Internet Kontakt zu den Gläubigen in Oberfranken halten. - 22.03.2020 18:28 Uhr

Derzeit finden hier keine Gottesdienste statt. Dafür aber im Netz. Die Pegnitzer Bartholomäuskirche.

12.09.2017 © Mark Johnston


"Ausnahmesituationen bedürfen besonderer Maßnahmen, und wenn die Leute nicht in die Kirche kommen können, dann kommt die Kirche zu den Leuten!" Pfarrer Christoph Weißmann bringt auf den Punkt, wie in vielen Gemeinden derzeit die Gläubigen online teilhaben, Predigttexte lesen oder Gottesdienste mitfeiern können. Angekündigt wurden viele dieser Angebote kurzfristig in den sozialen Netzwerken, auf Internetseiten der Kirchengemeinden oder in Pfarrbriefen. In der evangelischen Gemeinde Pegnitz hat Pfarrerin Sabine Winkler eine Andacht gesprochen, die nun unter www.pegnitz-evangelisch.de zu finden ist.

Sie habe sich lange überlegt, für welche Art von Fasten sie sich heuer entscheiden soll, berichtet die Geistliche. Inzwischen habe ihr die Politik die Antwort abgenommen: "Sozusagen staatlich verordnetes Kontakt-Fasten." Sie verzichte auf einen Teil ihrer Freiheit, doch es gehe nicht darum, was Einzelne wollen, sondern darum, was gut für alle ist. "Dieser Verzicht kann letztendlich sogar Leben retten!" Die Pfarrerin erinnert an Jesus, der in der Zeit seines Leidens ebenfalls auf seine Rechte verzichtete, und keine Scharen von Engeln zu seiner Rettung anrief: "Jesus weiß, was Angst und Alleinsein ist."

In Plech wurde am Samstagnachmittag ein ganzer Gottesdienst von Pfarrer Christoph Weißmann und Ehrenamtlichen aufgezeichnet, um dann als YouTube-Film ins Netz gestellt zu werden. So konnten am Sonntag Lätare viele Christen vor dem Bildschirm sitzen, "gemeinsam" singen, beten, aus der Bibel hören und sich ermutigen lassen.

"Fasst Mut"

Das Thema war: "Fasst Mut und habt Vertrauen; Gott lässt euch nicht fallen." Für die musikalische Gestaltung sorgte Martina Weißmann, die mit ihrem Mann sang und die Lieder an der Gitarre begleitete. Angesichts der Ausnahmesituation seien andere Sorgen schon fast vergessen, sagte Weißmann zu Beginn des Gottesdienstes. Dennoch ächze die Schöpfung immer noch. Und auch die Kriegsflüchtlinge seien noch immer unter schlimmen Umständen unterwegs. Inzwischen sei eines klar: "Es liegt nicht in unserer Hand."

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Pfarrer Ulrich Böhm filmte sich mit einem Hamsterrad.

22.03.2020 © Foto: privat


Pfarrer Ulrich Böhm von der Nachbargemeinde Betzenstein war ebenfalls online zu sehen – mit einer Andacht zum Thema "Corona und Hamsterrad". "Hamsterrad" sei ein Lebensgefühl vieler. "Wir fahren ein irres Tempo" – in der Arbeit wie Freizeit. "Da gibtʼs 1000 Sachen, die wir unbedingt machen müssen und nicht verpassen dürfen", aber jetzt stehe plötzlich alles still, resümiert der Geistliche. Für Menschen in manchen Berufen drehe sich das Hamsterrad selbst in der aktuellen Krise noch enorm schnell; andere bangten um ihren Arbeitsplatz.

Über Jahrhunderte sei in der Passionszeit das Leben heruntergefahren worden, so Böhm. Viele fasteten. Es durfte nicht getanzt und keine Hochzeiten gefeiert werden. "Diese Zeit war zum Runterfahren da, und die Menschen haben sich Gedanken gemacht über ihr Leben, was stimmt und was nicht, wo sie schief liegen – im Blick auf sich selbst, auf andere und Gott." Böhm zitierte einen bekannten Spruch: "Gott besucht uns oft, aber meist sind wir nicht zu Hause." Er hoffe, dass Gott bald bessere Chancen bei den Menschen haben werde, und appellierte: "Seid zu Hause für Gott, wenn er anklopft!"

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Wer wieder mal eine Messe mit Pater Paul Kruczek und Pater Dominik Soboleski feiern möchte, hat ebenfalls im Internet dazu Gelegenheit. Der Sonntagsgottesdienst ist auf Facebook unter dem Stichwort "Pfarrverband Taufkirchen Vils - Pauli Bekehrung" zu sehen. Zudem wird täglich um acht Uhr auf der Facebook-Seite des Bamberger Doms aus der Nagelkapelle eine Eucharistiefeier mit dem Erzbischof oder einem Mitglied des Domkapitels übertragen. In einer Videobotschaft auf der Homepage www.pfarrei-auerbach.de bittet derweil Pater Markus Flasinksi, das Gebet "Der Engel des Herrn" beim Läuten der Glocken morgens um sechs, mittags um zwölf und abends um 18 Uhr zu sprechen.

Heilige Messen, die die Gläubigen bestellt haben, werden in der katholischen Pfarrei täglich um acht Uhr in der Adolph-Kolping-Kapelle im Pfarrhaus gefeiert. In der evangelischen Gemeinde Auerbach waren gestern nach dem Glockenläuten Choräle des Posaunenchores zu hören; Pfarrfamilie von Niedner musizierte dort auf Trompeten und Posaunen.

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BRIGITTE GRÜNER

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