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Montag, 16.09.2019

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„Open Air“ für Kühe

Moderner Freiluft-Laufstall für rund eine Million Euro - 01.06.2012 10:00 Uhr

Mit Lust und Liebe sind (von links) Alex, Manuel, Gerdi und Gerhard Auernheimer bei der Sache. Der Hof und das Vieh sind ihnen sehr ans Herz gewachsen.Foto Zagel


Vor wenigen Wochen sind Gerhard und Gerdi sowie die Söhne Manuel und Alex mit 50 Milchkühen und 57 Jungtieren in das neue Domizil umgezogen. Die Tiere haben sich mittlerweile beruhigt, an die neue Umgebung und ihre gepolsterten Hochboxen gewöhnt. Hauptgrund für die Entscheidung waren nach den Worten der Investoren die beengten Verhältnisse sowie der reparaturbedürftige bisherige Stall im Ortskern des Plecher Gemeindeteils. Dieser wird jetzt nur noch als Stellfläche für Maschinen Verwendung finden.

Vor der Planung der neuen Anlage suchte man Rat auf dem Amt für Landwirtschaft und informierte sich im Allgäu über moderne Tierhaltung und die Fördermöglichkeiten. Derzeit haben die Auernheimers rund 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche unter dem Pflug. Damit könne man bis zu 150 Rinder halten.

Auf der Grundfläche von 1,2 Hektar entstanden ein Stall mit 2200 sowie ein Melkhaus mit 600 Quatratmetern. Der Milchtank mit 6000 Litern wird alle zwei Tage geleert, die Güllegruben sind auf 1700 Kubikmeter ausgelegt. Ausmisten ist Vergangenheit. Eine automatische Räumbahn hält die Standflächen sauber. Kameraüberwachung auch für die „Entbindungsstation“ ist Stand der Technik und des Fortschritts. Mit 45000 Litern Oberflächenwasser in drei Zisternen ist der Brandschutz gewährleistet. Ein eigener Tiefbrunnen mit sehr guter Wasserqualität macht den örtlichen Wasserversorger (Betzensteingruppe) nahezu entbehrlich.

Nicht nur aus diesem Grunde werden die Hofflächen nicht asphaltiert, sondern auf Empfehlung nur fein aufgeschottert. Das Herzstück, die Melkanlage, ist mit 20 Anschlüssen ausgestattet. Die Tiere werden, kommen sie nicht freiwillig, mit leichtem Druck in den Melkstand gelotst. Jede Milchkuh wird vom Computer erfasst und die Leistung registriert. Wer über der Norm liegt, wird automatisch mit zusätzlichen Rationen an Kraftfutter belohnt. Wird die Milchleistung nicht erreicht, nimmt dies der Computer ebenfalls wahr und meldet dies über Rotlicht umgehend. Die Abwärme der Milchkühlung wird für die Fußbodenheizung an den Melkständen und für das nötige Warmwasser genutzt.

Die frische Umluft bekommt den Tieren prächtig. Im Winter legen sich selbst die Kälbchen ein dickeres Fell zu. Ein Strohbett gibt es nur für hochträchtige Tiere. Darüber hinaus werden bei entsprechender Temperatur Plastikvorhänge oder Stegplatten aufgezogen.

Bewirtschaftet werden natürlich auch die Grundstücke des Seniorchefs in Willenberg. Etwas Sorgen bereitet die fehlende Konstanz beim Milchpreis. Hier wollen sich die staatlich geprüften Absolventen der Landwirtschaftsschule jedoch nicht verrückt machen lassen, sondern den eingeschlagenen Weg mit Beharrlichkeit weiterverfolgen. Seinen Nebenerwerb bei der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz hat Gerhard Auernheimer zugunsten der anderen Familienmitglieder bereits aufgegeben. Einem Beruf als Mechaniker in Pegnitz geht lediglich Sohn Alex nach. Nach Feierabend ist er jedoch stets auf dem Hof präsent.

Für die Familie ist ein Zwölf-Stunden-Tag Normalität. Auch die Freundinnen der Söhne sind eingebunden. Büroarbeiten werden mit gelegentlichem Wachdienst verbunden. An einen „Tag der offenen Stalltür“ ist nicht gedacht. „Wer kommt, ist da und wird informiert“, lautet die Devise der Familie, die den Bau von weiteren Fahrsilos anstrebt. Vision sind einmal 100 Milchkühe.

  

zag

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