Donnerstag, 28.01.2021

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Paradies für Pfeilwerfer: Trendsportart Darts auch beim TSC Pottenstein erfolgreich

Auch bei der Dartsparte des TSC Pottenstein spürt man den bundesweiten Aufschwung der Sportart - 03.01.2021 17:28 Uhr

Hightech auf einer alten Kegelbahn: Die Dartspieler haben sich beim TSC Pottenstein eine hochmoderne Anlage hingestellt.

03.01.2021 © Foto: Markus Maisel


Wenn man die Darträume im Sportheim des TSC Pottenstein betritt, kann man kaum glauben, dass hier vor einigen Jahren noch Kugeln über eine alternde verstaubte Kegelbahn rollten. Zwei hochmoderne Steeldarts-Scheiben leuchten an einer Wand, die mit einer Weltkarte im Muster einer Dartsscheibe bemalt ist. Darüber sind moderne Bildschirme befestigt - sie zeigen den Spielstand der laufenden Partie an. An den beiden Seitenwänden sind Tastaturen angebracht. Dort geben die Spieler die Punktzahl, die sie erworfen haben, ein – in Sekundenschnelle wird die neue Punktzahl dann an den Bildschirmen angezeigt.

Ein wahres Darts-Paradies haben sich die Mitglieder des TSC in den vergangenen Jahren im Untergeschoss des Pottensteiner Sportheims errichtet. Ein Paradies, das zunehmend junge Menschen aus der Pottensteiner Umgebung vor die Dartscheibe lockt.

Seit 2015 besteht die Dartsparte des TSC Pottenstein. Gegründet hat sie Uwe Brunner, ehemals Stürmer bei der Pottensteiner Vollmannschaft. Als vor acht Jahren die Bänder nicht mehr mitmachten, musste er seine Fußballerkarriere beenden und sich eine neue Sportart suchen. "Irgendwann ist mir die Decke auf den Kopf gefallen", sagt er. Mit dem E-Dart, dem klassischen Kneipendart mit elektrischen Automaten ist Brunner in den Sport eingestiegen. Doch das kostete. "Im Monat hat man nur fürs Werfen schon mal 100 Euro ausgegeben." Danach ist er mit seinen Pottensteiner Teamkollegen auf Steeldarts umgestiegen. Hierbei besteht die Spitze des Pfeils aus Metall.

Schlechter Ruf?

Brunner hat schon während seiner Fußballerkarriere leidenschaftlich gerne Darts gespielt – als man es unter Sportkollegen noch "Spickern" nannte – und der Sport keinen besonders guten Ruf genoss.

Dartspieler, das waren nicht nur Leute, die gerne Spicker auf eine Zielscheine geworfen, sondern dabei auch gerne etwas zu tief ins Glas geschaut hätten, erinnert sich Brunner. Der Sport wurde mit verrauchten Kneipen, ausufernden Parties und reichlich Alkohol assoziiert.

Diese Gegebenheiten sind heute weitgehend Geschichte. Bei Ligaspielen und Turnieren gilt ein Dresscode – schwarze Hose, schwarze Schuhe und Trikot. Wenn zum Bier gegriffen wird, dann in der Regel nach dem Wettkampf. Zwar leidet der Dartsport nach wie vor unter seinem Ruf – doch einen Aufschwung erlebt er auch: Seit ein paar Jahren füllt der Sport große Hallen und lockt Millionen von Zuschauern vor die Fernseher. In London wurde in den vergangenen Wochen der Weltmeister ausgespielt. Dabei sorgte der Saarländer Gabriel Clemens für eine Sensation. Er bezwang den amtierenden Weltmeister Peter Wright. Der endgültige Durchbruch des Sports in Deutschland?

Die Scheibe fest im Visier: Seit fünf Jahren spielt Uwe Brunner Darts beim TSC Pottenstein

03.01.2021 © Foto: Markus Maisel


Die Bilder aus London fördern in den Augen von Brunner jedenfalls das Interesse bei der Allgemeinheit. Wenn die Profis auf der Bühne stehen, könne das den einen oder anderen bewegen, das einmal zu probieren: "Weil sie sehen, dass das keine Athleten, sondern ganz normale Leute sind." Denn einen gewissen Vorzug genieße der Sport im Vergleich zu den meisten Vereinssportarten: "Jeder kann die Sportart spielen. Egal ob man größer oder kleiner ist - oder ein paar Pfund mehr auf den Rippen hat."

20 Mitglieder zählt die Sparte des TSC mittlerweile. Vor fünf Jahren war die Sparte mit dem DSV Pegnitz die einzige Steeldartmannschaft weit und breit. Mittlerweile zählt Oberfranken 16 Mannschaften, die im Ligabetrieb gegeneinander antreten.

Enorme mentale Anstrengung

Trotz der geringen körperlichen Anstrengung: Die Wettkämpfe sind für Brunner und sein Team eine große Herausforderung. Vier Stunden dauert ein Ligaspiel in der Regel, ein Wettkampf sogar einen ganzen Tag. Es ist die enorme mentale Anstrengung, die Darts mit sich bringt – und die Brunner begeistert.

Wenn man mit dem Pfeil zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt vor der Scheibe steht, muss man vollen Fokus auf die Segmente haben, sonst landen die Darts daneben. "Sobald man im Hinterkopf hat, dass man später noch etwas erledigen muss, geht gar nichts".


Kommentar: Warum Darts ein Sport für alle ist


Um das zu trainieren, misst sich Brunner mit seinen Mannschaftskollegen auch derzeit fleißig. Allerdings nicht im Pottensteiner Sportheim, das lässt die Corona-Pandemie nicht zu. Über eine Online-Plattform können die Spieler auch von zuhause spielen. "Wir haben zuhause Kameras über unseren Scheiben befestigt, das ermöglicht es uns, auch zurzeit gegeneinander zu spielen."

Sobald es wieder möglich ist, möchte sich Brunner wieder in den Räumen des TSC messen. Darüber hinaus hat er noch weitere Pläne. Auch eine Frauen- und Kindersparte soll es in ein paar Jahren beim TSC geben. Bis dahin müssen die Sportler jedoch von zuhause aus mit den Teamkollegen um die Wette spielen.

 

MARKUS MAISEL

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