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Sonntag, 13.06.2021

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Paradies für Rotfedern, Muscheln und Amphibien in Püttlach

Fossilienklopfplatz-Betreiber Sigi Groß hat seine Teichanlage zum Vorzeige-Biotop ausgebaut - 07.05.2021 16:26 Uhr

Sigi Groß (r.) und Naturpark-Geschäftsführer Christoph Hurnik wollen sich künftig gemeinsam der Amphibienpflege im Püttlachtal annehmen.

07.05.2021 © Foto: Richard Reinl


Der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer nennt Sigi Groß einen "positiv Verrückten". Der gebürtige Amberger betreibt auf der Hohenmirsberger Platte nicht nur einen Fossilien-Klopfplatz. Er sorgt vielmehr auch für Ordnung auf einem der höchsten Berge der Fränkischen Schweiz.

Der ganze Stolz von Sigi Groß sind rund 1200 Exemplare von Rotfedern, dem Fisch des Jahres 2017, der auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere steht.

07.05.2021 © Foto: Richard Reinl


Als er den Aussichtsturm mit tausenden von Lichtern in einen weithin sichtbaren Christbaum verwandelte und dazu auch noch eine Bobbahn für Kinder einrichtete, nutzte das Bayerische Fernsehen die Attraktion spontan zu einer Livesendung.

Eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Die Region bekam kostenlose Tourismus-Werbung, der BR den Reinerlös in vierstelliger Höhe für seine Hilfsaktion "Sternstunden". Auch sein Engagement bei Weihnachtsmärkten in Pottenstein und Gößweinstein stellte Groß in den Dienst dieser guten Sache.  

Jetzt, da Publikumsveranstaltungen nicht möglich sind, arbeitet der Oberpfälzer eher im Verborgenen an seiner Teichanlage nahe Püttlach. Mit einem ausgeklügelten Rohrsystem und selbst gebauten Schwimmer-Ventilen verteilt er das Quellwasser auf die verschiedenen Becken und sorgt so für den optimalen Wasserstand, bei Hochwasser genauso wie zu Dürrezeiten.

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"Fossiliensuche löst Gefühle wie beim Goldrausch aus"

In zwei Live-Reportagen berichtete das Bayerische Fernsehen vom Fossilien-Klopfplatz auf der Hohenmirsberger Platte und betrieb so tolle Reklame für das Tourismusangebot in der Region Pottenstein. Rund 100 Jugendliche gingen auf Schatzsuche und schließlich zeigte der Klopfplatzbetreiber Sigi Groß der Moderatorin Uschi Schmidt auch noch, wie man die Funde mit einfachsten Mitteln kinderleicht in wahre Schmuckstücke verwandelt.


Langjährige Erfahrung

Seit beinahe zwei Jahrzehnten bietet er auf dem einst eher verwahrlosten Areal seltenen Fischen und Amphibien optimale Voraussetzungen. Wobei dem früheren Fachberater für das Fischereiwesen in der Oberpfalz sein immenses Fachwissen zugute kommt. Fische landen bei ihm nicht auf dem Speiseteller, vielmehr ist die Arterhaltung sein erklärtes Ziel.

Ganz oben in seiner Hitliste steht dabei die Rotfeder, ein silbrig glänzender Fisch mit blutroten Flossen. Dieser wurde 2017 zum Fisch des Jahres gekürt und steht in verschiedenen Ländern auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.

Rund 20 Jahre alt sind die Teichmuscheln, die Groß bei der Reinhaltung seiner Gewässer helfen.

07.05.2021 © Foto: Richard Reinl


Groß ist sich sicher, dass er in seinem Teich einen der wenigen reinrassigen Stämme in ganz Nordbayern hält, tummeln sich doch ansonsten im sumpfigen Weiher nur noch einige Karpfen als Indikatoren für die Wasserqualität.

Sigi Groß bietet den Rotfedern ideale Lebensbedingungen mit Rückzugsmöglichkeiten zum Laichen und üppigem Pflanzenbewuchs. Gerne gibt er seine Züchtungen an andere Teichbesitzer ab. Denn die Pflanzenfresser sorgten doch schnell für Abhilfe bei übermäßigem Algenbefall.

Naturpark-Chef Hurnik als Amphibienexperte

War der neue Geschäftsführer des Naturparks Fränkische Schweiz, Christoph Hurnik, beim Ortstermin schon von der Fischzucht angetan, so zeigte er sich über den von Groß neu angelegten rund 200 Quadratmeter messenden Krötenlaichteich regelrecht begeistert. Hurnik, ein ausgewiesener Amphibien-Experte, will hier künftig mithelfen, nicht nur Kröten und Molchen optimale Lebensverhältnisse zu bieten. Vielmehr wollen beide endlich wieder Frösche im Püttlachtal quaken hören.

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Im Jahr 2012 lockte Hohenmirsberger Platte mit Wintertraum

Weit grüßte der Leuchtturm von Siggi Groß im Jahr 2012 von der Hohenmirsberger Platte ins Land hinaus. Der Betreiber des Fossilien-Klopfplatzes sorgte dort mit 2000 Lämpchen am Aussichtsturm, einer Bobbahn für die Kinder, der Hohenmirsberger Wunderkugel sowie gespurten Loipen und Wanderwegen für einen Wintertraum. Dazu gab es Glühwein und Bratwürste gegen eine Spende für die "Sternstunden"-Hilfsaktion. Sogar das Fernsehen berichtete in einer Live-Sendung von der Attraktion und warb so für einen Winterausflug in die Fränkische Schweiz.


Als Kröten-Notquartiere für Trockenzeiten wie in den vergangenen beiden Jahren hat Groß im angrenzenden Wald mehrere Reisighaufen aufgeschichtet, die er bei Bedarf künstlich feucht hält. Glücklich wäre der Oberpfälzer, wenn er den früher hier heimischen Feuersalamander wieder ansiedeln könnte. 

Für klares Wasser im Teich sorgt eine alte Sorte von gelben Seerosen, die ansonsten nur mehr in Altarmen der Donau vorkommen. Die Flachwurzler spielen eine wichtige Rolle bei der Klärung, genauso wie die mehrere Jahrzehnte alten Muscheln, von denen jede pro Tag bis zu 250 Liter reinigt. Obwohl mit der Pflege des Teichs viel Arbeit verbunden ist, schätzt Groß sein Biotop als willkommenen Rückzugsort. Eines ist ihm dabei besonders wichtig: "Natur- und Artenschutz muss Spaß machen."

Naturpark-Chef Christoph Hurnik lobt das Engagement von Sigi Groß in den höchsten Tönen: "Das ist Naturschutz mit hoher Nachhaltigkeit. Dass sich Groß zudem ehrenamtlich und ohne Gewinnstreben engagiert, nötigt mir Respekt ab."

RICHARD REINL

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