Samstag, 16.11.2019

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Parkmoral in Pottenstein ist ein Ärgernis

Mangels Kontrolle wird in der Gemeinde häufig "wild geparkt" - 21.10.2019 08:56 Uhr

Ohne Hemmungen werden Autos in Pottenstein in Ladezonen und anderen Parkverbotsbereichen abgestellt. Es gibt keine kommunale Parküberwachung und die Polizei kontrolliert nur sehr selten. © Martin Burger


In der Hauptstraße von Pottenstein gibt es einerseits nicht viele Parkmöglichkeiten, um sich mal schnell beim Bäcker ein paar Brötchen zu besorgen oder um einen Kaffee trinken zu gehen. Andererseits gibt es auch nicht viel Platz, damit die Läden beliefert werden können.

Gerade deshalb ist eine Ladezone in der engen Einbahnstraße so wichtig. Und genau hier beginnen die Probleme der Geschäftsinhaber. Denn zum einen muss in der Hauptstraße eigentlich niemand einen Parkschein ziehen, weil es keine kommunale Verkehrsüberwachung gibt und die Polizei nur hin und wieder in Pottenstein vorbeischaut. Zum anderen parken viele stundenlang in der ausgewiesenen Ladezone.

"Vor unserem Laden braucht keiner einen Parkschein zu ziehen", sagt Gerlinde Schmitt von Schmitts Allerlei sauer, "das ist eine Ladezone, da darf eigentlich so oder so keiner parken." Trotzdem stehen dort regelmäßig Autos und blockieren die anliefernden Lastwagen. Gerlinde Schmitt sagt hörbar verärgert: "Wir hatten vor ein paar Tagen eine Lieferung erwartet und als die kam, war die Ladezone zugeparkt. Der Fahrer hat daraufhin noch eine Runde gedreht. In der Hoffnung, dass dies nur Kurzparker seien." Doch auch nach der ersten und zweiten "Ehrenrunde" des Lastwagenfahrers sei die Ladezone besetzt gewesen. Gerlinde Schmitt versuchte unter Zeitdruck, die Falschparker ausfindig zu machen – vergebens. "Der Fahrer wollte schon weiterfahren." Letzten Endes parkte der Lastwagenfahrer selbst in einem Halteverbot etwas weiter entfernt und die schweren Güter mussten bis zum Laden per Hand geschleppt werden. "Es geht uns ja gar nicht um die Touristen, die dort aus Versehen parken", beschwert sich Gerlinde Schmitt, "es sind die Dauerparker und Anwohner, die genau darüber Bescheid wissen und trotzdem dort parken, weil sie nichts zu befürchten haben."

Die Geschäftsinhaber haben Verständnis für diejenigen, die schnell Brötchen kaufen möchten und dort nur kurz parken. Davon würden die Geschäfte profitieren, das sei etwas Gutes.

Die Polizei würde zwar des Öfteren nach Pottenstein kommen und nach dem Rechten sehen, doch das ändere nichts an der Parksituation, bestätigt Dieter Rother, der im Weihnachtsladen seines Bruders aushilft. Rother weiter: "Das ist ein wirkliches Problem. Wir haben sogar eine riesige Tafel angebracht, die nochmal darauf hinweist, dass das keine Parkplätze sind. Die Bewohner wissen das genau und parken trotzdem dort." Oft sogar tagelang.

So erzählt Gerlinde Schmitt, dass ein Anwohner mal von Freitag bis Montag sein Auto in der Ladezone stehen ließ. "Wir wollen ja keinen Ärger mit unseren Nachbarn, aber bitten einfach um Verständnis und Einsicht", sagt Gerlinde Schmitt.

Problem bei der Stadt bekannt

Das Problem sei auch der Stadt bekannt, in mehreren Gesprächen erläuterte man die Problematik auch bei Bürgermeister Stefan Frühbeißer. "Das Thema wurde in der Vergangenheit wiederholt mit der zuständigen Polizeidienststelle besprochen. Die kontrolliert die Hauptstraße im Rahmen ihrer Möglichkeiten", erklärt Frühbeißer und ergänzt: "Leider sind es Dauerparker, Anlieger oder auch Ladenbesitzer selbst, welche die begrenzt vorhandenen Stellplätze dauerhaft blockieren." Frühbeißer verweist auf die Vielzahl an Parkmöglichkeiten am Stadtgraben, die nicht genutzt werden. So sei es ein Vorschlag der Polizei, dass die Ladenbesitzer selbst die Verstöße dokumentieren – Fotos machen und Parkdauer sowie Kennzeichen notieren – und dann weiterleiten. "Das können wir nicht machen", sagt Gerlinde Schmitt. "Wir sind doch keine Verkehrsüberwachung und haben auch gar nicht so viel Zeit."

Eine eigene kommunale Verkehrsüberwachung käme hingegen nicht infrage. "Wegen der umfassend notwendigen rechtlichen Vorgaben für so etwas steht der Aufwand zum eigentlichen Nutzen in keinem Verhältnis", erklärt Stefan Frühbeißer. Auch die Polizei ist machtlos und sieht keine Lösung für das Problem: "Wir wissen, dass es in Pottenstein Beschwerden gibt. Gerade im Bereich der Ladezone stehen des Öfteren Dauerparker", bestätigt der Dienststellenleiter der Pegnitzer Polizei, Roland Schmitt, "wir können jedoch nicht jeden Tag in Pottenstein sein. Die Falschparker dort haben bei uns keine Priorität."

"Eine gewisse Unbelehrbarkeit"

So erinnert er sich an Tage, als Kollegen mit einem Stapel Verwarnungen aus Pottenstein in die Dienststelle zurückkehrten. "Das ändert aber nichts. Man hat fast den Eindruck, da ist eine gewisse Unbelehrbarkeit." Den selben Eindruck hat Veronika Bauernschmitt. Ihr Geschäft "Bei Vroni" ist direkt über Schmitts Allerlei – und hat dieselben Probleme. "Ich bin dagegen, dass nur noch Strafzettel verteilt werden. Das verärgert nur die Falschen. Die Kundschaft, die dann woanders hinfährt und die Touristen", sagt sie. "Die Dauerparker sind das Problem. Die müssen endlich ein Einsehen haben." Es liege an der generellen Einstellung der Dauerparker. Dass eine Lösung gefunden werden muss, stehe außer Frage. Bei den Geschäftsinhabern an der Hauptstraße liegen die Nerven schon lange blank. "Wir haben mit dem Vermieter gesprochen und gesagt, dass wenn das alles so bleibt, wir keine andere Möglichkeit haben als den Mietvertrag zu kündigen. Das haben wir bereits mündlich angekündigt", sagt Gerlinde Schmitt entschlossen.

So bleibt die Situation erstmal unverändert in Pottenstein. Besucher, Anwohner und Touristen können weiterhin parken, wo und wie lange sie möchten – denn kontrolliert wird hier nicht.

MARTIN BURGER

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