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Pegnitz: Blitzernte der Bauern auf den vertrockneten Maisfeldern

Landwirte im Landkreis Bayreuth wollen jetzt retten, was noch zu retten ist - 17.08.2018 09:10 Uhr

Holger Rabenstein zeigt einen Maiskolben von einem Feld an der Straße von Zips nach Stemmenreuth. Der Kolben ist nicht ausgereift. Er besitzt deshalb weniger Energie. „Das macht den Kühen schon was aus.“ © Hans-Jochen Schauer


In der guten Stube von Großbauer Holger Rabenstein sitzen sie um den Tisch. Sie haben ernste Gesichter: der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Karl Lappe, Kreisbäuerin Angelika Seyferth, Fachberater Martin Baumgärtner von der BBV-Geschäftsstelle Bayreuth und Hausherr Rabenstein.

Sie alle wissen: Jetzt kommt es auf jeden Tag an. Seit einer Woche schon holen die Landwirte im Landkreis den Mais von den Feldern. Es gilt, den Mais schnell zu ernten, denn die Pflanze muss von den Feldern, um in diesem brütend heißen Sommer zu retten, was noch zu retten ist.

Blätter rollen sich zusammen

Denn die Maispflanzen und Blätter vertrocknen von unten her. Die Maisbestände auf sandigen Böden, die keine Niederschläge erhalten haben, sind gelbbraun und notreif. "Schaut aus wie ein Kaktus", sagt Rabenstein. "Am Tag rollen sich die Blätter zusammen, damit die Pflanze vor Hitze geschützt wird", sagt Baumgärtner.

Wichtig seien die Temperaturen, so Rabenstein. "25 Grad sind ideal für die Ernte", sagt Lappe. Da sich die trockenen Maisbestände unter der Hitze des Tages aufheizen, müssen die Landwirte in den Morgen-, Abend- und Nachtstunden die Bestände häckseln und einfahren. "Dies ist notwendig, weil sich bei sehr trockenem Erntegut der Mais im Fahrsilo nicht silieren lässt und es zu Schimmelbildung kommen kann", sagt Landwirt Rabenstein. "Es soll nicht zu Fehlgärungen kommen", fügt Kreisobmann Lappe hinzu.

Die Maiskolben schauen aus, als wären sie an manchen Stellen angenagt; wo sonst leuchtend gelbe Maiskörner sitzen, sind cremeweiße Stümpfe zu sehen. "Auf trockenen Beständen sind die Kolben nicht ausgereift, die Restpflanze verdorrt", sagt Lappe. "Wegen des fehlenden Wasser stirbt die Pflanze ab", ergänzt Baumgärtner. "Bei guten Beständen wäre es besser zu warten, bis die Reife ein Stück fortgeschritten ist", sagt Obmann Lappe.

In normalen Jahren werde der Mais in vier, fünf Tagen abgeerntet, so Rabenstein. Aufgrund der unterschiedlichen Reifestadien könnten die Bauern im Landkreis den Mais heuer zu drei verschiedenen Zeiten ernten. "In Tal- und Waldlagen merkst du jeden Meter", berichtet Rabenstein. Bodenart, Lage und Sonneneinstrahlung seien der Grund dafür, so Lappe.

Ein vertrockneter Maiskolben. Aufgrund des Wassermangels fallen die Erträge der Bauern im Landkreis Bayreuth in diesem Jahr deutlich geringer aus. © Hans-Jochen Schauer


Zum allem Unglück würden nun auch die Wildschweine in den Maisfeldern ihr Unwesen treiben. "Fünfzehn bis siebzig Prozent der Ernte können dabei vernichtet werden. Die Jagd auf die Eindringlinge nutze nicht viel. "Die Tiere vermehren sich schnell", sagt Kreisbäuerin Seyferth. Doch in diesem Sommer hat Rabenstein noch keine Wildscheine gesehen. "Denen ist es zu heiß, selbst in der Suhle waren sie nicht. Wir wissen nicht, wo sie sind."

Holger Rabenstein wird mit oder ohne Wildschweine die Maisernte schnell hinter sich bringen. Insgesamt acht Mann werden dabei mit ihren Fahrzeugen und Maschinen im Einsatz sein. Auf 105 Hektar hat er Mais stehen. Jeder Hektar bringt ungefähr 45 Tonnen. Allein 2000 Tonnen sind für die 150 Kühe im Stall des Zipser Großbauern bestimmt.

Die Ernte in diesem Jahr werde 20 bis 30 Prozent geringer ausfallen als üblich, so Rabenstein. Dabei dürfte der Schaden noch geringer ausfallen als beim Grünland. "Dort muss in den nächsten zwei Wochen unbedingt Regenfallen", so Lappe.

Appell des Bauernverbandes

Weil die Ernte heuer in kürzester zeit eingebracht werden muss, appelliert der Bayerische Bauernverband an alle Halter und Fahrer von land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen, sich umsichtig und rücksichtsvoll im Straßenverkehr zu verhalten. Besondere Rücksichtnahme sei auf den Straßen bei der Begegnung mit anderen Verkehrsteilnehmern angesagt. Zudem werden die Erntefahrzeuge schon früh um 5 oder 6 Uhr starten. "Bei hohen Temperaturen kann es sein, dass wir abends erst um 19 Uhr beginnen können und bis tief in die Nacht hinein arbeiten. Spaß macht das nicht", sagt Rabenstein.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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