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Mittwoch, 21.08.2019

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Pegnitz: Lockere Komödie mit starken Typen

Die Faust-Festspiele Pegnitz starten mit Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ in die Sommersaison - 18.07.2019 15:19 Uhr

Dorfrichter Adam (Goerg Mädl, vorn) steht unter Verdacht. Und versucht alles, um seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen. © Hans von Draminski


Und das ist gut so, denn Festspiel-Intendant Daniel Leistner und sein Geschäftsführer Uwe Vogel, die beide traditionell auch zum Hauptdarsteller-Stamm der Faust-Festspiele zählen, wollen ein niedrigschwelliges Angebot machen, wollen die Klassiker auch jenen nahebringen, die an Hochliteratur und deutscher Lyrik eher wenig Interesse haben.
Bei der „Krug“-Freilichtpremiere auf dem Pegnitzer Schlossberg ging das Konzept leider nicht auf, denn trotz oder gerade wegen des für Open-Air-Aufführungen im Grunde idealen Frühsommerwetters mit gemäßigten Temperaturen war der Start in die Festspielzeit alles andere als ausverkauft, viele Plätze blieben leer.
Schade für das Stück und schade für ein Ensemble, das mit viel Herzblut und noch mehr Witz und Feuer agiert. Kleists Plot ist schnell erzählt: Der nicht all zu kluge Dorfrichter Adam stellt der jungen Eve nach, steigt in ihr Schlafzimmer ein, wird dabei ertappt, verletzt sich beim rettenden Sprung aus dem Fenster und bezieht dann noch Prügel vom Verlobten des Mädchens, der ihn allerdings nicht erkennt.
Bei der überstürzten Flucht geht ein antiker Krug zu Bruch, weshalb Eves Mutter Marthe die ganze Sache vor Gericht bringt. Adam muss also seinen eigenen Fall verhandeln und tut alles, um den Verdacht von sich abzulenken. Was sich als ziemlich schwierig gestaltet, zumal sich auch noch ein gestrenger Gerichtsrat zur Inspektion angekündigt hat.
Der Stoff liefert Steilvorlagen für subtile Ironie und schräge Scherze. Und er steht und fällt mit dem Darsteller des Richters Adam. Eine Rolle, die bei Georg Mädl in den besten Händen ist. Er rollt die Augen wie einst Louis de Funés, zappelt und hampelt wie eine Aufziehpuppe und verwandelt sich im nächsten Moment in einen notgeilen Intriganten, der auf Eve massiven Druck ausübt, über die Nacht im Kämmerchen nichts auszuplaudern. Ein gefährliches Chamäleon, über das man lacht, dem man aber auch den vorhersehbaren Absturz gönnt.
Zumal Katharina Brendel als Eve alles andere als ein wehrloses Opfer ist, sondern von Regisseur Daniel Leistner als selbstbewusste Frau von heute gezeichnet wurde – sinnvolle Aktualisierungen gehören bei den Faust-Festspielen zum Konzept. Deshalb darf Lisa Lottes in ihrer resolut konturierten Mutter-Rolle auch Pegnitzer Fränkisch reden und nach Herzenslust das Tratschweib von nebenan geben.
Dagegen übt Regisseur Leistner kluge Zurückhaltung, wenn er Eves Verlobten Ruprecht verkörpert. Brillant das Doppel-Rollenporträt von Melina Rost, die mal Muster-Freundin und -Nachbarin ist und mal schrullige Seniorin mit skurriler Brille und hart gerolltem R.
Die heimlichen Stars verbergen sich in zwei Nebenrollen: Sven Schenke verwandelt sich kongenial in den Gerichtsschreiber Licht, der nach Höherem strebt und einen Riesenknall hat. Der ihn gleichwohl nicht daran hindert, Karriere zu machen.
Der Kleber, der das Spiel auf der Schlossbergwiese zusammenhält, ist Uwe Vogel, der trotz Mandelentzündung seinen Gerichtsrat Walter mit deklamatorischer Präsenz und ganz vielen Zwischentönen verlebendigt. Das ist schon nicht mehr beschwingtes Freilichtspiel, sondern ganz großes Welttheater, wohldosiert auf die Bühne gebracht.
Weitere Vorstellungen bis einschließlich Samstag, 7. September. Nächste Premieren: Sonntag, 21. Juli, 16 Uhr, „Prinz Kräutertee“ (Kinderstück), 20 Uhr „Faust 1“; Mittwoch, 31. Juli, „Leonce und Lena oder zwei Königskinder auf der Flucht“. Informationen unter www.faust-festspiele-pegnitz.de, mehr Bilder unter www.nordbayern.de/pegnitz

  

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