Pegnitz: Michael Starke hat Klassik fürs Leben verinnerlicht

25.9.2016, 13:55 Uhr
Michael Starke an seinem „Arbeitsplatz“ Klavier. Noten schreibt er am liebsten mit der Hand. Nur die Schlussfassung entsteht meist am Computer. Foto: privat

Michael Starke an seinem „Arbeitsplatz“ Klavier. Noten schreibt er am liebsten mit der Hand. Nur die Schlussfassung entsteht meist am Computer. Foto: privat

Der Job des Chorleiters bei Lingua Musica ist unbezahlt. Deshalb verdient Michael Starke die Brötchen für sich und seine kleine Familie in einem soliden Beruf beim Staat. Er ist Musik- und Religionslehrer an der Johann-Kepler-Realschule in Bayreuth. Und das seit 15 Jahren. Der gebürtige Pegnitzer studierte an der Uni in Bayreuth. Künstlerisches Lehramt heißt der Studiengang offiziell. Zwei Semester verbrachte er auch an der Hochschule für Musik in München.

Musiklehrer ist für den 47-Jährigen sein Beruf, die Musik aber seine Berufung. Er komponiert selbst Stücke — meist klassisch der Gegenwart — und spielt Klavier und leitet einen Chor, der in der frühen Gesangsgruppe Gospeltrain unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde seine Wurzeln hat. In Bamberg promoviert der gebürtige Pegnitzer „nebenbei“ noch im Hauptfach Musikpädagogik und widmet sich dabei vor allem der Vermittlung neuer Musik. Aber darüber brütet Starke schon eine Weile. „Vor Jahren habe ich schon damit angefangen“, gibt er ganz offen zu. Das sei ein langer Weg gewesen. „Es lichtet sich jetzt. Ich werde vielleicht noch zwei Jahre brauchen.“

Gut, die Doktorarbeit läuft eher so nebenbei. In den Ferien mit mehr Aufwand, außerhalb mit weniger. Schließlich will die 16 Monate alte Tochter ja auch die Aufmerksamkeit ihres Vaters. Wenngleich Michael Starke Bamberg nicht vermissen möchte. Die Diskussion mit Doktoranden, das Entwickeln freier Visionen, wie er sagt. Er könnte sich durchaus vorstellen, nicht nur Musik an der Realschule zu unterrichten, sondern in diesem Bereich auch an der Uni zu arbeiten. Aber auch das ist noch Vision.

Plattensammlung „schuld“

„Als Kind habe ich viel und gern gesungen“, sagt Michael Starke über sich selbst. Und die Plattensammlung seiner Patin mit klassischer Musik weckte schließlich sein Interesse. Das war so gegen Ende der Grundschulzeit und in den ersten Jahren des Gymnasiums, erinnert er sich zurück. Und er hat einst bei Fritz Pastyrik Geige gespielt.

Das eigentlich Handwerkliche für die Musik nahm Starke beim Studium mit. Bei Eigenkompositionen widmet er sich der neuen Musik, wie er sagt. Und diese müssen sich entwickeln. Nicht nur aus Ideen. „[DAS]Ausgangspunkt kann auch ein Klang oder ein Rhythmus sein, aus dem dann musikalische Strukturen entstehen.“ Die Noten bringt der gelernte Musiklehrer handschriftlich zu Papier. „Da ist man viel flexibler.“ 30 Stücke sind es bisher geworden, ein Großteil davon sei auch aufgeführt worden. Er hält sich ans Klassische, aber auf der „Höhe der Zeit“, wie er meint. Er will nicht einfach Stücke im Stile namhafter Klassiker schreiben[„AUFWÄRMEN“]. Starke widmet sich der Chormusik genauso wie der Orchester- oder der Kammermusik für Flöte, Klavier oder Streicher.

Wichtig ist ihm der Kontakt zu anderen Leuten. Und hier kommt ihm der Tonkünstler-Verband sehr recht, bei dem er sich als Zweiter Vorsitzender im Ortsverband Bayreuth einbringt. Öffentliche Auftritte hat Michael Starke vor allem in der Chorgemeinschaft mit Lingua Musica, seinem Ensemble, das er seit rund 20 Jahren als musikalischer Leiter geformt und gefordert zugleich hat. Musikalische Sprache, bedeutet Lingua Musica übersetzt. Seine Wurzeln hat der Chor in der Ursprungsgruppe Gospeltrain, die vor allem Jugendgottesdienste in der evangelischen Kirchengemeinde gestaltet hat. „Mit acht Leuten haben wir damals im Hainbronner Gemeindehaus mit den Proben begonnen“, erinnert sich Starke an die Anfangszeit zurück. Ungefähr zwei Jahre nach der Gründung wurde aus dem Gospelchor [„AUFWÄRMEN“]Lingua Musica[/„AUFWÄRMEN“]. Nicht zuletzt auch deshalb, um größere stilistische Vielfalt in den Chor zu bringen. Starke ist und war all die Jahre der Leiter des Chores, aktuell unterstützt von Erika Herzog in der Organisation.

Auswärts unterwegs

Mit den Jahren wurde der einstige Jugendchor gediegener. Die Mitglieder waren 14 und älter, heute reicht die Altersspanne von 20 bis 80 Jahre, rund 30 Personen singen im Chor aktuell mit. Das Repertoire hat sich in all den Jahren geändert. Starke baut immer wieder anspruchsvolle Projekte ein, mit denen der Chor vor allen in letzter Zeit mehr und mehr auswärts zu hören ist. „Die Mitglieder ziehen mit“, sagt er. Gibt es bei manchen Vorhaben Vorbehalte, „dann gehen wir das Projekt gar nicht erst an. Wir diskutieren auf jeden Fall darüber.“

Den größten Einschnitt stellte nach Ansicht des Chorleiters im Jahr 2000 die Aufführung der Carmina Burana dar. Inzwischen ist Lingua Musica sogar mit Orchesterbegleitung unterwegs, zwei Auftritte im Kloster Speinshart und in Bayreuth sind für nächstes Jahr fest terminiert. Können da Laien überhaupt noch mithalten? „Wer die Proben regelmäßig besucht, hat da eigentliche keine Probleme“, meint Starke. „Wir haben vielleicht zwei oder drei Mitglieder im Chor, die eine gesangliche Ausbildung haben“, sagt Starke. Viel wichtiger sei die eigene Motivation, meint er. „Wir sind ja kein Berufschor“. Starke wirbt um Verstärkung. Es sei zwar ein langer Prozess, aber jeder könne das schaffen.

Und Verstärkung könnte Lingua Musica durchaus gebrauchen. Im Tenorbereich zum Beispiel. Oder bei den Bässen. „Bei weniger Stimmen ist es halt viel durchhörbarer, wenn jemand eine Zeile nicht mitsingt“, sagt Starke. Mit Gastsängern überbrückt Lingua Musica gelegentliche Engpässe bei Produktionen. Oder es springen Sänger aus der Kantorei ein. Schließlich sind beide Ensembles unter dem Dach der evangelischen Kirche zu Haus.

Gagen gibt es bei Lingua Muscia nicht, sagt Michael Starke. Dennoch ist der Chor auf Sponsoren angewiesen, vor allem dann, wenn Orchester zur Aufführung verpflichtet werden. Wie im aktuell geplanten Konzert „Auferstanden von den Toten“, das am 29. April 2017 erstmals in Speinshart aufgeführt wird. Verpflichtet wird hierzu die Vogtland Philharmonie Greiz-Reichenbach. Außerdem wirkt der Hamburger Regisseur und Autor Maximilian Ponader mit, mit dem Starke das Oratorium „Lazarus“ schreibt.

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