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Pegnitz: Pflegerinnen kommen von den Philippinen

Modellvorhaben: Dekan Schoenauer organisiert drei neue Arbeitskräfte für das Pegnitzer Brigittenheim - 21.09.2018 10:49 Uhr

Es gibt bereits Einrichtungen, die auf philippinische Arbeitskräfte setzen. Dieses Foto hat mit der aktuellen Umfrage nur symbolisch zu tun. © Michael Matejka


Neuland betritt der evangelische Dekan Gerhard Schoenauer bei der Suche nach Pflegekräften für das Brigittenheim. "Im nächsten März oder April kommen drei Pflegerinnen von den Philippinen zu uns ans Brigittenheim, ihre Namen stehen schon fest", zeigt sich der Pfarrer und umtriebige Manager des Brigittenheimes zuversichtlich. Gegenwärtig absolvieren die jungen Frauen in ihrem tausende Kilometer entfernten Heimatland Deutschkurse, um sich auf ihre künftige Tätigkeit am Pegnitzer Seniorenheim vorzubereiten.

"Das Ganze kostet uns einige tausend Euro", verrät der Dekan. Flug und die Sprachausbildung gehen schließlich richtig ins Geld. Die für das Vorhaben nötige Korrespondenz füllt mittlerweile einen dicken Aktenordner. Inzwischen hätten schon weitere oberfränkische Altenheimträger Interesse am Pegnitzer Modellvorhaben angemeldet.

Die Voraussetzungen für einen Erfolg seien gut, glaubt Schoenauer. Die Philippinerinnen hätten zuvor ihre vierjährige Ausbildung als Pflegerinnen absolviert. Sie waren nach dem Abschluss arbeitslos. Nach der Ankunft in Deutschland sollen sie hier weitere ergänzende Prüfungen ablegen. "Alte Menschen haben auf den Philippinen einen hohen Stellenwert", sagt Schoenauer. Dementsprechend fürsorglich würden die asiatischen Pflegerinnen mit den ihnen anvertrauten alten Menschen umgehen. Bei der Diakonie in München habe man beste Erfahrungen mit Pflegerinnen aus diesem Land gemacht.

Wegen der finanziellen Vorleistungen sollen die neuen Pflegerinnen mehrjährig für das Brigittenheim verpflichtet werden.

Aktuell sind im Brigittenheim alle 141 Plätze für pflegebedürftige Senioren belegt. Die Betreuungsarbeit wird von 90 Pflegekräften in Voll- und Teilzeitarbeit geleistet. Außerdem bildet das Heim neun Personen als künftige Pfleger aus.

Honorarkraft aus Tschechien

"Wir haben auch eine Honorarkraft aus Tschechien", erklärt Schoenauer. Diese war schon mal eingesprungen, als drei Nachtwachen gleichzeitig krank wurden oder einen Unfall gehabt hatten.

Ein klein wenig Stolz schwingt mit, als Pflegedienstleiterin Roswitha Schecklmann verrät: "Wir haben wegen Pflegekräftemangel noch nie ein freies Zimmer sperren müssen." Größere Städte haben da ganz andere Probleme. Schecklmann: "Bevor es soweit kommt, hole ich mir eben eine Honorarkraft als Pflegerin."

Dekan Schoenauer verweist in diesem Zusammenhang auch auf einen Beschluss des Pegnitzer Diakonieausschusses. "Wir stellen seitdem zwei Pflegekräfte mehr ein, als der Pflegeschlüssel eigentlich finanziell erlaubt."

Nicht gut auf die Anstrengungen der Regierung zur Behebung des Pflegenotstandes zu sprechen ist der Leiter des Seniorenheimes "Jakobushof" in Auerbach, Siegfried Kühn. Er ist zuständig für den Jakobushof und ein weiteres Amberger Seniorenheim.

Am Donnerstag dieser Woche hätte er dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder bei der offiziellen Einweihung der neuen Landespflegegeldstelle in Amberg gerne die Leviten gelesen. "Ich habe wegen dieser neuen Einrichtung Kündigungen von zwei Pflegekräften erhalten", ist er hellauf empört. Seine ehemaligen Mitarbeiterinnen hätten für eine Verwaltungstätigkeit und die geregelten Arbeitszeiten und Sozialleistungen im öffentlichen Dienst ihren anstrengenden Job im Seniorenheim an den Nagel gehängt.

Heimleiter Kühn: "Ich dachte, das sollten eigentlich Verwaltungsmitarbeiter machen." Statt einer personellen Unterstützung also ein personeller Aderlass bei der eigenen Belegschaft. Im Endausbau soll die neue Amberger Pflegegeldstelle 350 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Zusagen und Versprechungen der Politik hält der Auerbacher Heimleiter Kühn für "unterirdisch". Das gelte auch für die vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zugesagten 13 000 neuen Mitarbeiter im Pflegebereich. "Keiner sagt, wo die überhaupt herkommen sollen." Rein rechnerisch würden bundesweit 13 000 neue Pflegemitarbeiter jeweils einen pro Heim bedeuten.

"Den darf ich aber nicht wie alle anderen über den Pflegeschlüssel abrechnen, sondern muss dafür extra Anträge bei der Krankenkasse stellen." Also ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand.

Begehrte Fachkräfte

Zwar bildet der Jakobushof in Auerbach und am Standort in Amberg auch selbst aus, aber die fertigen Altenpfleger "holt sich dann oft der Markt." Kühns angriffslustige Frage an die Politik: "Woher soll ich als Heim überhaupt noch die Motivation nehmen, um selbst auszubilden?"

Am gleichen Nachmittag nach dem NN-Telefonat hat er noch selbst für zwei neue Mitarbeiter aus Serbien eine Wohnung angemietet. "Die kriegen doch sonst keine, weil sie noch keinen Gehaltsnachweis haben."

So unglaublich es klingt: Im Auerbacher Caritasheim St. Hedwig scheint dagegen die Welt noch in Ordnung. "Bei uns ist alles gut", ist die erste Reaktion von Pflegedienstleiterin Birgit Gsell auf den NN-Anruf. Alle 72 Betten sind aktuell belegt, und der Personalstamm reiche dafür auch aus.

Gsell hat aber auch schon Anrufe von Angehörigen erhalten, die sagten: "Wir haben für einen Kurzzeitpflegeplatz schon fünf Heime vergeblich abtelefoniert."

Frühzeitig Bescheid geben

Auch das Caritasheim habe nicht immer ein Bett zur Kurzzeitpflege frei, gibt die Pflegedienstleiterin zu. Aber manchmal klappe es eben doch. "Die Leute sollen aber nicht erst einen Tag vor der Entlassung ihres Angehörigen aus dem Krankenhaus anrufen." Denn dann sei es für eine kurzfristige Reaktion meist zu spät.

Zum Pflegeteam gehören auch seit langem je eine Mitarbeiterin aus Polen und eine aus Russland. "Aber das ist überhaupt kein Problem." Von geschlossenen Abteilungen hat Gsell auf Verbandsversammlungen schon gehört — für ihr Auerbacher Heim sei das aber glücklicherweise kein Thema.

Wer für einen Angehörigen einen Pflegeplatz sucht, ist im Caritasheim nicht völlig chancenlos. Gsell: "Nach ein paar Wochen müsste es klappen", macht die Pflegedienstleiterin Betroffenen Mut.

FRANK HEIDLER

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