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Pegnitz trauert um Herbert Scherer

Der langjährige Leiter des Gymnasiums und Träger des Frankenwürfels starb im Alter von 89 Jahren - 05.06.2018 06:56 Uhr

Herbert Scherers Markenzeichen war sein spitzbübisches Lächeln. Der langjährige Leiter des Gymnasiums Pegnitz ist im Alter von 89 Jahren gestorben. © NN-Archiv/Irene Lenk


Der schlanke Mann mit dem charakteristischen Schnauzbart war ein umtriebiger Geist, einer der etwas bewegen und verbessern wollte, der sich einsetzte und einmischte, wenn er es für wichtig hielt, der Neuem aufgeschlossen gegenüberstand und es verstand, andere Leute von seinen Ideen zu überzeugen.

Der am 3. März 1929 in Bayreuth geborene Scherer machte sein Abitur 1948 an der Oberrealschule Bayreuth, als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern lag. In den Nachkriegsjahren musste er als junger Mann mit anpacken und Geld fürs Elternhaus verdienen.

Vom Studieren sprach damals niemand. Er klaubte Kartoffeln von den Feldern, hackte Rüben, arbeitete als Dachdecker, sammelte erste Erfahrungen im Journalismus bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in Essen, half in einem Korkwarenbetrieb und arbeitete in einer Baumwollspinnerei.

Von diesen Jahren geprägt

Diese Jahre prägten ihn, weil sie ihm die sozialen Unterschiede erkennen ließen, aber auch den Wert handwerklicher Arbeit. "Wir Lehrer wissen immer ganz gut, wie alles zu funktionieren hat. Da ist es schon sehr hilfreich, einmal in die Praxis geschnuppert zu haben", sagte er einmal im Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten.

Für ihn wurde Pegnitz schnell zur neuen Heimat, nachdem er 1973 hier seine Stelle als Leiter des Gymnasiums mit Schülerheim antrat. Bewusst entschied er sich mit Ehefrau Eva für Neudorf als Wohnort. Die Nähe zu seiner Geburtsstadt Bayreuth und die "lichte Landschaft" waren dabei ausschlaggebend. Dort bauten sie ein Haus, in dem sie auch ihre drei Töchter aufzogen.

Mit ihnen war er aus Ecuador nach Deutschland zurückgekehrt. In dem südamerikanischen Land war er acht Jahre als Pädagoge mit besonderem sozialem Engagement tätig. Dort leitete er die deutsche Schule in Guayaquil. Der Staat Ecuador ehrte ihn mit dem Nationalen Verdienstorden.

Wieder in Franken begann er schnell am Profil des Gymnasiums Pegnitz zu feilen, es zu öffnen und zu internationalisieren. Auf seine Initiative hin wurde das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium um einen neusprachlichen Zweig erweitert. Zu den obligatorischen Fremdsprachen Englisch, Französisch und Latein kamen Italienisch und Chinesisch hinzu.

Ein weiteres Anliegen war ihm die bestehenden Partnerschaften zu intensivieren und neue anzubahnen. Vernetzt waren die Pegnitzer zeitweise mit Schulen in Frankreich, England, Italien, der Tschechischen Republik und der amerikanischen Highschool in Vilseck. Aufgrund der breit angelegten internationalen Verbindungen wurde das Gymnasium als erste in Bayern als Unesco-Projektschule anerkannt.

Daneben organisierte Scherer Veranstaltungen für deutsche und tschechische Pädagogen, leitete Fortbildungsseminare für Heimerzieher und betreute die Ferienseminare für begabte Gymnasiasten im Schülerheim. Scherer suchte auch innerhalb von Pegnitz Kontakte. Seine humorvolle Art half ihm dabei, Verbindungen zu knüpfen.

Vorsitzender der VHS

Er übernahm von 1975 bis 1985 den Vorsitz der Volkshochschule Pegnitz und gehörte zu den Gründern der Regionalgruppe Pegnitz des Universitätsvereins Bayreuth. Scherer hob den Arbeitskreis Schule und Wirtschaft mit aus der Taufe, initiierte die Fränkische-Schweiz-Abende und das Aschermittwochstreffen der Pegnitzer Schulleiter und des VHS-Vorstands.

Für all die ehrenamtliche Arbeit und Verdienste verlieh ihm der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1994 das Verdienstkreuz am Band des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Scherer war aber auch ein humorvoller Mensch mit trocken dargebrachten ironischen Bemerkungen. Dies in Kombination mit seiner Allgemeinbildung machten ihn zum idealen Redner beim Pegnitzer Wirtschaftstag. Schnell erwarb er sich mit diesen Auftritten beim "Flindererempfang" Kultstatus.

Funkelnde Kaskade

Die NN schrieben einmal: "Herbert Scherer ließ wieder eine funkelnde Kaskade an Sätzen herniederprasseln, vermengte Fiktion und Wirklichkeit zu einem prallen Bilderbogen. Der Flaneur zwischen Literatur, Geschichte, Ethnologie und Lokalgeschehen hat wieder ein geistreiches Paket geschnürt. Scherer verwebt historische Fakten mit seiner phantasievollen und feinfühligen Gedankenwelt, in der Jean Paul, Manfred Thümmler und Karl Lothes genauso ihren Platz haben wie Klöße, Bier, Ehe und Schipf."

Die Zuhörer sollten nicht alles ernst nehmen, meinte Scherer: "Und wenn sich einer betroffen fühlt, würde ich auf gut Fränkisch sagen: ,Ihr wisst ned, dass ich des gsoocht hätt. Do hamsa falsch hiekhört oder Ihre Ohrn lang nimmer gwaschn‘", meinte Herbert Scherer ans Publikum gewandt. Der virtuose Sprachartist, der auch einige Büchlein veröffentlicht hat, bekam 2004 den fränkischen Ritterschlag: Er wurde mit dem Frankenwürfel ausgezeichnet.

Auch die Stadt Pegnitz würdigte seine Verdienste, indem sie ihn mit der Goldenen Bürgermedaille auszeichnete. Die VHS ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden. Bis zuletzt sah man Herbert Scherer zusammen mit seiner Ehefrau Eva in Neudorf spazieren gehen, auch wenn die Wege kürzer wurden. Nun ist er für immer an seinem Ziel angelangt.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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