12°

Freitag, 05.06.2020

|

zum Thema

Pegnitzer Abiturient spielt für die Young Ice Tigers

Jannek Gerstner stand schon im Alter von zwei Jahren auf dem Eis. - 19.05.2020 18:19 Uhr

Jannek Gerstner beim Schusstraining im Pegnitzer Freiluftstadion. Hier begann seine Laufbahn als Eishockeyspieler. Eines Tages möchte der 18-Jährige wieder für den EVP spielen. © Foto: Andreas Beil


Jannek Gerstner spürt die Corona-Auswirkungen in doppelter Hinsicht. Er ist ein Eishockey-Talent und Schüler der zwölften Klasse am Pegnitzer Gymnasium. Das Resultat: Gerstner trainiert alleine und lernt alleine. "Das ist in Ordnung, weil man sonst wenig zu tun hat", sagt der 18-Jährige. Er ist nicht besorgt, dass durch die fehlende Schulzeit sein Abitur schlecht ausfallen könnte — Gerstner hat die leise Hoffnung, dass die Prüfungen heuer ein bisschen leichter als sonst ausfallen könnten.

Sportlich läuft es momentan so: Über eine App bekommt der Pegnitzer von seinen Trainern der EHC 80 Nürnberg Young Ice Tigers U20 alle zwei Wochen einen neuen Trainingsplan zugeschickt. "Laufen und Kraftsport", sagt Gerstner. Anderthalb bis zwei Stunden dauert eine Einheit, schummeln gilt nicht: "Im Herbst werden in Nürnberg Tests gemacht. Wenn jemand die Trainingspläne nicht befolgt hat, kommt es über den Fitnessstand heraus."

Also trainiert Gerstner sechs Mal pro Woche, nicht nur nach dem Plan der Ice Tigers, sondern auch im Pegnitzer Eisstadion. Er arbeitet am Umgang mit dem Schläger und seiner Schusstechnik.

So steht Gerstner nun wieder vermehrt dort, wo seine Laufbahn als Eishockeyspieler einst begann — im altehrwürdigen Freiluftstadion. Gerstner stand schon als Zweijähriger auf dem Eis, sein Vater Mark Gerstner, bestens bekannt im Pegnitzer Eishockey, gab die Leidenschaft an den Sohn weiter. "Es wurde mir praktisch in die Wiege gelegt." Als Vierjähriger begann er mit dem Eishockey, parallel spielte er bis zur D-Jugend Fußball. "Eishockey war aber immer die Nummer eins."

Dass Gerstner nicht nur Lust auf den Sport hat, sondern auch Talent, zeigte sich spätestens 2014. Er wechselte in den Nachwuchsbereich der Blue Devils Weiden und spielte auf einmal Schüler-Bundesliga. Sein erster Spiel war gegen die U14 des EV Landshut. Ergebnis: 1:10 aus Weidener Sicht. Eine wunderbare Erfahrung, sagt Gerstner. "Es war super zu sehen, dass man jetzt gegen die richtig guten Nachwuchsspieler spielt." Und dabei mithalten kann — das sagt Gerstner zwar nicht, weil er bescheiden ist, aber es war so.

Gerstner machte seinen Weg durch die Jugendmannschaften, immer unterstützt von seinen Eltern, die ihn mehrmals pro Woche zum Training nach Weiden und zu den Spielen fuhren. Einer der Höhepunkte in der Zeit bei den Devils war das Üben mit den Erwachsenen — tatsächlich durfte Gerstner schon mit 14 Jahren ins Training der damaligen Oberliga-Mannschaft der Weidener schnuppern. "Da ist man schon darauf aufmerksam geworden, dass man der Junge ist", erinnert sich Gerstner. Hier ein etwas härterer Check, dort ein versteckter Stockschlag — es gefiel Gerstner, von den Erfahrenen ernst genommen zu werden und es härtete ihn ab.

Zum Ende der Saison 2017/2018 kam es für Gerstner zu einer richtungsweisenden Begegnung. Die Jugend der Ice Tigers und Gerstners Weidener Mannschaft kämpften beide um den Aufstieg aus der Bayernliga. "Es waren sehr hitzige Duelle mit Derby-Charakter." Mit dem besseren Ende für die Nürnberger, aber eben auch für den Pegnitzer. Die Ice Tigers stiegen auf und fragten diesen auffälligen Verteidiger der Weidener, ob er nicht lieber bei ihnen spielen würde. "Ich habe mich mit meinem Vater unterhalten. Wir waren beide der Meinung, dass es für mich der richtige Schritt ist."

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Seit der Saison 2018/2019 ist Gerstner ein Nürnberger und spielt in der dritten Division der Jugend-Bundesliga. Begleitet wurde er bis dahin von Niklas Florian, ebenfalls ein Pegnitzer, der erst zeitgleich nach Weiden, und dann auch nach Nürnberg gewechselt war. "Er ist wie ein Bruder für mich", sagt Gerstner. Doch während der ein Jahr ältere Florian die jungen Ice Tigers nun verlassen wird — gerüchtet wird ein Wechsel zu den Ice Dogs nach Pegnitz — ist sich Gerstner noch nicht sicher, wo es für ihn hingehen wird. Er möchte Mediendesign oder etwas Wirtschaftliches studieren. Die Wahl des Studienortes ist maßgeblich von den Eishockey-Möglichkeiten vor Ort abhängig. Ein Jahr darf er noch im Jugendbereich spielen. Und dann? "Oberliga sollte es schon sein", sagt Gerstner. So könne er sich vielleicht in die DEL 2 vorarbeiten und wer weiß schon, wie es dann weitergeht. "Es ist einen Versuch wert", findet Gerstner, "wenn man Profi werden möchte, muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein." Mit der ganz großen Karriere werde es aber nicht klappen: "Ich werde es nicht in die DEL schaffen und dort ein Superstar sein."

Gerstner weiß aber dafür, wo sein Weg als Eishockeyspieler irgendwann hingehen soll: Dort wo alles angefangen hat, in Pegnitz. Er hofft aber, dass es sich dann nicht mehr um ein Freiluftstadion handeln wird: "Ich habe schon als Kind darauf gewartet, dass das Stadion ein Dach bekommt." Schließlich hat die regionale Konkurrenz durch ihre geschlossenen Stadien eine um mehrere Monate längere Eis- und somit Trainingszeit.

Als Zuschauer bei den Ice Dogs kann Gerstner den Bedingungen in Pegnitz aber schon etwas abgewinnen: "Wenn es im Winter während den Spielen leicht schneit, ist es eine ganz besondere Atmosphäre. Ich bin eben ein Pegnitzer Junge und liebe das Pegnitzer Eishockey."

MARCEL STAUDT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz