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Dienstag, 17.09.2019

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Pegnitzer auf zwei Rädern durch sieben Länder

Auf ihrer Fahrt nach Tallinn beeindrucken die Menschen und Radwege den Pegnitzer Andreas Bär und seinen Cousin Sebastian König. - 16.08.2019 07:00 Uhr

Am Ziel: Sebastian König (links) und Andreas Bär bei der Ankunft in Tallinn, der Hauptstadt Estlands. © Foto: privat


Zwölf Tage verbrachten Andreas Bär und sein Cousin Sebastian König unterwegs. Es ging über Feld- und Waldwege, Sandpisten, aber auch erstaunlich hochwertige Radwege. "Im Baltikum dürfen die Radfahrer auf autobahnähnlichen Straßen fahren", staunt Bär über das, was er in den sieben Ländern auf dem Weg erlebt hat. Zum Vergleich: Pegnitz und mehrere andere fränkische Städte hatten beim Fahrrad-Ranking des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) schwach bis katastrophal abgeschnitten.

"Die Hauptstraßen, die wir befahren haben, sind dort wie viel befahrene Schnellstraßen", schwärmt Bär, der im Pegnitzer Rathaus als Sachbearbeiter für Grundstücksmanagement, Dorferneuerung und Landwirtschaft zuständig ist. Weil die Radwege deutlich getrennt vom Verkehr auf dem Seitenstreifen verlaufen, bestehe keine Gefahr für die Radler.

Hart war es dennoch manchmal: "Vom romantischen Flussweg bis zu steilen und holprigen Schiebepassagen war alles dabei", erinnert sich Andreas Bär. Am Ende des dritten Tages, auf dem Weg ins sächsische Görlitz, vermelden die beiden Radler entsprechend an die Unterstützer ihres Radvereins Radioaktiv: "Die Beine ham heut scho gscheit gekracht!" Abhilfe gibt es in Form einer Badepause am Bertzdorfer See.

Die positive Wasserstandsmeldung vom Morgen jenes dritten Reisetages – "Wetter und Material sind immer noch top" – sollte sich dann zwei Tage später erledigen. Rund 50 Kilometer vor der westpolnischen Stadt Posen hat Andreas Bär einen platten Reifen. Die Radler haben eine kleine Scherbe im Verdacht, die man wohl auf einer der neugebauten, noch nicht eröffneten Straßen eingesammelt hat. Während der Reifenwechsel kein Problem ist, sehen sich die beiden schnell einem anderen Problem gegenüber: Wolken ziehen auf, es beginnt zu regnen, irgendwann sogar zu hageln. Aber auch dieser Tag findet ein glückliches Ende – zuerst am Dönerstand, dann im Bett auf einem Pferdehof in der Kleinstadt Barcin.

Tag sieben ist der wohl komplizierteste der Tour. Kurz vor der russischen Grenze brechen bei Sebastian König zwei Speichen, die beiden müssen einen Mechaniker aufsuchen. Die Begegnungen mit all den verschiedenen Menschen sind es, die Andreas Bär wohl noch länger im Kopf bleiben werden. "Das Schönste ist, dass man überall nette Leute trifft, sei es in Polen oder weiter im Baltikum. Auch in der tiefsten Provinz haben wir immer jemanden gefunden, der uns geholfen hat", sagt der Sachbearbeiter.

Auch die Einfahrt in die russische Enklave Kaliningrad stellte sich als kompliziert heraus. Trotz des Visums in der Tasche müssen Bär und König vier Grenzposten durchqueren. "Die sind schon ziemlich streng an der Grenze", sagt Bär schmunzelnd. Aber immerhin war diese Hürde genommen und damit erledigt – oder eben doch nicht: Bei der Ausreise gibt es das gleiche, langwierige Spiel.

Nach zwölf Tagen Reisezeit kommen Bär und König in Tallinn an. "Eine unheimlich schöne Stadt, die Landschaft erinnert an Skandinavien", schwärmt Bär. Am beeindruckendsten sei die Aussicht aber nahe der Heimat gewesen: "Die Ecke von Tschechien in Richtung Sachsen, das sogenannte Böhmische Paradies, war herrlich. So offen, hügelig und voller Holzhütten."

Auch eine Woche nach der Ankunft steckt die Fahrt Andreas Bär noch in den Knochen. "Das braucht wohl noch ein paar Tage", sagt der Pegnitzer. Zurück ging es übrigens nicht mit dem Rad. Das konnten die beiden mit einem Paketdienst nach Deutschland schicken. Sie selbst flogen von Tallinn nach Berlin und von dort per Mitfahrgelegenheit in Richtung München zurück nach Pegnitz. 

JULIAN SEIFERTH

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