Donnerstag, 21.11.2019

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Pegnitzer Bauern: Keine Medikamente seit zehn Jahren

Landwirte kommen weitgehend ohne Antibiotika aus — Staatliche Datenbank für Häufigkeit der Anwendungen - 18.11.2016 11:56 Uhr

Günter Braun (links) musste seinen Mastrindern in den vergangenen zehn Jahren keine Antibiotika verabreichen. © Foto: Archiv/Irene Lenk


„Wir behandeln die Tiere dann mit Antibiotika, wenn sie schwer krank sind“, sagt Günter Braun, dessen Rinder in Körbeldorf stehen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine seiner Kühe ein entzündetes Euter hat oder ein Tier nach dem Kalben an einer Stoffwechselstörung leidet. In Brauns Betrieb stehen 130 Rinder, „vom kleinsten Kalb bis zur größten Kuh“, wie er sagt. Er ist auf dem Hof aufgewachsen, seit 23 Jahren betreibt er Ökolandbau. Der Schwerpunkt liegt auf der Milchproduktion.

Um das Krankheitsrisiko bei seinen Tieren zu minimieren, setzt Braun auf eine optimale Haltung. „Wir setzen nicht weniger Antibiotikum ein, weil wir es müssen, sondern weil wir der Meinung sind, dass es nicht notwendig sein sollte.“ Für ihn bedeutet optimale Haltung, dass seine Tiere Platz im Stall haben und dass die Fütterung so eingestellt wird, dass „nicht das letzte aus der Kuh rausgeholt wird“. Seine Rinder können in den Auslauf gehen, im Sommer gibt es frisches Grünfutter.

Den prophylaktischen Einsatz von Antibiotika sieht der 52-jährige Günter Braun kritisch. Ohnehin sei die vorbeugende Gabe von Medikamenten im Ökolandbau verboten. Wenn ein Tier ernsthaft krank ist, muss ein Tierarzt einen Blick darauf werfen. Erst dann darf ein Rind Antibiotika bekommen.

Antibiotika nur nach Inspektion

Früher war das anders, erzählt Susanne Graf, Tierarzttechnikerin aus Auerbach. „Da war es gang und gäbe, Medikamente den Landwirten einfach mitzugeben.“ Seit etwa zehn Jahren muss der Tierarzt allerdings in die Betriebe kommen. Trotzdem gibt es nach wie vor „Autobahntierärzte“, wie sie Susanne Graf bezeichnet. Sie heißen deshalb so, weil sie von Hof zu Hof fahren und den Landwirten Medikamente für vor allem Schweine bringen — ohne diese vorher zu untersuchen.

Andreas Meyer ist Landwirt aus Zips und hat etwa 3000 Schweine, von acht bis 120 Kilogramm. Die Praxis seines Tierarztes ist weiter weg, was aber daran liege, dass es im näheren Umkreis nur Spezialisten für Rinder und Haustiere gebe. „Es ist nicht so, dass der herfährt, den Kofferraum aufmacht und dann wird das Zeug verkauft. Der kann das nur abgeben, wenn er die Tiere gesehen hat“, sagt der 31-jährige Andreas Meyer. Die Muttersauen besitzt seine Schwester, er kauft seine Ferkel ausschließlich bei ihr. „Das ist unser großes Plus.“

Denn laut Meyer wachsen die Schweinemastbetriebe, die Ferkelerzeuger dagegen nicht. Die Folge: Landwirte kaufen Jungtiere von mehreren Erzeugern, es kommen Ferkel mit unterschiedlichen Immunsystemen zusammen. Er vergleicht das mit Kindern, die nie krank sind, bis sie in den Kindergarten gehen. Wenn sie dann regelmäßig auf fremde Kinder treffen, sind sie ständig krank. Nicht so seine Ferkel. In seinem Betrieb braucht es nur selten Antibiotika. Wenn doch, dann weniger bei Krankheiten, sondern eher, wenn sich ein Tier am Bein verletzt.

Seit etwa zwei Jahren gibt es eine staatliche Antibiotikadatenbank, erzählt er, in der erfasst wird, in welchem Betrieb wie oft mit Medikamenten behandelt wird. Andreas Meyer sagt, dass seiner zu den Topbetrieben gehört, also nur sehr selten Arzneien gegeben werden. Damit das gar nicht erst nötig wird, lässt er auch niemanden von außerhalb in seinen Stall. Denn Krankheiten seiner Tiere kosten ihn immer auch Geld.

Die Schweine von Meyer bekommen vorbeugend keine Medikamente. Es könne allerdings sinnvoll sein, meint der Fleischproduzent. Nämlich dann, wenn ein Betrieb seine Ferkel von verschiedenen Erzeugern kauft. „Die bekommen prophylaktisch Penicillin ins Futter gemischt. Wenn alle auf einem Level sind, brauchen die das nicht mehr“, sagt er.

Die Arzneien, die für Tiere eingesetzt werden, sind die gleichen wie beim Menschen. Zum Beispiel Amoxicillin oder Penicillin. Wenn Günter Brauns Tiere ein solches Antibiotikum verabreicht bekommen haben, dann gilt es, bestimmte Wartezeiten einzuhalten. Das ist bei Andreas Meyer nicht anders. Günter Braun sagt, er habe in den vergangenen zehn Jahren bei keinem seiner Masttiere Antibiotika einsetzen müssen. Das liegt zum einen daran, dass bestimmte Erkrankungen nur in der Milchproduktion vorkommen. Zum anderen daran, dass ein Masttier nur zwei oder zweieinhalb Jahre alt wird. Eine Milchkuh wird dagegen zehn bis 15 Jahre alt. „Da treten dann auch Krankheiten stärker auf als in den Jugendjahren“, so der Landwirt aus Körbeldorf.

LUISA DEGENHARDT

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