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Pegnitzer Bienenzuchtverein erneuert Zaun rund um Königinnen-Belegstelle

Die Imkerei im Veldensteiner Forst hat eine sehr alte Tradition - 02.05.2021 18:20 Uhr

Mitglieder des Bienenzuchtvereins Pegnitz haben rund um die Königinnen-Belegstelle am Forsthaus Hufeisen den Zaun erneuert. Links im Bild sind Belegstellenleiter Werner Lautner und Revierleiter Harald Kannowsky zu sehen.

02.05.2021 © Foto: Klaus Trenz


Dort darf sich die Bienenkönigin mit ausgesuchten Drohnen paaren, damit ein krankheitsresistentes, sanftes und leistungsfähiges Bienenvolk entsteht, erklärt Vorsitzender Bernhard Lang. In der vergangenen Woche wurde die Königinnen-Belegstelle mit den Bienenständen ausgelichtet und der Zaun rund um das Gelände erneuert, schließlich sollen dort die Bienen ihre Ruhe haben.

Kostenlose Überlassung

Die Bayerischen Staatsforsten stellen dafür bereits seit 1967 den Pegnitzer Imkern das Gelände kostenlos zur Verfügung. Auch zwei Fachkräfte halfen mit, lichteten es etwas aus und unterstützten die Vereinsmitglieder corona-konform in Zweiergruppen beim Aufstellen des neuen Zauns. "Wir stellen auch das Zaunmaterial im Wert von rund 1300 Euro zur Verfügung", berichtet Revierleiter Harald Kanowsky. Man habe außerdem im Umfeld der Belegstelle Blühwiesen angelegt, damit die Bienen und andere Insekten Nahrung finden. Diese Partnerschaft sei geradezu "hervorragend", betont Lang. Und die Belegstelle ideal für die Zucht von Bienenvölkern: An den Bienenständen zuhause sei eine kontrolliert Paarung der Königinnen gar nicht möglich.

Man achte sehr genau darauf, dass das "Zuchtmaterial" – Königin und Drohne – ein gutes sei und zusammenpasse, erklärt der Vorsitzende. Dafür bringe man kleine, drohnenlose Bienenvölkchen mit einer Königin zur Belegstelle, also ein kleiner Schwarm mit nur den weiblichen Arbeitsbienen und ohne die männliche Bienen. Dort warte dann bereits ein von den Imkern ausgesuchtes Begattungsvolk. Letztere haben nur eine Aufgabe: Die Begattung der Königin, was für die Männchen aber tragisch endet. Nicht nur, dass der Drohn sich gegen seine Rivalen durchsetzten muss: Er stirbt nach der Befruchtung der Königin, hat aber seine Aufgabe erfüllt.

Die Königin wird danach in der Lage sein, bis zu 1500 Eier zu legen. Die Belegstelle im Veldensteiner Forst sei für die Imker nahezu ideal, immerhin handelt es sich bei dem Waldgebiet um rund 5500 Hektar zusammenhängendes Waldgebiet, erklärt der 30-jährige Belegstellenleiter Werner Lautner. 

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Seine wichtigste Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass nicht fremde Drohnen von anderen Völkern in der Nähe des Forsts mit den vereinseigenen Königinnen in Kontakt kommen, sonst könnte es unerwünschte Zuchtergebnisse geben. Dafür gibt es einen "Schutzgürtel" mit einem Durchmesser von rund 7,5 Kilometer rund um die Belegstelle, denn Bienen können weite Wege zurücklegen. Er achtet darauf, dass innerhalb dieses Schutzgürtels kein anderer Bienenstand vorkommt. Und er kontrolliert das auch: "Es dürfen in diesem Bereich nur unsere Zuchtbienen stehen".

Bayerische Besonderheit

Bei der Umsetzung hilft Lautner ein Gesetz, das es so nur in Bayern gibt: das bayerische Tierzuchtgesetz, in dem die Bienenzucht geregelt ist. Ferner müssen Imker ihre Bienenstände beim Veterinäramt anmelden, schließlich sind sie Nutztiere.

Lautner hat neben seiner "Aufpasserrolle" aber noch mehr zu tun: Er dokumentiert das Zuchtgeschehen, richtet die Völker, wählt sie aus, ob sie zueinanderpassen, betreut die Bienenstände und das Gelände. Zweimal in der Woche macht er das für seinen Pegnitzer Verein. Zwischen 200 und 300 Bienenköniginnen werden zwischen Mai und Ende Juli wohl in diesem Jahr unter seine Fittiche kommen. Zu besten Zeiten, so erinnert sich Lang, waren das um die 800.

"Die Zucht ist das A und O" der Imkerei, betont Lautner, der seit 15 Jahren Mitglied bei den Pegnitzer Bienenzüchtern ist und vor rund zwölf Jahren mit dem Imkern angefangen hat. Die Bienenzucht werde aber nur noch von einem kleinen Teil der Imkerschaft gemacht: In Bayern gebe es gerade mal noch bis zu 250 aktive Züchter und nur noch 27 solcher Königinnen-Belegstellen, darunter drei in ganz Oberfranken.

Die Imkerei im Veldensteiner Forst hat eine sehr alte Tradition, wie in der Jubiläumsschrift des Bienenzuchtvereins Pegnitz nachzulesen ist. Dieser hatte 2015 sein 130-jähriges Bestehen gefeiert. 

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Durch seine 70 Quadratkilometer Größe garantiere der Forst eine hohe Paarungssicherheit, die das größte Bestreben eines jeden Bienenzüchters sei. Die "Zeidlerei", wie früher die Waldimkerei hieß, soll bereits 1323 im Bamberger "Urbar", einem historischen Lexikon, genannt worden sein. Damals sollen 47 Zeidler im Forst tätig gewesen sein. Auch heute sei das noch möglich, erklärt Revierleiter Harald Kannowsky.

Imker könnten jederzeit kostenlos Bienenstände außerhalb der Schutzzone rund um die Belegstelle aufstellen. Das ergibt im Idealfall dann einen Honig, der sich vom herkömmlichen, der vor allem aus Blütennektar besteht, deutlich unterscheidet. Waldbienen sammeln sogenannten Honigtau. Dieser wird von pflanzensaugenden Insekten ausgeschieden. Waldhonig hat eine dunklere Farbe als Blütenhonig; schmeckt kräftiger und würziger.

KLAUS TRENZ tz

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