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Pegnitzer Einzelhändler zwischen Hoffen und Bangen

Neues Angebot, mit Termin und negativem Testergebnis shoppen zu gehen, kaum nachgefragt - 14.04.2021 12:55 Uhr

Während das Bestellen und Abholen von Waren an der Ladentüre in Pegnitz inzwischen gut ankommt, wird das neue Angebot, mit Termin und negativem Testergebnis bummeln zu gehen, kaum genutzt.

13.04.2021 © Foto: Klaus Trenz


Mit dem Verkauf von Schulranzen an der Ladentüre hat Margit Ponfick von Lederwaren Voit eine Nische gefunden, die gut läuft. "Ich habe das Glück, dass ich ein großes Schaufenster habe", sagt Ponfick. Dort kann man sich die nummerierten Modelle ansehen, sich dann telefonisch beraten lassen und bestellen. Dieses sogenannte Click & Collect (etwa: Bestellen und Abholen) werde derzeit stark nachgefragt.

Anders die neue Option, mit negativem Testergebnis und Termin bummeln zu gehen. Gerade mal eine Kundin habe dieses Angebot (Click & Meet) bislang genutzt, berichtet die Unternehmerin und prognostiziert: "Ich glaube, das wird nicht groß angenommen werden."

Höchstens eine Übergangslösung

Ähnlich sieht es Buchhändler Michael Holz von "Faust" am Marktplatz: Wenn überhaupt, sei das Einkaufen mit negativem Testergebnis und Terminvereinbarung für einen kürzeren Zeitraum eine Übergangslösung. Weder in seinem Ebermannstädter noch in seinem Pegnitzer Laden hätte sich bislang ein einziger Kunde dafür interessiert.

In eher kleinen Buchhandlungen, wie den seinen, sei es auch vor der Pandemie weniger so gewesen, dass sich Kunden beim Stöbern im Geschäft groß zum Kauf inspirieren ließen. "Die meisten Kunden haben schon konkrete Vorstellungen, was sie wollen und bestellen das dann", berichtet Holz von seinen Erfahrungen mit Click & Collect, das sich inzwischen ganz gut eingespielt habe. Immerhin gut die Hälfte des sonst üblichen Umsatzes käme so zusammen. 

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Auch seien der telefonischen Beratung im Buchhandel Grenzen gesetzt, wie ihm erst wieder das Beispiel einer älteren Dame vor Augen geführt habe, die ein Buch über Christoph Kolumbus und Amerika gesucht habe. Das Angebot dazu sei so groß und die Möglichkeiten, davon über das Telefon einen Eindruck zu vermitteln, so gering, dass Holz der Dame schließlich empfahl, sich doch mit ihren Kindern oder Enkeln mögliche Exemplare im Internet anzusehen und sich dann wieder zu melden.

Besonders gefragt seien bei Faust in der Pandemie Kinderbücher und Wanderbücher über die Fränkische Schweiz. Anders als an Click & Meet seien die Kunden schon ein bisschen ans Abholen nach Bestellung gewöhnt. Wer zu den Abholzeiten nicht kommen könne, dem würden die Bücher nach Hause geliefert.

Schon seit Mitte Februar wieder geöffnet haben darf als Babyausstatter S & D Sons and daughters in der Hauptstraße – bislang auch ohne Vorlage eines negativen Testergebnisses durch die Kunden (die Regelung ist dort ähnlich wie etwa beim Optiker). Werdende Mütter wie Großeltern schätzten die Möglichkeit, hier Bekleidung für den Nachwuchs zu erwerben, berichtet Inhaberin Petra Zahn und freut sich über einen Lichtblick in der Pandemie: "Geburten gibt es ja trotzdem und derzeit recht viele."

Von Normalität sei man aber auch bei S & D noch weit entfernt: Die Öffnungszeiten wurden verkürzt, Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit und es fehlten flanierende Passanten wie überhaupt das Leben in der Innenstadt. Dieser Punkt ist auch Buchbindemeisterin Annette Löhr von Schreibwaren Wöckel besonders wichtig: "Es heißt nicht, dass wenn man offen haben darf, alles wie immer ist. In der Innenstadt brauchen wir uns alle gegenseitig." Die Geschäftsleute fühlten mit jenen, die nicht so flüssig seien oder zusätzlich zu den Umsatzeinbußen noch hohe Fixkosten zu tragen hätten, betonen verschiedene Gesprächspartner am Telefon. Manche wie Goldschmiedemeisterin Alexandra Wolf von "Uhren Wolf" weigern sich gar, ein Schlupfloch zu suchen, das ihnen eine Öffnung erlauben würde.

Jeden Wunsch erfüllen

Stattdessen versucht Wolf, wirklich jeden Kundenwunsch zu erfüllen und kommt sich dabei manchmal ein wenig getrieben vor. "Aktuell bin ich nur am Schauen, dass Geld reinkommt", berichtet sie auch mit Blick auf ihr in Kurzarbeit geschicktes Personal. Mit Entsetzen habe sie kürzlich erfahren, dass ihr Betrieb wohl gar keine Dezemberhilfe bekommen werde. Das wäre ein herber Schlag, zumal der letzte Monat des Jahres in ihrer Branche traditionell der umsatzstärkste sei.

"Ich habe das Gefühl, dass das Schicksal von so einem kleinen Laden wie meinem niemanden interessiert, der gerade in Berlin oder München über die Corona-Regeln entscheidet", sagt Wolf und kann der neuen Möglichkeit zu Click & Meet bei negativem Testergebnis wenig abgewinnen: "Das ist nicht das, was wir gerade brauchen. Das sorgt nur für eine viel größere Verunsicherung."

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So hätten einzelne Kunden angerufen und gefragt, ob sie ihre zur Reparatur abgegebenen Uhren nun nicht mehr ohne negatives Testergebnis abholen dürften. Andere hätten sich eher verständnislos bis vorwurfsvoll geäußert obgleich des Sinns einer solchen Vorgabe, die sie als Uhrmacherin ja aber nun mal nicht beeinflussen könne.

Für Wolf ist die einzige Perspektive eine sofortige Wiederöffnung aller Geschäfte unter Einhaltung der erprobten Hygienekonzepte. Anders ließe sich kein Umsatz generieren und könnten die Warenbestände nicht abgebaut werden, die sich im Zuge des nahezu ausgefallenen Weihnachtsgeschäfts angehäuft hätten.

Wenn es sein solle, würde sie auch nur einen Kunden gleichzeitig in ihre weitläufigen Verkaufsräume lassen, sagt die Goldschmiedemeisterin. Dass sie aber keine persönliche Beratung anbieten dürfe, gehe nicht. Denn: "Ein geschlossenes Geschäft ist das schlechteste überhaupt."

ASTRID LÖFFLER

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