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Pegnitzer Experten geben Tipps zum Fasten

Neben dem Abnehmen ist Entschlackung das Ziel. Ernährungsexpertin: "Weg aus der Komfortzone finden." - 26.02.2020 08:55 Uhr

"Heißhunger im Laufe des Tages kann man ganz einfach vermeiden: Indem man ausgiebig frühstückt", so Pegnitzer Arzt Dr. Johannes Havla. © dpa


40 Tage Enthaltung – von heute bis zum Gründonnerstag wird wieder auf Alkohol, Süßigkeiten, Nikotin oder Fleisch verzichtet. Beim Fasten gehe es nicht vorrangig ums Abnehmen, sagt Saller: "Fasten ist eine Haltung, bei der man sich darüber bewusst wird, in welchem Überfluss wir leben. Es ist ein Weg aus der Komfortzone heraus."

Saller, die in Pegnitz im "Raum für dich" unter anderem für Ernährungsberatung zuständig ist, hat ihr Handwerk nach eigenen Angaben in Italien gelernt. "Dort habe ich 30 Jahre lang gelebt und mit der Natur gearbeitet."

"Revolutionäre Frau"

In dieser Zeit kam sie mit der Philosophie der Universalgelehrten Hildegard von Bingen in Berührung, die im 12. Jahrhundert im heutigen Rheinland-Pfalz gewirkt hatte. Saller war sofort beeindruckt von "dieser revolutionären Frau", wie sie sagt: "Ihr Wissen war erstaunlich. Sie lebte in einer Zeit, in der Frauen weder lesen noch schreiben konnten, aber sie wurde mit ihrem Wissen respektiert."

Fasten im Sinne von Bingen habe Entschlackung und Gesundheit zum Ziel, sagt Saller. "Zuallererst muss man den Darm entleeren. Allerdings sollte man den nicht mit Gewalt ausräumen, sondern eher ausleiten. Ingwer-Kekse eignen sich dafür", erklärt Saller.

Von Bingens mittelalterliche Ernährungsphilosophie macht Dinkel, Fenchel und Kastanien zu den grundlegenden Zutaten der Rezepte. Gerade Dinkel hält Saller für zentral: "Allerdings sind auch die fast alle zu Tode raffiniert. An den Sorten Oestro, Schwabenkorn und Frankenkorn ist das zum Glück vorbeigegangen." Mit vielen dinkelhaltigen Nahrungsmitteln auf dem Speiseplan könne man den Darm leicht gesund halten und doch auf vieles andere verzichten. Bis zu vier Wochen lang sei das gesund und sinnvoll.

Dass Fasten aus medizinischer Sicht Sinn machen kann, bestätigt auch der Pegnitzer Arzt Dr. Johannes Havla: "Wenn wir über Ernährung reden, haben wir ein Überangebot, gerade an Kalorien." Gerade Fastfood-Ketten oder Lieferdienste seien hier problematisch. "Die Tendenz geht zum Triple-Burger."

Menge an Essen reduzieren

Die Lösung liegt für Havla nicht in Experimenten bei der Rezeptfindung, sondern in der Verringerung der Menge an Essen, das wir zu uns nehmen. "Nur die Hälfte zu essen ist sicherlich zu radikal und nicht umsetzbar. Aber eine leichte Reduktion kann jeder schaffen. Damit sind dann nebenbei fünf Prozent Gewichtsverlust in einem halben Jahr möglich", erklärt der Arzt.

Heißhunger im Laufe des Tages könne man ganz einfach vermeiden: Indem man ausgiebig frühstücke. "Wenn man den Tag leistungsfähig beginnt, dann hält das Sättigungsgefühl an."

Außerdem soll langsameres Kauen den Hunger stoppen: "Man kann ohne Probleme eine eigentlich ungesunde Pizza essen, wenn man sich Zeit dafür nimmt. Dann reicht auch eine halbe pro Mahlzeit." Die Hauptprobleme unserer Ernährung seien die Essgeschwindigkeit und die vielen Kalorien.

Allerdings rät Havla den Verzicht nicht allen: "Menschen, die chronisch krank sind, sollten mit ihrem Arzt sprechen. Gerade im Alter ist das Risiko, zu wenig zu essen, gegeben, auch für Tumorpatienten."

JULIAN SEIFERTH

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