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Pegnitzer Kino öffnet nach Corona-Zwangspause

Pegnitzer Filmfreunde dürfen sich auch den kommenden Donnerstag freuen. - 03.07.2020 17:09 Uhr

Dietmar Huttarsch will ab Donnerstag wieder Besucher in seinem Kino willkommen heißen. Jede zweite Reihe muss dann leer bleiben. Auf jede Sitzgruppe kommen acht leere Plätze.

© Foto: Ralf Münch


Die auffälligste Änderung für Kinobesucher wird die geänderte Sitzordnung sein: Jede zweite Reihe muss frei bleiben, rechts und links von jeder Einzelperson oder Gruppe jeweils drei. "Auf jede Sitzgruppe", sagt Huttarsch, "kommen acht leere Plätze."

Möglichst viele Sitze kann der Kinobetreiber füllen, wenn die Besucher in Gruppen kommen. "Dann weisen wir die Leute zu. Eine freie Platzwahl gibt es nicht", sagt der 52-Jährige. Wer zusammensitzen wolle, müsse als Gruppe am Einlass zu erkennen sein.

Masken seien im Vorführungssaal selbst nicht nötig – es sei denn, man ist in Bewegung. "Es ist eine große Erleichterung für uns, dass die Besucher während der Vorstellung keine Masken mehr tragen müssen", sagt der Kinobetreiber. Damit die verbrauchte Luft – ein Risikofaktor für Ansteckungen in der Pandemie – nicht zum Problem werde, habe er die Belüftung umgebaut: "Wir pumpen Frischluft in den Raum. Vorher haben wir die Luft zirkulieren lassen, was hier nicht sinnvoll gewesen wäre."

Bierbänke auf dem Parkplatz

Noch befindet sich das Kino im Umbau, Huttarsch hat die Zwangspause genutzt. Bis Donnerstagabend soll alles fertig sein. "Wenn die Optik nicht komplett fertig ist, mache ich aber trotzdem auf", verspricht Huttarsch.

Am wichtigsten sei immer noch das Hygienekonzept. Zu dem gehört neben den Platzzuweisungen auch die Glasscheibe am Kiosk und das Fehlen der Sitzplätze am Eingang. "Wir dürfen hier niemanden mehr verköstigen, nur im Saal oder vor der Tür", sagt der 52-Jährige. Huttarschs Lösung: Er will zur Eröffnung Bierbänke auf den Parkplatz vor dem Eingang stellen und dort stehen lassen, solange es das Wetter zulässt.

So ungewöhnlich der Einlass wird, ist auch der Spielplan des Regina Filmtheaters. "Wir beginnen mit dem koreanischen Film ,Rettet den Zoo’", sagt Huttarsch. Der Thriller "Parasite" hätte Ende des vergangenen Jahres den Markt für südkoreanische Filme geöffnet. ",Rettet den Zoo’ ist für die Besucher die Chance, unser Kino zu retten."

Die Komödie soll ab Donnerstag eine Woche lang um 20 Uhr laufen. Die zweite soll dann zur Klassikerwoche werden, den Start macht einer von Huttarschs erklärten Lieblingsfilmen. Das 1968 von Stanley Kubrick produzierte Science-Fiction-Drama "2001: Odyssee im Weltraum" wird auch in der Lobby des Kinos mit einem Plakat beworben, auf das Huttarsch sehr stolz ist: "Ich freue mich darauf, diesen Film zu zeigen. Zum Glück habe ich das Poster rechtzeitig bekommen."

Neben "2001" soll in der Klassikerwoche unter anderem noch "Casablanca" laufen. Eine Woche lang will Huttarsch jeden Abend um 20 Uhr ein anderes Stück Kinogeschichte zeigen. Außerdem will er in den kommenden Wochenenden den Fichtelgebirgskrimi "Siebenstern" zeigen. Am kommenden Wochenende soll außerdem jeden Tag um 15 Uhr das Hunde-Drama "Lassie" gezeigt werden – für die Kinder, wie Huttarsch sagt.

Der ungewöhnliche Spielplan hänge auch mit der komplizierten Situation der gesamten Branche zusammen. "Unser Programm kann nicht besonders dicht sein, weil im Moment so gut wie keine Blockbuster veröffentlicht werden."

Einer der Lichtblicke sei in der Hinsicht die Neuverfilmung des Disney-Klassikers "Mulan", der im August herauskommen soll. Huttarsch hofft auf weitere Veröffentlichungen in der nahen Zukunft: "Ich will nicht das alte Programm von Beginn des Jahres durchspielen." Viel Anlass zur Hoffnung sieht er nicht: "Weltweit haben die meisten Kinos geschlossen. Deshalb werden viele Filme vorerst zurückgehalten."

Trotz der Krise sei das Regina-Filmtheater recht gut durch die vergangenen Monate gekommen, sagt der Betreiber. "Andere hat es deutlich härter getroffen. Ich habe kaum Angestellte und muss keine Pacht zahlen. Das Haus gehört mir." Staatliche Hilfen hätten das Problem ein wenig entschärft. "Einige Kollegen mussten hart mit ihrer Bank verhandelt, wir glücklicherweise nicht. Es ist nicht die große Katastrophe geworden."

Dennoch macht sich Huttarsch Sorgen um die Kino-Branche. "Die Krise wird viele sehr hart treffen." Das Geschäft werde noch schwieriger werden. "Die Sommermonate sind sowieso nicht die stärksten. Und wenn kaum neue Filme veröffentlicht werden, dann wird das automatisch sehr schleppend."

JULIAN SEIFERTH

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