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Pegnitzer muss sieben Monate hinter Gitter

Wegen zwei Schlägereien und rechtsextremen Inhalten in einem sozialen Netzwerk stand der 37-Jährige vor Gericht - 12.04.2016 18:55 Uhr

Die Staatsanwaltschaft verlas zu Beginn drei Anklagen. Im Mai des vergangenen Jahres schlug der Angeklagte in einer Pegnitzer Kneipe einen anderen Gast mit der Faust ins Gesicht. Bei einer weiteren Schlägerei bei einem Johannisfeuer in einem Ortsteil schlug er wieder einen anderen Besucher mit der Faust ins Gesicht.

Die dritte Anklage lautete auf Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen. Er hatte in einem sozialen Netzwerk ein Bild geteilt, auf dem ein Mann mit Hakenkreuz auf der Brust und islamische Kämpfer zu sehen waren. Auf dem stand „wir kommen, wir warten“.

Rechtsanwalt Stephan Schultheis sah es anders als in der Anklage geschildert. Zum einen war sein Mandant nicht der Urheber des Bildes. Zum anderen stammt die Szene mit dem aus dem Film „American History X“, der wohl nicht gegen rechts ist. Hinzu kommt, dass der Angeklagte nicht rechter Gesinnung ist, weil er viele ausländische Freunde hat. Das sahen Richter und Staatsanwaltschaft anderes. Sie sahen eindeutig einen rechten Hintergrund in dem Bild.

Zu dem Vorfall in der Kneipe sagte der Rechtsanwalt, sein Mandant hatte das Wort „Vergewaltiger“ gehört und auf sich bezogen. Das hätte seinen Grund, denn in seiner Familie gab es Fälle von Vergewaltigung und deshalb habe er mit Schärfe reagiert. Das täte ihm aber Leid.

Der Zeuge dazu war auch der Geschädigte: Er war mit einer Bekannten draußen, welche sich mit einem anderen Gast stritt. Der Angeklagte fühlte sich angesprochen und schlug mit der Faust zu. Das Opfer erlitt ein Hämatom am Auge, nahm die Entschuldigung des Angeklagten aber an. Die zweite Zeugin, eine 19-jährige Frau, bestätigte den Vorfall so, wie ihn der erste Zeuge schilderte.

Bei dem dritten Anklagepunkt kam es zu widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten und der Zeugen. Der erste Zeuge sah eine Rangelei bei einem Johannisfeuer, bei welcher der Beschuldigte beteiligt war. Diese wollte er schlichten. Dann wurde er von der Faust auf sein Auge getroffen und fiel zu Boden. „Ich breche dir dein Genick,“ sagte der Angeklagte zu seinem Opfer. Er sagte weiter aus, dass er mit dem Bauch auf dem Boden lag, den Angeklagten jedoch eindeutig an der Stimme erkannte.

Einträge im Register

Die nächste Zeugin stand etwa zwanzig Meter entfernt. Sie sah, dass der erste Zeuge einen Faustschlag ins Gesicht bekam, nachdem er auf dem Boden lag. „Jetzt haben wir drei Versionen des Vorfalls”, so Richter Stefan Käsbohrer. Es konnte nicht geklärt werden, wie sich die Tat wirklich abspielte, deshalb wurde dieser Tatvorwurf eingestellt.

Aufgrund der Verhandlung forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Der Angeklagte hat zusätzlich schon 15 Eintragungen im Bundeszentralregister. Deshalb konnte sie die Strafe nicht mehr zur Bewährung aussetzen.

Der Rechtsanwalt fand die Forderung einer Freiheitsstrafe überzogen und forderte eine Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro. Den Vorwurf der Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisation sah er nicht und forderte dafür Freispruch. Richter Stefan Käsbohrer verurteilte den Mann letztlich zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten.

NADINE GEBHARD E-Mail

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