Nach 41 Jahren im Dienst

Pegnitzer Polizeichef verabschiedet sich

11.9.2021, 08:00 Uhr
Roland Schmitt verabschiedet sich von den Kollegen.

Roland Schmitt verabschiedet sich von den Kollegen. © Foto: Archiv/Polizei

Einmal sei eine junge Frau zu ihm gekommen, der die Polizei die Nachricht vom Suizid ihres Bruders überbringen musste. "Sie hat es einfach nicht verstanden", erzählt er. Aus seinem Versuch, ihr zu helfen, "wurde dann ein intensives zweistündiges Gespräch." Wenige Wochen später sei die Frau wieder gekommen, dieses Mal mit einem Dankesschreiben und einem selbstgemachten Kalender.

Eigentlich hatte Roland Schmitt bereits im Februar seinen Ruhestand angetreten. Aufgrund der Corona-Beschränkungen war damals aber keine offizielle Zeremonie zur Verabschiedung möglich. Ob das Polizeipräsidium Oberfranken diese noch nachholt, wisse er selbst nicht, sagt Schmitt, irgendwie "gehört eine Feier aber zum Abschied dazu". Und so lud er nun selbst zahlreiche Weggefährten zu einer Veranstaltung ein. Mitarbeiter der Polizei, pensionierte Kollegen und Leiter der Bayreuther Dienststellen trafen sich gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kirche auf Burg Rabeneck zu einer Feier samt Kuchen und Abendessen, ganz corona-konform unter freiem Himmel.


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In seiner Rede bedankte sich Roland Schmitt bei seinen früheren Mitarbeitern – insbesondere seinen früheren Stellvertretern Horst Nölkel und Harald Düplois – für ihren Fleiß und ihr Engagement, bei Altbürgermeister Manfred Thümler für die immer vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt Pegnitz und auch bei den anwesenden Vertretern der örtlichen Wirtschaft für das immer gute Verhältnis zur Polizei.

Rückkehr in die Heimat

Es habe manchmal sicher geholfen, dass er selbst gebürtig aus Pegnitz stammt und dort zur Schule gegangen ist. "Man tut sich leichter", meint Schmitt, "weil man die Mentalität versteht. Man kann sein Gegenüber besser einschätzen und es entstehen weniger Missverständnisse." Und manchmal, gibt er schmunzelnd zu, mache es das Leben auch ein bisschen schwerer, wenn einen jeder kenne: "Als Eingeborener ist man immer im Fokus. Beim Weinfest weiß ich, dass 50 Leute darauf gucken, ob ich das zweite Glas Wein trinke."

Insgesamt aber bezeichnet er es als "Krönung seiner Laufbahn", dass er vor 19 Jahren zum Dienststellenleiter in Pegnitz befördert wurde. Es sei eine Herausforderung gewesen, den hohen Standard der Polizei zu halten, die in Pegnitz schon zu seinem Dienstantritt einen hervorragenden Ruf genoss. Umso mehr ist Roland Schmitt stolz darauf, dass es ihm gelang, die hohen Aufklärungsquote bei Straftaten von weit über 70 Prozent zu halten und darüber hinaus die Zahl der Verkehrstoten von durchschnittlich vier auf eine Person pro Jahr zu senken.

Dahinter stecke viel Arbeit, beschreibt der pensionierte Polizist. Die Polizei habe die Verkehrsüberwachung intensiviert, Unfälle analysiert und für Geschwindigkeitsbegrenzungen an gefährlichen Stellen gekämpft. "Wenn man an der richtigen Stelle etwas tut, kann man Unfälle reduzieren", fasst er zusammen.

All diese Aufgaben des täglichen Dienstes bezeichnet Schmitt als Herausforderung – und meint das positiv. "Das Schöne am Polizeiberuf ist, dass man nie weiß, was in der nächsten Minute passiert."

Manchmal habe es auch sehr schwierige Situationen gegeben, beispielsweise die Amok-Drohung am Gymnasium, "da schluckt man schon". Umso dankbarer ist er, dass unter seiner Verantwortung kein Mitarbeiter bei Einsätzen ernsthaft verletzt oder getötet worden ist und auch nie die Schusswaffe gegen Menschen eingesetzt werden musste. Das sei im Beruf eines Polizeibeamten nicht selbstverständlich. Daher war es Roland Schmitt auch wichtig, dass zu seiner Feier ein Dankgottesdienst durch Pfarrer Peter Klamt von der katholischen Kirche gehörte.

In der Rückschau würde er – gäbe es die Chance – sein Leben genauso wieder führen und die gleichen Entscheidungen treffen. Daraus einen Rat für den nachfolgenden Dienststellenleiter ableiten will er aber nicht: "Ich zitiere da Beckstein: Ratschläge sind selten Rat und immer Schläge", sagt Schmitt. Er ist überzeugt, dass sein Nachfolger den eigenen Weg finden wird, ebenso wie er selbst. Auch in schwierigen Momenten bei der Polizei habe er nie gezweifelt: "Es war bis zum letzten Moment schön."

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