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Sonntag, 05.07.2020

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Pegnitzer Professorin entwickelte Online-Lernplattform für Schüler

Mittlerweile zählt die Plattform "School to go" über 50 000 Nutzer. - 05.06.2020 08:55 Uhr

Die App soll den Schülern auch in den Corona-Zeiten helfen, sich den Schulstoff anzueignen. 

© Hauke-Christian Dittrich/dpa


"Lernen soll Spaß machen", sagt Julia Knopf. Die 39-jährige Pegnitzerin ist an der Universität des Saarlandes Inhaberin des Lehrstuhls Fachdidaktik Deutsch mit dem Schwerpunkt Digitalisierung. Sie weiß, wie man Kinder dazu motiviert, sich mit Aufgaben zu beschäftigen, um die sie sonst einen weiten Bogen machen würden.

Zusammen mit einem Team aus Didaktikern und Informatikern hat sie die Plattform "School to go" entwickelt, auf der Schüler online lernen und ihr Wissen erweitern können.

Zum Zeitpunkt der Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie hätten sie sich gesagt: "Komm, wir wollen was tun." Neue Ideen sollten dabei realisiert werden. "Wichtig war für uns, Eltern, Schüler und Lehrer mit einzubeziehen und ihnen nicht Linklisten mit didaktischen Angeboten zu schicken. Das dauert zu lange, sich da durchzuklicken."

Die Pegnitzerin Julia Knopf ist Professorin an der Universität des Saarlandes. Sie hat mit Didaktikern und Informatikern die Plattform „School to go“ entwickelt. © Foto: privat


Es sollte alles perfekt sein

Innerhalb von fünf Tagen nach den Schulschließungen waren die ersten digitalen Inhalte online und im Internet abrufbar. Zuvor durchlief jedes Angebot eine wissenschaftlich fundierte Sichtung, um den Nutzern Inhalte mit Mehrwert zu bieten. "Es sollte von Beginn an alles perfekt sein. Wir haben keine Probleme. Es läuft wunderbar", sagt Julia Knopf im Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten.

An der laut Knopf "ersten Plattform im Social-Media-Bereich nach Corona" arbeitet ein 20-köpfiges Team bestehend aus Didaktikern und IT-Spezialisten, die innovative Angebote für bestimmte Jahrgangsstufen erstellten. Das Programm ist unterteilt in Deutsch, Fremdsprachen, Mint und Lern-Mix. Die Lernformate bestehen aus interaktiven Videos, Micro-Learning-Elemente oder Multimediapräsentationen.

Im Mint-Bereich erfahren Schüler zum Beispiel, dass eine stabile Brücke auch ohne Schrauben und Kleber funktionieren kann. "Bereits 1478 hat der berühmte Erfinder Leonardo da Vinci das Gegenteil erwiesen! Wie man eine Brücke allein aus Holzstäben zuhause nachbaut, verrät diese Anleitung", ist zu lesen. Wer auf die Anleitung klickt, kommt zur Konstruktionsbeschreibung der Leonardo-Brücke. Und erstaunt stellt man fest, dass schon acht Hölzer ausreichen, um so eine Brücke zu errichten.

Schüler der 11. und 12. Klasse können sich beispielsweise mit "Schiller to go" ("Hier gibt‘s Wilhelm Tell für unterwegs") beschäftigen oder "Die Welt der Buddenbrooks interaktiv entdecken". Dabei können sie sich auf einen Stadtspaziergang durch Lübeck begeben.

Selbst Mathematik, für viele Schüler ein Horrorfach, wird auf der Plattform leicht verständlich vermittelt – etwa beim Lösen von quadratischen Gleichungen. "Auf dieser Seite werden alle Methoden und Lösungsverfahren aufgezeigt. So wird jeder zum Gleichungsprofi!", heißt es.

"Die Inhalte müssen interessant präsentiert werden und selbsterklärend sein. Die Schüler müssen sagen, das ist cool", so Knopf. Rund 50 000 Nutzer hat die Plattform. "Es sind viele wiederkehrende Nutzer darunter. Die Leute machen mit. Die Resonanz ist über unseren Erwartungen."

Ziel sei es, die digitale Plattform bei vielen Menschen bekannt zu machen. Die Plattform werde vom Bund und den Ländern beworben.

Auch wenn das digitale Lernen viele Vorteile bietet, hätten "die letzten Wochen gezeigt, dass Präsenzunterricht und Lehrer absolut notwendig sind", meint Knopf. Nur in der Schule erhalte man ein "persönliches, unmittelbares Feedback". "Das Digitale kann das nicht ersetzen."

Die Professorin ist dennoch überzeugt, dass der digitale Unterricht in den Schulen vorangetrieben werden muss. Das Problem dabei sei die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien und die entsprechende Ausbildung der Lehrkräfte. Das Angebot auf "School to go" ist kostenfrei und "soll es auch bleiben", so Julia Knopf.

Info: "School to go" ist eine gemeinsame Initiative des Forschungsinstituts Bildung Digital an der Universität des Saarlandes, geleitet von Professorin Dr. Julia Knopf, und der DFKI-Forschungsgruppe Smart Enterprise Engineering an der Universität Osnabrück, geleitet von Professor Dr. Oliver Thomas. Mit dieser Initiative leisten beide Institutionen einen Beitrag zur digitalen Bildung – für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit.

Professorin Dr. Julia Knopf ist gebürtige Pegnitzerin und hat am Gymnasium Pegnitz im Jahr 2000 ihr Abitur abgelegt.

Seit 2012 ist sie Inhaberin des Lehrstuhls Fachdidaktik Deutsch mit dem Schwerpunkt Digitalisierung an der Universität des Saarlandes. Dort leitet sie auch das Forschungsinstitut Bildung Digital, das sich auf die Gestaltung digitaler Lernangebote für alle Fächer und Jahrgangsstufen spezialisiert hat.

Knopf ist ferner Gründungspartnerin der Didactic Innovations GmbH.

Gemeinsam mit rund 60 Mitarbeitern an den verschiedenen Einrichtungen entwickelt sie innovative, digitale Lösungen für die schulische und die berufliche Aus- und Weiterbildung.

hjs VON HANS-JOCHEN SCHAUER

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