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Pegnitzerin geht mit Smartphone auf Bilderjagd

Caroline Seiffert zaubert mit ihrem Smartphone erstaunliche Fotos aus ungewöhnlichen Perspektiven - 17.11.2020 12:55 Uhr

Wenn Caroline Seiffert mit ihrem Smartphone auf Motivsuche ist, geht sie auch schon mal in Bauchlage, um die ungewöhnlichsten Perspektiven einzufangen.

16.11.2020 © Foto: Klaus Trenz


Wenn man Caroline Seiffert aus Pegnitz bei einem Spaziergang bäuchlings auf dem Wald- oder Wiesenboden liegen sieht, dann muss man sich um sie keine Sorgen machen. Sie ist nicht etwa gestürzt, sondern hat wieder etwas entdeckt, das sie unbedingt fotografieren muss und an dem andere vermutlich achtlos vorbeigehen. Die 53-jährige Handelsfachwirtin hat ein Auge für das Fotomotiv – egal ob für den winzigen Pilz oder die versteckte Pflanze oder für die weite Landschaft im besonderen Licht.

Smartphone statt Kamera

Ihre Fotos sind in den meisten Fällen gekennzeichnet von einer Lichtstimmung, die sofort ins Auge fällt, von dem richtigen Gefühl für Proportionen, Flächenaufteilung und Bildschnitt. Das Erstaunliche dabei: Die Naturliebhaberin besitzt keine Fotokamera, schleppt keine schweren Fotoausrüstungen durch die Gegend, sondern macht alles mit ihrem Smartphone. Was auch ein Beweis dafür ist, wie weit die digitale Fotografie sich entwickelt hat. Nur bei schwierigen Lichtverhältnissen stoße sie mit ihrem Handy gelegentlich an Grenzen, sagt sie. Manche Bilder werden am Computer nachbearbeitet, viele bleiben so, wie sie aufgenommen worden sind.

Seit 2014 ist Seiffert verstärkt in der Natur unterwegs, entweder zu Fuß oder mit dem Mountainbike. Ihr Handy hat sie immer dabei. Um die Motive, die ihr begegnen, ins richtige Licht zu setzten. "Manchmal", erzählt sie, "fahre ich mit dem Rad sogar der Sonne hinterher". An ihren Fotos merkt man, dass sich das lohnt. Mit Licht, dass sich durch Wälder bricht oder mit Sonnenuntergängen. "Manchmal hat man das richtige Licht nur für ein paar Sekunden", sagt die Hobbyfotografin. Hätte sie eine Kameraausrüstung mit dabei, würde das Wunschmotiv vermutlich schon verschwunden sein, bis die Kamera ausgepackt ist. Große Kameraausrüstungen würden sie wohl eher in ihrer Kreativität und Spontanität behindern. 

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Vor sechs Jahren musste sie eine schwere Operation an der Wirbelsäule über sich ergehen lassen. Danach galt es im Sinne der Rehabilitation, sich viel an der frischen Luft zu bewegen. "Das war ein Wendepunkt in meinem Leben", sagt sie. Gleichzeitig kamen die modernen Handys auf, die eben auch die Möglichkeit guter Fotos zuließen.

"Draußen zu sein ist für mich auch ein Ausgleich zum Bürojob" und die Fotografie so etwas wie eine Therapie. Beim Fotografieren kann die sehr kommunikative und eigentlich temperamentvolle Frau alles um sich herum ausblenden. Hier zeigt sie sich dann als ausgesprochener Geduldsmensch. Sie kann warten, bis beispielsweise der Käfer sich so hinstellt, wie sie ihn für ein gutes Foto braucht. Oder bis die Sonne den für sie richtigen Stand eingenommen hat. Das braucht oft auch Zeit, die andere nicht haben. Deshalb ist sie meist alleine unterwegs.

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Seiffert fotografiert aus dem Bauchgefühl heraus und auf das kann sie sich verlassen. Fachliteratur in Sachen Fotografie braucht sie nicht. "Learning by doing" ist ihr Motto und das hat sie mit ihrem Hobby dahin gebracht, wo sie heute steht. Die ambitionierte Hobbyfotografin bestückt seit Kurzem regelmäßig das Pegnitzer Amtsblatt, Blickpunkt Pegnitz, mit ihren Aufnahmen, postet unter anderem bei Instagram oder schickt ihre Bilder an den Bayerischen Rundfunk.

Die Fotografie hat ihre Sinne für die Natur geschärft. "Sie hat meinen Horizont erweitert", sagt sie, hat den Blick für die Details einer Landschaft oder für kleine Dinge geschärft. "Man muss nur die Augen aufmachen", meint sie, "und die Natur wahrnehmen". Und sich dann eben auch mal auf den Boden legen, um den ungewöhnlichen Blickwinkel zu bekommen.

Ihre Motive findet sie überall, ob rund um Pegnitz, in der Fränkischen Schweiz, in Auerbach oder Neuhaus. "Ich liebe meine Heimat", betont sie, "und ich lebe gerne da, wo ich lebe". Die Natur bringt ihr die Motive in einer unendlichen Anzahl. "Man muss nur in der Lage sein, das zu sehen." Sie sieht die Besonderheiten der Natur, was sie mit ihren Fotos eindrucksvoll unter Beweis stellt. Und das – wie gesagt – mit dem Handy, was auch unterstreicht, dass teure Technik noch kein gutes Foto garantiert, sondern der Mensch dahinter.

KLAUS TRENZ

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