Pegnitztal: Bauarbeiten bremsen den Bahnverkehr

Blick unter eine Eisenbahn-Stahlbrücke in Artelshofen bei Vorra (Landkreis Nürnberger Land/Mittelfranken). Inzwischen ist bekannt, dass 19 der 23 alten Stahlbrücken zwischen Hersbruck und Pegnitz erhalten werden können.

Blick unter eine Eisenbahn-Stahlbrücke in Artelshofen bei Vorra (Landkreis Nürnberger Land/Mittelfranken). Inzwischen ist bekannt, dass 19 der 23 alten Stahlbrücken zwischen Hersbruck und Pegnitz erhalten werden können. © dpa

Mit den Maßnahmen an den beiden Brücken in Neuhaus und Eschenbach geht ein eingleisiger Schienenverkehr einher, teil die Deutsche Bahn mit. Die heikle Strecke zwischen Nürnberg-Marktredwitz und Cheb/Hof sollte eigentlich zum Ende der Sommerferien schon am Sonntag, 14. September, wieder frei sein – und damit den normalen Berufspendler nicht mehr tangieren, der sich in diesem Bau-Zeitraum mit geänderten Abfahrtszeiten herumschlagen muss. Schließlich ist das eine wichtige Magistrale, die bekanntlich dringend elektrifiziert werden soll, um sie zu beleben oder zumindest deren Bestand beizubehalten. 23 Brücken, teils 140 Jahre alt, liegen auf der Achse.

5000 Unterschriften

Die Bahn schreibt in einer Mitteilung, in der sie die Reisenden um Verzeihung für die Unannehmlichkeiten bittet: „. . .wir haben bereits im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass wir bei den teilweise über 100 Jahre alten Pegnitzbrücken leider kurzfristige Einschränkungen nicht ausschließen können.“

2012 hat die DB ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem sie dem Zustand der 23 stählernen Pegnitztalbrücken auf die Spur kommen will sowie deren Modernisierbarkeit. Schon im November 2011 hat sich die Bürgerinitiative „Eisenbahnbrücken Pegnitztal“ formiert, um Widerstand gegen einen Abbruch zu leisten. 5000 Bürger haben seitdem für die Initiative unterschrieben.

Ein Gutachten wurde in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis eigentlich vor gut einem Jahr erwartet wurde, sagt Harald Enes, einer der Sprecher der Bürgerinitiative. Dieses Gutachten werde laut Deutscher Bahn aktuell technisch geprüft, und weiter: „Ursprünglich war geplant, die 23 Brücken für rund 100 Millionen Euro Mitte des Jahrzehnts durch neue Konstruktionen zu ersetzen.“ Harald Enes und die Mitglieder der Bürgerinitiative fühlen sich von der Bahn nicht gut informiert, auch in dem Fall der aktuellen Bauarbeiten.

Schon vor ein paar Wochen habe er nahe Rupprechtstegen einige Arbeiter an der Brücke gefragt, was sie dort machten. Die Antwort sei zögerlich und knapp gekommen: Schwellen würden hier ausgewechselt. Auch von den jetzigen Bauarbeiten zwischen Neuhaus und Eschenbach hätten die Initiativler keine Kenntnis. „Das alte Leiden auf dieser Strecke ist, dass immer gleich eine Richtung gesperrt wird, es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Auf so einer Strecke mit nur einem Zug unterwegs zu sein ist eben schwierig.“

Enes und seine Kollegen von der Initiative fürchten, dass die Stimmung unter den Bürgern kippt, wenn jetzt schon so viel „normaler Gleisbau“ dort stattfinde. Sie fürchten, dass die Bürger müde werden ob maroder Brücken. Auch auf das Ergebnis des Gutachtens zur Modernisierbarkeit der alten Brücken würden Enes und Kollegen seit über einem Jahr warten. Was die Bürgerinitiative jedoch daraus bereits weiß: Von den 23 Brücken sind 19 gut und nachhaltig zu erhalten.

Wie es um den Zustand der verbleibenden vier ist, weiß Harald Enes nicht. Die DB Regio AG, die Bauträgerin, jedenfalls, so sagt Enes, habe inzwischen einen zweiten Prüfingenieur auf und unter die Brücken gebeten, dessen Ergebnisse ebenfalls vom Eisenbahnbundesamt geprüft werden müssen. Die Bürgerinitiative vermutet: „Die Bahn weiß, dass die Brücken unter Denkmalschutz stehen, diesen können sie nicht ignorieren. Sie weiß, dass sie sie notfalls erhalten oder den Vorschriften des Eisenbahnbundesamts gemäß Reparaturmaßnahmen durchführen müssen.“

Die Frage sei nun, ob das Unterfangen nicht insgesamt zu unwirtschaftlich wird. Ein Neubau, unter den die Elektrifizierung fällt, sei viel teurer als den Bestand so zu schützen, sagt Enes. „Die Bahn behandelt, behandelt und behandelt das Gutachten und wartet ab, ob sie sich hinter dem Bestandsschutz oder einem Paragrafen verstecken kann“, meint Enes, „sie befindet sich in einem Dilemma.“ Ein Dilemma sieht auch die Bürgerinitiative vor sich: „Solange wir das Gutachten nicht kennen und vorliegen haben, können wir nicht mit der DB Regio AG verhandeln.

Nächstes Treffen der Bürgerinitiative ist am Freitag, 19. September, im Gasthof Juraschanze in Adelshofen. Bürger sind eingeladen.

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