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Freitag, 27.11.2020

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"Pilgerfässer" statt Wohnmobile in Betzenstein

Investor und Stadtrat Christian Otto hat nach öffentlicher Kritik Pläne für Badersberg aufgegeben - 30.10.2020 12:25 Uhr

Solche Hütten, auch „Pilgerfässer“ genannt, die im Hüttendorf Fränkische Schweiz in Püttlach stehen, sollen auch auf dem Badersberg in Betzenstein Touristen anlocken.

28.10.2020 © Foto: Klaus Trenz


Sein neues Konzept sieht vor, nun nur noch zwölf so genannte "Pilgerfässer" aufzustellen – rund 13 Quadratmeter große Holzhütten mit Einrichtung zur Übernachtung, wie sie schon in Püttlach stehen.

Über 400 Unterschriften

Mit dem Konzept eines Reisemobilstellplatzes sind der Stadtrat, der das Projekt im Januar mehrheitlich absegnete, auf Widerstand aus der Bevölkerung gestoßen, die vor allem eine Zerstörung der Landschaft und eines Idylls beklagten, Umweltschutzbedenken vorbrachten und vor allem Probleme in Sachen Verkehrsaufkommen befürchteten. Im August wurden Bürgermeister Claus Meyer über 400 Unterschriften übergeben, die sich gegen einen Reisemobilstellplatz wenden, zahlreiche Briefe und E-Mails gingen bei der Stadtverwaltung ein.

Christian Otto hatte schon Anfang Oktober reagiert und dem Stadtrat schriftlich mitgeteilt, den Reisemobilstellplatz nicht mehr weiter verfolgen zu wollen. Otto stellte sein Konzept in der Stadtratssitzung am Dienstag vor, die wegen der zu erwartenden größeren Anzahl von Zuhörern ausnahmsweise im Verwaltungsgebäude der Firma Kornburger in Weidensees stattfand, um die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten zu können.

Nach wie vor sehen Otto und der Stadtrat einen Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten in Betzenstein. Und ebenso sieht Otto keine Bedenken für einen Wohnmobilstellplatz auf dem Badersberg, was Umweltschutzbelange betrifft und was die Träger öffentlicher Belange in ihren vor rund drei Wochen auf der Homepage der Stadt veröffentlichten Stellungnahmen auch untermauerten. Auch wegen des Verkehrsaufkommens sieht Otto "keine unzumutbare Belastung" für die Anwohner oder den Kindergarten.

Selbst bei voller Belegung wären nur wenige Fahrzeuge pro Stunde am Tag zu erwarten gewesen. Dennoch: "Ich kann die Anwohner und Kindergarten-Eltern nach Gesprächen offensichtlich nicht überzeugen", so Otto. Auch das Bauamt des Landratsamts Bayreuth äußerte sich kritisch zum Verkehrsaufkommen.

"Ein gemeinsames Miteinander ist nötig"

Der Investor sieht selbst bei einem positiv beschiedenen Gutachten "langfristig keine Befriedung der ablehnenden Haltung gegenüber den Wohnmobilen". Für einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb eines Beherbergungsbetriebs sei aber "ein auskömmliches Miteinander nötig". Er werde sich vor allem nicht gegen die Kindergarteneltern stellen. Dort hatte Pfarrer Ulrich Böhm auch eine Unterschriftenliste initiiert, auf der sich ein Großteil der Eltern gegen den Stellplatz ausspricht. Weil sie eine Gefährdung und Belastung der Kinder sehen.

Fläche reduziert

Er verfolge aber weiterhin das Ziel, eine attraktive Beherbergung für Touristen zu schaffen und legte dem Stadtrat eine Änderung des Nutzungskonzepts für den Badersberg für einen Beherbergungsbetrieb vor.

Das überarbeitete Konzept sieht daher einen ausschließlichen Betrieb der bereits im ursprünglichen Entwurf vorgesehenen Ferienhütten vor, auf einer reduzierten Fläche des Stellplatzareals.

Diese Änderung wäre auch im laufenden Verfahren möglich gewesen, aber Otto bat den Stadtrat um einen "sauberen Schnitt", sprich: einen Neustart mit der Einleitung eines neuen Bauleitverfahrens für ein Sondergebiet, das dann formal "Ferien-hausgebiet" heißt. Der Stadtrat beschloss dies dann auch einstimmig.

Die zwölf Ferienhütten sind ausgelegt für maximal vier Personen, haben ein Bad mit Toilette und Dusche, eine Küchenzeile, einen Sitzbereich und eine kleine Terrasse. Sie bekommen ein Fundament aus Betonplatten und Anschlüsse für Strom, Frisch- und Abwasser. Auf einem Parkplatz mit wassergebundener Decke sollen zwischen zwölf und 14 Fahrzeuge Platz finden. In einem Betriebsgebäude werden ein Lager, das Müllmanagement und eine Fahrradgarage mit E-Bike-Ladestation untergebracht.

Wiesenfläche erhalten

Die Wiesenfläche soll laut Otto weitgehend erhalten bleiben, zu den Hütten führen Kieswege und zwischen ihnen sollen Hecken und Bäume gepflanzt werden.

Der Anliegerweg bleibt öffentlich nutzbar und es ist keine Schranke vorgesehen. Auch die Wanderwege laufen wie bisher am Areal vorbei, so Otto.

Die Erschließung des Geländes erfolge "analog zum Vorhaben Reisemobilstellplatz".

Das bedeutet, dass die Abwasserleitung über den östlichen Rand des Regenrückhaltebeckens gebaut werden soll, dass sie die Höchstädter Straße an gepflasteter Fläche auf der Straße am Ortseingang quert und dann an das Kanalnetz angeschlossen wird.

Verkehrsproblem vom Tisch

"Es tut mir leid, dass der Reisemobilstellplatz nicht kommt", sagte Stadträtin Birgit Leistner (CSU). Mit dem neuen Konzept sei jedenfalls das Verkehrsproblem vom Tisch. Das neue Konzept sei ausschließlich positiv für die touristische Entwicklung Betzensteins zu sehen.

Die Hütten würden das Naturidyll auf dem Badersberg nicht zerstören. "Wir sollten den Tourismus und unsere einheimischen Investoren fördern", appellierte Leistner. Für einen Reisemobilstellplatz finde sich vielleicht noch ein anderer geeigneter Platz und ein Investor.

Das neue Vorhaben sei "eine gute Lösung für alle Parteien", meinte Hans Weidinger (WG). Auch Martina Köhler (CSU), die im Januar gegen einen Stellplatz stimmte, sprach sich für das neue Konzept aus, das nun "keinen großen Eingriff" mehr in das Naturidyll darstelle.

"Recht viel sanfter geht es nicht mehr", so Richard Engelhardt (FW): "Wenn wir so etwas nicht machen wollen, dann müssen wir die Stadttore zumachen, wie vor 800 Jahren", meinte er.

KLAUS TRENZ

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