Hochwasserschutz

Pilotprojekt: Wie in Hagenohe Hochwasserschäden vorgebeugt werden

21.7.2021, 08:00 Uhr
Eine große Beschreibung an der Scheunenwand hinter dem Dorfbrunnen erinnert im Ortsteil Hagenohe an das laufende Projekt „boden:ständig“.

Eine große Beschreibung an der Scheunenwand hinter dem Dorfbrunnen erinnert im Ortsteil Hagenohe an das laufende Projekt „boden:ständig“. © Foto: Brigitte Grüner

Nach einem Starkregenereignis 2009 gab es beträchtliche Schäden in der Flur und an einzelnen Gebäuden im Ortsteil. Die Stadt fing damals schnell an, Maßnahmen zum Hochwasserschutz zu planen, die schließlich in die Aufnahme in das Förderprogramm führten. Zusammen mit dem Amt für ländliche Entwicklung (ALE) der Oberpfalz gab es nicht nur eine Bürgerversammlung und einige Ortsbegehungen, sondern auch konkrete Planungen.

30 Ansätze für mehr Rückhalt

Im Projekt boden:ständig in Hagenohe werden 30 Rückhaltemaßnahmen an verschiedenen topografischen Schwerpunkten vorgeschlagen, erklärt Steffen Schneider, der Abteilungsleiter für Land- und Dorfentwicklung am ALE. Diese dezentralen Maßnahmen seien bei Weitem nicht so umfänglich dimensioniert wie die ursprünglich geplanten drei größeren Hochwasserschutzmaßnahmen, dafür mehr an der Zahl.

Mit diesen könnten das Wasser und damit auch die mitgeführten Bodenbestandteile möglichst in unmittelbarer Nähe zum Abtragungsort zurückgehalten werden. "Den landwirtschaftlichen Betrieben ist es möglich, die an den Rückhaltebereichen abgelagerten Bodenbestandteile einfacher wieder auf die Felder zu bringen."

In den Jahren 2016/2017 sind die ersten neun Maßnahmen in neun Bereichen – überwiegend im östlichen bis nordöstlichen Bereich neben Hagenohe – umgesetzt worden. Realisiert wurden sechs Rückhaltungen durch Anhebung vorhandener Wege, ein Wasserrückhaltebecken und Drosselmaßnahmen an wegbegleitenden Entwässerungsmulden, so Schneider. Bauherr dieser ersten Maßnahmen war die Stadt Auerbach. Die Bauverwaltung hatte sich darum gekümmert, um diese zügig ausführen zu können.

Bei künftigen Projekten wird die Teilnehmergemeinschaft der Bauherr sein. Die Planung liegt beim Landschaftsarchitekturbüro Fetsch. Die Fachleute stimmen sich ab mit dem Amt für ländliche Entwicklung, der Teilnehmergemeinschaft und der Stadt, so Bürgermeister Joachim Neuß (FW/AA).

Aus der Portokasse sind die Vorhaben nicht zu bezahlen. Vorteil des Programms "boden:ständig" ist jedoch die gute Förderung. Für den ersten Bauabschnitt wurden knapp 700 000 Euro investiert. Der städtische Anteil belief sich dabei auf 135 000 Euro.

Kosten von 2,8 Millionen Euro

Die verbleibenden 16 "dezentralen" Maßnahmen werden rund 2,8 Millionen Euro kosten. Darin eingeschlossen seien Planungs- und Baukosten sowie Kosten für die Kompensation des Eingriffs in den Naturhaushalt, erklärt ALE-Vertreter Schneider. Bezuschusst werden alle Maßnahmen mit 85 Prozent, gemäß den Finanzierungsrichtlinien Ländliche Entwicklung des Freistaates Bayern.

Derzeit werde die gesamte Planung erarbeitet, die dann verabschiedet und vor allem auch genehmigt werden muss, erklärt der Bürgermeister. Danach erfolgen die oft langwierigen Grundstücksverhandlungen und die Ausführung in Projektabschnitten über mehrere Jahre. Nach der Genehmigung des Plans wird die Ausführungsplanung in weiteren zwei zeitlichen Etappen veranlasst, erklärt Steffen Schneider. Auf deren Basis können dann die Ausschreibungen für die weiteren Maßnahmen erfolgen. Schwerpunkt werde zunächst der Raum südlich und westlich von Hagenohe sein. Die letzte Etappe werde den Raum nördlich und die verbleibenden Maßnahmen westlich des Ortes umfassen.

Die Stadt hatte eigentlich schon vergangenes Jahr die nächsten Baumaßnahmen angestrebt; allerdings habe sich die Planung ebenso verzögert wie die Verhandlung über Schlüsselgrundstücke. Im Frühjahr 2021 habe das Amt für ländliche Entwicklung die Stadt wissen lassen, dass die Behörde mit Projekten geradezu geflutet wurde.

Die Vielzahl der Projekte führe dazu, dass die zeitnahe Umsetzung schwierig sei, so der ALE-Abteilungsleiter. Zu beachten sei ferner, dass in Hagenohe und im angrenzenden Ort Ranzenthal auch Vorhaben der einfachen Dorferneuerungen laufen, die ebenfalls zu finanzieren sind.

Die Maßnahme "boden:ständig Hagenohe" gilt seit fast acht Jahren als Pilotprojekt. Selbst der frühere Landwirtschaftsminister Helmut Brunner war im April 2017 im Ort. Auswirkungen auf die Zügigkeit der Umsetzung scheint der Status eines "Modellprojekts" aktuell nicht zu haben. "Hagenohe wird seitens des Freistaates noch immer als führendes und vorbildliches Projekt für boden:ständig betrachtet und man hat uns dafür sogar den Staatspreis verliehen", wundert sich Neuß.

Aktuell keine Fördermittel

Dass dafür aktuell seitens des Freistaates keine Fördermittel mehr zur Verfügung gestellt werden können, verwundere ihn sehr. "Vordringlich soll bei dem Pilotprojekt die Wirksamkeit der Maßnahmen erkennbar sein", erklärt Schneider. Ebenso diene das Projekt zur Anschauung für andere Interessenten, auch aus anderen Staaten und Regierungsbezirken. Beides sei eindrucksvoll an den schon realisierten Maßnahmen darstellbar und erkennbar.

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