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Plädoyer für konstruktive und sachorientierte Politik

Die Fraktionen im Kreistag hoffen auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Landrat. - 31.03.2020 17:15 Uhr

Wann sich der neue Bayreuther Kreistag komplett treffen kann, ist noch unklar. Das Bild entstand — mit Abstand — aus der jüngsten Sitzung.

© Foto: Ralf Münch


Es ist nicht überraschend, dass der Muthmannsreuther in Hummeltal und Ahorntal mehr als 80 Prozent der Wähler auf seiner Seite hatte. Schon im ersten Wahlgang am 15. März holte Wiedemann in beiden Gemeinden mehr als 60 Prozent. In 18 der 33 Landkreiskommunen – darunter in den größten Kommunen Pegnitz und Hollfeld – sicherte sich der neue Landrat die Mehrheit.

Andreas von Heßberg, für die Grünen im Kreistag, kann sich eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Landrat vorstellen. "Ich finde Florian Wiedemann nett und sympathisch." Dass keine Partei eine eindeutige Mehrheit im Kreistag hat, empfindet von Heßberg als positiv. So müsse die Zusammenarbeit themenbezogen sein. Mit Kompromissen müsse der beste Weg gefunden werden. "Die Vorherrschaft der CSU ist dahin. Der frische Wind wird der Region guttun." Ebenso, dass kein Verwalter das Amt bekleide.

Die Grünen wollen sich weiterhin für grüne Themen einsetzen und, dass "der Landkreis ein ökologisches Gesicht bekommt". Gerne arbeite die Fraktion mit den anderen Parteien zusammen.

Das sieht auch Georg Röhm, Fraktionsvorsitzender der Jungen Liste, so. Die Fraktion sei für alle offen, die konstruktiv und demokratisch zusammenarbeiten wollen. "Im Prinzip war klar, dass es eine ganz knappe Kiste wird", sagt Röhm. Doch man könne im Vorfeld nie sagen, wie eine Wahl ausgehe. Er habe Klaus Bauer und Florian Wiedemann im Wahlkampf kennengelernt und findet beide "super sympathisch und nett". Beide hätten eine tolle Vita, seien diplomatisch und fachlich kompetent. "Aber einer muss ja die Wahl gewinnen. Jetzt müssen wir schauen, was die Zukunft bringt."

Egoismus hinten anstellen

Da es keine Mehrheit im Kreistag gebe und die Zeiten der CSU lange vorbei seien, werde es nicht einfach für den neuen Landrat werden, alles zu bündeln. Doch Röhm ist sich sicher, dass Wiedemann die Herausforderungen meistern werde. Es gehe um Sacharbeit und themenorientiertes Arbeiten. "Der persönliche Egoismus muss ganz weit hinten angestellt werden", sagt Röhm. Die JL wolle unabhängig mit allen Fraktionen gut zusammenarbeiten und freue sich, ein Mandat dazugewonnen zu haben.

Auch Hermann Hiery (FDP) hat die Stichwahl zu Hause verfolgt. Er habe nach dem Ergebnis der ersten Wahl vermutet, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird. "Ich habe Florian Wiedemann gleich gratuliert. Er hat es verdient." Gleichzeitig sei es bedauerlich für Klaus Bauer, sagt Hiery. Es werde für den Landrat nicht einfach sein, eine konstruktive Mehrheit auf Dauer zu erreichen. Der Vorteil an der relativ ausgeglichenen Verteilung der Sitze sei, dass sich die Fraktionen von vorneherein mehr zusammensetzen müssen. Wie die Zusammenarbeit laufen wird, sei aber noch völlig offen. "Es wird sich zeigen, was der Landrat – neben dem Tagesgeschäft – für eine Art von Politik einschlägt." Wichtig sei es, immer konstruktiv zu arbeiten.

"Der Wähler hat entschieden", sagt Karl Lappe von der WG ganz nüchtern zum Wahlergebnis. Die Stichwahl sei spannend, für ihn zugleich aber auch überraschend gewesen. "Ein Großteil hat wohl gedacht, dass Klaus Bauer es schafft." Er hofft, dass die Zusammenarbeit im Kreistag mit dem neuen Landrat etwas besser als in den vergangenen Jahren laufen wird. Lappe ist seit 30 Jahren dabei und sagt: "Wie es die letzten fünf Jahre gelaufen ist, war nicht schön." Die Sachpolitik müsse wieder im Vordergrund stehen. Ebenso wünsche er sich ein besseres Miteinander der Kreisräte.

Lappe hofft, dass Ausgaben und Investitionen mit Bedacht gemacht werden. "Das heißt nicht, dass Projekte nicht umgesetzt werden." Aber er wünsche sich, dass sich bei Investitionen mehr um günstige Versionen bemüht werde, sofern dies machbar sei. Als Bürgermeister von Mistelgau habe er die Erfahrung gemacht, dass man bei den Ausgaben oft günstiger fahren könne. Gerade bei Sanierungen sei meist eine Menge Sparpotential drin. "Aber das muss man wollen und koordinieren." Bei Hermann Hübner sei man in dieser Hinsicht oft auf taube Ohren gestoßen, sagt Lappe.

Gudrun Brendel-Fischer, (CSU), und Sonja Wagner, (SPD), hatten gleich nach der Kreistagswahl angekündigt, offen für eine sachorientierte Zusammenarbeit zu sein. Am Wahlabend bekräftigte auch Hans Hümmer (FWG) den Willen, im bürgerlichen Lager gemeinsam Politik zum Wohle des Landkreises zu machen.

MAGDALENA DZIAJLO UND UDO BARTSCH

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