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Plecher Grillmeister brutzelt bei Festen und Veranstaltungen

Sein ehrenamtliches Engagement kann er derzeit nicht ausüben - 12.05.2021 07:55 Uhr

Mit dem neuen Grill des Plecher Heimatvereins grillt Manfred Wich gerne. Viele Veranstalter der Gemeinde fragen ihn an, ob er bei Veranstaltungen Bratwürste und Steaks brutzeln würde.

11.05.2021 © Foto: Rosi Thiem


"Manfred hast du Zeit? Das werde ich oft bei Festplanungen gefragt. Ja, na klar die Zeit habe ich immer", sagt Manfred Wich lachend. Im Moment geht allerdings nichts. Corona verordnet ihm und dem Grill des Heimatvereins eine lange Zwangspause.


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"Mit dem Grillen hatte alles 2010 beim Sportverein angefangen. Da grillte ich das erste Mal. Inzwischen kamen schon viele Feste, Aktionsveranstaltungen, Weihnachtsmärkte und Kirchweihen hinzu. Ich grille für alle Vereine und mache es wirklich gerne", gesteht der 63-Jährige. Für den Pressetermin hat er extra die Schürze angezogen, die er vom Heimatverein zum 60. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Und vom Bürgermeister gab es obendrein noch eine Urkunde für den "Grillmeister von Plech." Das freut ihn.

Je nach Geschmack der Kunden

"Nein, ich mache es wirklich gerne", bekräftigt der Mann, der beruflich als Maschinenführer arbeitet. Es hat auch noch niemand eine Bratwurst umtauschen wollen. "Die anstehenden Leute bekommen die Bratwürste immer nach Wunschfarbe", feixt er. "Manfred, von dir bekommen wir etwas "Gescheites", hörte er schon oft. Die Qualität auf dem Grill ist ihm auch wichtig. "Ich grille auch nur die Bratwürste von unserem Metzger vor Ort. Da weiß ich, was ich habe und dass wissen auch die Leute, die eine Bratwurst beim Fest wollen", sagt er freudig.

Wenn der Grillrost voll sei, müsse er die Würste schon öfter wenden. "Da kommt es dann auch einmal vor, dass eine Bratwurst schwarz wird. Diese lege ich dann an den Rand. Aber genau diese eine Bratwurst wollen dann manche Leute, strahlen und sind überglücklich", erzählt er. Es sei auch schon mal vorgekommen, dass die Semmel nicht reichten – dann gab es eben Bratwurst mit Senf und Serviette.

Jeweils eine Stunde vor Festbeginn zündet Manfred Wich seinen neuen Grill an, damit alle Kohle schön durchglüht, wie er sagt. "Wenn die Kohle oben weißlich wird, dann kann man anfangen", gibt der Grillfachmann preis. "Ich gebrauche keinen Fön. Das wäre auch im Sommer mit dem Funkenflug zu gefährlich. Ich benutze immer den Flüssiganzünder, mit dem komme ich am besten klar", plaudert er aus seinem Grill-Nähkästchen. Stolz zeigt er auf den neuen Grill des Heimatvereins. "Das Kohleblech lässt sich auf drei Stufen verstellen. Wenn es dann auf den Schluss zugeht, stellt man dies einfach nach oben, da spart man dann Kohle", verrät er aus seinem Erfahrungsschatz. Und die Kohle? "Am liebsten verwende ich Buchenholz zum Grillen, dann habe ich eine langanhaltende Glut. Die billige Kohle verpufft so schnell", ist seine Meinung.

Am liebsten steht er allein am Grill. Einen Helfer hat er immer zum Brötchenfüllen und am Gasgrill für die Steaks. Die Gemeinschaft funktioniert sehr gut. "Es gibt nie ein böses Wort", sagt Manfred Wich, "ich komme mit jedem klar." Wenn dann an den Festen die Abende länger werden, wird er schon oft gefragt: "Manfred, wenn du fei nicht mehr kannst . . .". Aber Manfred Wich hält tapfer bis in die Nacht durch. "Nein, das ziehe ich immer durch. Das gibt es bei mir nicht. Schwitzen tut man schon, vor allem am Anfang. Zum Schluss wird es dann vom Rücken her etwas frisch, aber dann gibt es die Salbe am nächsten Tag", berichtet der Unermüdliche schmunzelnd.

Er freue sich über das Lob der Festbesucher. "Manche holen sich mehrmals Bratwürste oder nehmen welche mit nach Hause." Selten gebe es Kritik. "Das sind meist Menschen, die mit sich selbst nicht zufrieden sind", sagt er. Einmal ist er auch schon gefragt worden, ob er das Grillen beruflich mache. "Da habe ich gesagt: ,Nein das ist mein Hobby, meine Leidenschaft‘", sagt er grinsend. Privat hat er mit Haus und Grund viel zu tun und der 63-Jährige kocht daheim fast täglich. "Ich mag am liebsten Schweinebraten mit Klößen, oder Cordon bleu, die ich selbst fülle. Meine Frau freut sich und ich mache es gerne. Die Qualität der Lebensmittel liegt mir am Herzen. Wenn ich zu unserem Plecher Metzger gehe, dann sage ich schon immer: Ich will ein paar gescheite, also studierte Rouladen. Da lachen alle und wissen, dass mir die regionale Qualität enorm wichtig ist." 

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Das traditionelle Essen und die liebevolle Zubereitung stehen bei ihm ganz oben auf seiner kulinarischen Liste. "Wenn ich Gäste habe, dann muss alles frisch sein und wie bei meiner Oma schmecken. Dann ist es genau richtig", legt er seine persönlichen Maßstäbe offen.

Ausgelastet ist der Grillmeister sowieso. Beruflich arbeitet er in drei Schichten, doch auch dies möchte er nicht missen: "Ich weiß gar nicht, ob ich in Rente gehe, wenn es einmal so weit ist. Mir gefällt es bei meiner Arbeitsstelle, der früheren Kabelmetall Nürnberg", überlegt sich der Maschinenführer. "Ich erledige das alles so gerne", fügt der Unermüdliche hinzu. "Das ist mein Ausgleich. Ich mache die Menschen glücklich und bin dann selbst glücklich." Das sei für ihn dann alles keine Arbeit, winkt er zufrieden ab. Mit den Festen muss er allerdings wegen der Pandemie noch warten. "Ich hoffe auf den Weihnachtsmarkt 2021 – vorher befürchte ich, gibt es kein Grillfest."

ROSI THIEM

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