Festgottesdienst geplant

Plecher Kirchengemeinde feiert 475-jähriges Bestehen

10.10.2021, 09:00 Uhr
Der viereckige Hussitenturm der Plecher Kirche St. Susannae ist dominant. Dieser Turm markiert den mit Abstand ältesten Teil der Kirche. Das Kirchenschiff selbst war erst in der Markgrafenzeit, also dem 18. Jahrhundert, erweitert worden.

Der viereckige Hussitenturm der Plecher Kirche St. Susannae ist dominant. Dieser Turm markiert den mit Abstand ältesten Teil der Kirche. Das Kirchenschiff selbst war erst in der Markgrafenzeit, also dem 18. Jahrhundert, erweitert worden. © Foto: Archiv/Klaus Trenz

Grund genug, um zu feiern, und zwar am Reformationstag. "Wir haben am Sonntag, 31. Oktober, einen Festgottesdienst mit anschließendem Kirchencafé", kündigt der Plecher Pfarrer Christoph Weißmann an.

Rund um das Jubiläum können Pfarrer Weißmann und Kreisheimatpfleger Heinz Stark auf eine Reihe historischer Kleinodien verweisen. "Unsere Kirchenorgel ist die älteste im ganzen Dekanat", stellt der Pfarrer heraus. Das mechanische Manual, also die Orgeltasten, stammt noch aus den Anfängen der Gemeindegründung im Jahr 1546.

Blasebalg hat ausgedient

Die komplette Elektrik aber selbstverständlich nicht. Vorbei also die Zeiten, in denen Generationen von Konfirmationen in jedem Gottesdienst den Blasebalg bedienen mussten, damit Luft durch die Orgelpfeifen fließt und Töne erklingen.

So ganz reibungslos ist die Plecher Erhebung zur eigenständigen Pfarrei nicht verlaufen, wie Lokalhistoriker Heinz Stark in jahrelangen Archivrecherchen herausgefunden hat.

Die historischen „Rivalitäten“ zwischen Plech und Velden sind längst Geschichte, erklärt Pfarrer Christoph Weißmann. Im Kern sei es auch nie um theologische Fragen oder Glaubensdinge gegangen, sondern schlicht ums Geld.

Die historischen „Rivalitäten“ zwischen Plech und Velden sind längst Geschichte, erklärt Pfarrer Christoph Weißmann. Im Kern sei es auch nie um theologische Fragen oder Glaubensdinge gegangen, sondern schlicht ums Geld. © Foto: Archiv/Hans-Jochen Schauer

Aus jener Zeit Ende des 15. Jahrhunderts datiert auch die erste und einzige dokumentierte "Rauferei" (Weißmann) zwischen Plech und der evangelischen Mutterpfarrei in Velden.

Diese Auseinandersetzungen "gipfelten" laut Stark darin, "dass der Plecher Amtsrichter Heinz Weinschnabel den Veldener Pfarrverweser tätlich an der Einnahme der Frühmesse hinderte". So habe der Veldener Kandidat "hintterlistisch" die Schlüssel an sich genommen und Kirche sowie Frühmesshaus aufgeschlossen.

Der Amtsrichter habe den Veldener daraufhin "in die Flucht geschlagen". Andere Zeiten, andere Sitten.

Die Frühmesse spielte damals im Leben der Gläubigen eine besondere Rolle. Denn diese Messe musste, bevor das "Kirchenvolk" zur Arbeit aufs Feld ging, gelesen werden, sagt Stark. Besonderheit: Ein "Frühmesser" – nicht zu verwechseln mit dem Mesner – musste Stark zufolge schon "frühmorgens" zugegen sein "und deshalb auch an Ort und Stelle wohnen". Aus dem Plecher Frühmesshaus wurde später das Kantoratsgebäude und nach mehrfachen Umbauten und Sanierungen das heutige Gemeindehaus.

Mit der katholischen Kirche hatten diese Auseinandersetzungen also gar nichts (mehr) zu tun. Denn Plech wurde schon 1528 nicht mehr im Steuerregister eines katholischen Bamberger Bischofs aufgeführt.

Die historischen "Rivalitäten" zwischen Plech und Velden sind längst Geschichte, erklärt Pfarrer Weißmann. Im Kern sei es auch nie um theologische Fragen oder Glaubensdinge gegangen, sondern schlicht ums Geld. Genauer: Um das Einkaufsverhalten der Plecher in Velden.

Festgehalten wurde die Gemeindegründung in einer Urkunde, einem "Lehensbrief", weiß Amateurhistoriker Stark. "Das Original befindet sich im landeskirchlichen Archiv." Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied.

Blick auf die einzigartige Wiegleb-Orgel, die in ihrem Original in Oberfranken nur noch in der Klaussteinkapelle oberhalb der Sophienhöhle zu finden ist.

Blick auf die einzigartige Wiegleb-Orgel, die in ihrem Original in Oberfranken nur noch in der Klaussteinkapelle oberhalb der Sophienhöhle zu finden ist. © Foto: Archiv/Rosi Thiem

Eigentlich haben die Plecher nur eine Abschrift davon im Gemeindearchiv. Da aber im Original rechts oben ein quadratisches Stück von Unbekannten herausgeschnitten wurde, konnte diese Stelle nur mit Hilfe der Plecher Urkundenkopie wieder rekonstruiert werden. Solche Umwege waren für ein weiteres, unübersehbares historisches Zeugnis unnötig: Dabei handelt es sich um den viereckigen Hussitenturm der Plecher Kirche St. Susannae mit seinen Schießscharten.

Ältester Teil der Kirche

Dieser Turm markiert den mit Abstand ältesten Teil der Kirche. Das Kirchenschiff selbst war erst in der Markgrafenzeit, also dem 18. Jahrhundert, wegen Platzmangel für die wachsende Gemeinde erweitert worden. Heute zählt die Kirchengemeinde 1200 Gläubige. Plech als politische Gemeinde hat rund 1300 Einwohner.

Vier Glocken

Im Hussitenturm hängen auch die vier Kirchenglocken und rufen den Plecher Gläubigen tagtäglich mehrfach akustisch in Erinnerung, welche Stunde es gerade geschlagen hat. Der Plecher Heinz Stark (62) kann sich noch gut daran erinnern, dass er als Bub – wie viele andere Kinder – spätestens zum Gebetsläuten um 19 Uhr zuhause sein musste. Denn sonst gab es mächtig Ärger. Früh um 6 Uhr läutet es jeden Tag zum ersten Mal. "Auf das Elf-Uhr-Läuten verzichten wir zur Zeit", bedauert der Gemeindepfarrer. Grund dafür seien "statische Probleme". Von solcherlei kleinen Missklängen will man sich die Feierlaune aber keinesfalls vermiesen lassen.

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