Montag, 19.04.2021

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Pottenstein: Pensionierte Pflegekraft unterstützt Senioren ehrenamtlich im Alltag

Christine Kupka ist für den Pottensteiner Elisabeth-Verein aktiv - 27.02.2021 08:55 Uhr

Gerne kauft die stille Helferin Christine Kupka ehrenamtlich für eine Klientin ein, bevor sie die Waren anschließend persönlich vorbei bringt.

26.02.2021 © Foto: Rosi Thiem


Langeweile in der Rente? Nein, das hat sie nicht. "Ich kaufe jetzt noch schnell für meine Klientin ein, dann fahre ich zu ihr und bringe die Sachen frisch", lacht Christine Kupka am Supermarktparkplatz. Seit drei Jahren ist sie im Helferinnenkreis des Pottensteiner Elisabeth-Vereins tätig.

"Es war eine gute Idee gewesen, mich hier zu engagieren", zeigt sie vergnügt auf, als sie den Einkauf in ihren Kofferraum verstaut. "Nach meinem Berufsleben hatte ich einfach viel Zeit gehabt. Ich wurde von Karin Spörl vom Helferinnenkreis angesprochen, ob ich nicht mitmachen wolle. Nun bin ich dabei und habe es nicht bereut."

Als Helferin übernimmt sie stundenweise die Betreuung und unterstützt Senioren im Alltag sowie deren Angehörige. "Erst sage ich, wenn ich neu irgendwo hinkomme: Ich bin die Christine – die bleibe ich dann auch auf Augenhöhe. Ich habe eine Dame, zu der gehe ich und lese etwas vor. Manchmal lasse aber auch ich mir etwas aus der Tageszeitung vorlesen", sagt sie.

Geschichten von früher

Als ehemalige Pflegefachkraft ist es ihr enorm wichtig, dass die Senioren noch lange geistig fit bleiben und dazu animiert werden. "Erst frage ich sie, ob sie mir aus der Zeitung was vorlesen wollen", erklärt sie. Und das geht gut. Ihr kommt es nicht auf die Länge an, sondern dass die Senioren selbst etwas tun können. "Im vergangenen Jahr, als ich Gesichtsmasken nähte, fädelten meine Senioren die Gummis ein. Das bereitete ihnen Freude und mir auch", sagt die 69-Jährige. Wenn schönes Wetter ist, dann geht sie auch mit ihren Kunden – wie sie sie liebevoll nennt – hinaus. "Am Fernsehen sehen meine Senioren nur Corona. Man kann nicht alles auf die Pandemie schieben. Auch die Angehörigen freuen sich, wenn ich komme und etwas Leben in den Alltag bringe." Oft erzählen ihr die Senioren vom Zweiten Weltkrieg oder allgemein von früher. "Ruck-zuck ist da eine Stunde um." Sie kann auch mal nur schweigen und nebenan am Bett sitzen. Hat sie ein Helfersyndrom?

Schließlich hat Christine Kupka im Berufsleben selbst gepflegt und 18 Jahre lang als Heimleitung das Seniorenparadies in Bronn geleitet. "Helfersyndrom? Ja, da lachen manchmal die Leute. Insgesamt war ich 30 Jahre in der Pflege. Da kann man nicht alles einfach so hinlegen. Das bleibt wie eine Sucht." Als Fachkraft konnte sie auch in manchen Angelegenheiten des Elisabeth-Vereins Rat geben.

Die in Schlesien geborene Rentnerin kam als Spätaussiedlerin vor 32 Jahren nach Deutschland. Gearbeitet hat sie schon immer. Der ehrenamtliche Helferkreis – hier hat sie um die 20 aktiven Kolleginnen – erfüllt sie.

"Mit meinen Kunden spiele ich ,Mensch ärgere dich nicht‘ und Mühle. Aber ich verliere immer. Dann sage ich zu meinen Senioren: Ich habe nicht so viel Glück und lächle. Am schönsten ist es für mich, wenn sie glücklich sind." Oft wird sie beim Nachhausegehen gefragt, wann sie denn wieder kommt. "Wenn ich sage, am Freitag komm ich wieder, dann bedauern sie – schade, erst so spät. Dann sage ich, wenn mein Auto wieder geht, dann komme ich bestimmt wieder. So ein kleiner Spaß kommt immer gut an. Da freut sich jeder – auch ich."

Persönliche Zufriedenheit

In einem Liederbuch blättern sie gerne und singen auch mal zusammen. "Meine Senioren haben mir die fränkischen Volkslieder beigebracht und auch das Kartenspielen", schmunzelt sie. Für Christine Kupka ist es eine Win-Win Situation. In den sechs Jahren Rente hat sie einiges dazu gelernt, wozu sie im Berufsleben keine Zeit hatte. "Von meiner Schwiegertochter habe ich das Häkeln gelernt und von meiner Tochter Zumba", lacht sie, als die letzte Tüte im Kofferraum verschwunden ist. Häkeln und Zumba sind jetzt neben ihren vier Enkeln ihre große Leidenschaft. "Jetzt warte ich noch, bis das Fitnessstudio wieder aufmacht. Dann bin ich die erste, die kommt", weiß sie schon heute. Persönlich fühlt sie eine große Zufriedenheit. "Ich fühle mich gebraucht und ein zwischenmenschlicher Kontakt ist immer wichtig."

Gerade jetzt – in der Pandemie – nicht abkapseln, ist ihr wichtig. Was rät sie anderen Menschen, die sich vom Berufsleben verabschieden? "Das Häkeln habe ich früher gar nicht so beachtet – heute ist es meine Leidenschaft. Ich denke, die in Rente Gehenden sollen weiter aktiv bleiben, wenn sie können, und sich nicht zu Hause hinsetzen. Einfach jeder soll sich selbst fragen: Was macht mir Spaß? Wo kann ich mich einbringen? Man kann sich einen Verein suchen und ausprobieren. Wichtig ist, in irgendeiner Weise aktiv zu bleiben, das hält fit. Da bleiben wir ewig jung", zwinkert sie und fährt davon.

ROSI THIEM

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