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Pottenstein zog im vergangenen Jahr 750 000 Tagesgäste an

Touristen-Information verschickte im vergangenen Jahr rund 2000 Briefe ins In- und Ausland. - 30.03.2020 11:55 Uhr

Alles ist noch ruhig. Das Felsenstädtchen Pottenstein (im Bild) und viele andere Orte der Fränkischen Schweiz warten auf Urlauber. Die derzeitige Krise aber wird allem Anschein nach das Ostergeschäft auf keinen Fall zulassen. Wie das Jahr an sich wird, darüber lassen sich derzeit keine Prognosen abgeben.

29.03.2020 © Foto: Rosi Thiem


Die Prospektanfragen werden immer kurzfristiger. Das habe nichts mit Coronazeiten zu tun, stellt Thomas Bernard, der Leiter des Tourismusbüros in Pottenstein, schon seit einigen Jahren fest. "Wenn das Wetter schön ist, dann wollen die Menschen in Urlaub – unabhängig vom Monat", sagt er.

Anfragen wie früher generell zu Jahresbeginn, verteilten sich inzwischen auf das ganze Jahr – zeitnah zum geplanten Urlaubstermin. "Wie wichtig nach wie vor eine durchdachte Prospektpalette in gedruckter Form ist, zeigen die Zahlen im Prospektversand. 2019 wurden auf Anfrage um die 2000 Prospekte versandt", legt Bernard im Redaktionsgespräch dar.

In acht Sprachen

Vor allem bei den innerdeutschen Postleitzahlenbereichen "6", "9", "8" und "0", aber auch im europäischen Ausland und sogar aus Ländern anderer Kontinente stiegen die Anfragen. "Mehrsprachiges Informationsmaterial ist daher wichtig", bemerkt er. Mittlerweile verfügt das Tourismusbüro über Informationsmaterial in acht Sprachen: Englisch, Französisch, Tschechisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Chinesisch und Japanisch.

"Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit im Bereich Tagestourismus ist die weitere und zunehmende Internationalisierung der Freizeiteinrichtungen auf unserer Pottensteiner Erlebnismeile. Dazu gibt es heuer erstmals die auflagenstarke, gebündelte Info ,Pottensteiner Erlebnismeileʻ auch in Englisch. Die Namen der Einrichtungen in dieser Broschüre sind allerdings verdeutscht geblieben," erläutert Bernard. "Dadurch findet der Gast sich mit unserer Beschilderung leichter zurecht und er kann die Punkte leichter finden."

Ob die alljährliche Vermieterversammlung heuer stattfinden wird, ist wegen der Corona-Pandemie noch nicht klar. Angedacht ist laut Thomas Bernard dafür eventuell der Mai. Falls es keine Vermieterversammlung gibt: "Wir stellen ab Mitte April den aktuellen Tourismusbericht 2019/2020 in gedruckter Form auf Anfrage zur Verfügung."

Und wie schützt sich das Tourismusbüro im Felsenstädtchen derzeit selbst vor dem Virus? "So wie alle im Rathaus – das Tourismusbüro ist bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen", so dessen Leiter. "Untereinander halten wir bewusst etwas mehr räumlichen Abstand. Bei uns geht es wie gewohnt weiter, und in dieser Situation wird die projektbezogene Arbeit intensiviert."

Und was sagen die Gäste und Vermieter? "Die Anzahl der Prospektanfragen ist seit zwei Wochen natürlich extrem rückläufig. Dennoch ist bei Gästen und Gastgebern keine große Frustration festzustellen. Es scheint das Motto ,Es geht schon irgendwann wieder weiter. . .ʻ zu bestehen", sagt der Tourismus-Chef. Nach dem Ausmaß kurzfristiger Stornierungen und denen für Sommer gefragt, meinte er: "Das ist schwer einzuschätzen, weil wir im Tourismusbüro relativ wenig Anfragen dazu erhalten. Derzeit scheinen aber nur kurzfristige Stornierungen relevant zu sein. Die Gäste hoffen auf die Reise- und Urlaubsmöglichkeit im Sommer und sind durchaus – angesichts der Lage – geduldig."

Noch keine Konzertabsagen

Die Konzerte in der Teufelshöhle würden bald auch wieder anstehen. "Das wird sich ebenfalls kurzfristig entscheiden. Absagen gibt es derzeit noch nicht", so Bernard. "Die erste Veranstaltung wäre das Bigband-Konzert des Gymnasiums Pegnitz in Kooperation mit dem Gymnasium Christian Ernestinum aus Bayreuth am 2. Mai."

Im vergangenen Jahr gab es 248 098 touristische Übernachtungen (Vorjahr: 253 706). Die Veränderung betrug minus 2,2 Prozent. Dies erklärte Bernard allerdings mit der Tatsache, dass die Arbeiter, die mit dem Breitbandausbau beschäftigt sind, 2019 einen Teil der Unterkünfte belegten und diese somit nicht an Touristen vermietet werden konnten. Diese Übernachtungszahlen seien herausgerechnet und erschienen nicht in der Tourismusstatistik.

Rund 750 000 Tagesgäste

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug wie im Vorjahr 3,34 Tage bei 74 438 Ankünften (Vorjahr: 75863). 1580 Gästebetten standen im letzten Jahr zur Verfügung (2018 waren es 1571). 2019 hielten sich schätzungsweise gut 750 000 Tagesgäste im Bereich der Gemeinde Pottenstein auf. Laut des Tourismusleiters kamen sehr positive Rückmeldungen der Gäste zu Wandermarkierungen, Gastfreundschaft, Preis-Leistungsverhältnis und attraktiven Freizeitveranstaltungen.

Keine Boote, keine Menschen — der Schöngrundsee bei Pottenstein befindet sich in der Krisenstarre.

29.03.2020 © Foto: Rosi Thiem


"Langeweile kommt bei uns im Urlaub nicht auf", resümierte er. "Es gibt eine sehr gute und vielfältige Veranstaltungsauswahl." Auch habe sich die Anbindung Pottensteins an den öffentlichen Nahverkehr weiter sehr positiv entwickelt. "Beachtlich ist die Tatsache, dass die Freizeitaktivität Klettern wieder wie bereits 2018 eine größere Bedeutung hatte als Radfahren.

Allerdings hatten die Gäste auch Kritikpunkte: Die Vielfalt der Gastronomie sei weiter rückläufig, vor allem in Pottenstein und vergleichbaren Orten der fränkischen Schweiz. Es mangle auch nach wie vor an Absprachen – beispielsweise den Ruhetagen – in der Gastronomie allgemein untereinander, bemängelte Bernard. Ein Kritikpunkt der Gäste war zudem die Parkplatzsituation im Stadtbereich. Gefragt nach der Versorgungslage im Felsenstädtchen sagte Bernard: "Gott sei Dank ist die Grundversorgung noch gegeben." Hier seien auch die Einheimischen gefragt, dies zu unterstützen, meint er.

"Auf Grundlage aktueller Tourismustrends durch eine intensive Marktbeobachtung soll auch in Zukunft Aktion vor Reaktion stehen." Nicht alle Trends seien auf die Gegebenheiten der Urlaubsregion anwendbar und sinnvoll. Regional-spezifische Themen werden dabei verstärkt aufbereitet. Bernard: "Es gilt das Motto, wenn wir Einheimische uns wohl fühlen und gerne hier leben, dann gefällt es unseren Gästen erst recht. Jeder Einheimische hat somit eine Vorbildfunktion für Gäste und ist Multiplikator und Ansprechpartner zugleich."

Fränkische Gastfreundschaft – noch vielmehr im Kleinen – sei zugleich Herausforderung und Botschaft für ein zukünftiges Miteinander. Pottenstein konnte, so der Touristiker, auch seinen Ruf als die mit Abstand bedeutendste Tourismusdestination in der Fränkischen Schweiz behaupten. Als gelungen bezeichnete Bernard die kostengünstige gemeinschaftliche Bewerbung und Vernetzung der Einrichtungen der "Erlebnismeile" und die jedes Jahr neu erscheinende Wanderkarte, die – in der zehnte Auflage – jährlich aktualisiert werde. Ganzjahrestourismus werde ein künftiges Thema sein. Im Juli/August erscheint eine neue Radkarte Pottenstein zu den Themen E-Bikes, Radtourismus und Mountainbiken.

Wo soll das Tourismusbüro der Zukunft stehen? "Mittelfristig ist der Standort Rathaus nicht günstig. Er ist räumlich beengt mit wenig Wohlfühlatmosphäre und schlechter Erreichbarkeit mit Pfortencharakter für das Rathaus." Eine zentrale, repräsentative Lage wäre laut Bernard wünschenswert. "Da ist die Planung mit der Magerscheune durchaus eine vernünftige Idee", so Bernar

ROSI THIEM

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