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Dienstag, 17.09.2019

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Pottensteiner Bäcker-Familie Frosch kann aufatmen

Im Untergrund des Grundstücks, wo ein Cafe entstehen soll, wurde nichts Wichtiges gefunden - 25.07.2019 12:07 Uhr

Ein großer Bagger schaufelte zwei Meter tief, dann konnte die Archäologin Julia Groll (zweite von rechts) mit ihrer Arbeit beginnen. Bäckermeister Johannes Frosch (rechts) informierte sich über die Vorgehensweise. © Foto: Martin Burger


Bis vor wenigen Wochen stand der Bau des Cafés von Bäckermeister Johannes Frosch noch auf der Kippe. Sein Grundstück unterliegt einem Bodendenkmalschutz, das ihm beim Kauf noch nicht bekannt war. Gestern stand nun die ersehnte Sondierung auf dem Kalender. Der Bagger stand kurzfristig zur Verfügung, und auch die Archäologin Julia Groll war pünktlich.

Bis zu einer Tiefe von zwei Metern hob der Bagger die Erde aus, dann kam erst der wichtige Teil zum Vorschein. "Hier soll ja eine Tiefgarage gebaut werden", erklärte Groll, "wir mussten hier so tief, bis man die rötliche Erde sieht."

Da sich an der Stelle bereits ein Haus befand, ist die Erde bis zu diesem Punkt uninteressant. Ab da übernahm die Archäologin und untersuchte die Erde.

Die Ausgrabung sei nötig, weil sich die Burg Pottensteins direkt darüber befindet. Zudem liegt das Grundstück auf dem Boden des alten Stadtkerns; nur wenige Häuser weiter befände sich ein weiteres vorgeschichtliches Bodendenkmal. Deshalb sei die Sondierung ernst zu nehmen. Etwas angespannt beobachtete Johannes Frosch mit seiner Familie die Arbeiten: "Ich dachte an 30 Zentimeter und jetzt ist da ein riesen Loch", sagte er.

Erleichterung. Es wurde nichts gefunden. "Ich habe alles untersucht. Es ist nichts archäologisch Relevantes, das hier erwartet wurde, aufgetaucht", gab Groll an den Bauherrn weiter. Und weiter: "Ich habe nur Baureste vom Vorgebäude gefunden. Da liegen noch verschiedene moderne Auffüllungen – mehr nicht." Das, was gefunden wird, gehöre dann erstmal primär dem Grundeigentümer. "Wir haben ja kein Schatzregal."

Zur Bearbeitung wären die Funde zunächst eingesammelt und vom Landesamt für Denkmalpflege untersucht worden. Im Nachgang könnte der Eigentümer eine Erklärung abgeben, dass er die Gegenstände behalten möchte. Dann wäre er aber auch in der Pflicht, die Gegenstände entsprechend aufzubewahren und wäre zudem für die Konservierung zuständig. "In den meisten Fällen wird es uns überlassen", erklärte die Archäologin, "es gibt wenige Leute, die historisch interessiert sind und das in eine Vitrine stellen. Ansonsten übernimmt der Staat, dass die Funde erhalten bleiben."

Wenn ein Bodendenkmal freigegeben wird, gibt es in der Regel auch keinen Eintrag mehr. Groll verweist auf eine Internetseite, auf der alle Denkmäler eingetragen sind. Dort könnte man sich vorab informieren, bevor man ein Grundstück kauft. "Den meisten ist das nicht so bewusst. Die Bauherren machen sich eher Sorgen wegen Asbest oder ob das Gebäude selbst Denkmalgeschützt ist."

Wenn ein Bau bekannt ist, dann gebe es normale Wartezeiten für eine Sondierung, aber dass wegen eines besonderen Funds Gebäude nicht gebaut werden konnten, das käme tatsächlich sehr selten vor. In der Regel werden sich alle Parteien einig, sagte Groll. Und natürlich müsse der Bauherr und nicht der Staat für die Sondierung aufkommen, weil er wissentlich ein Denkmal zerstören möchte.

Auch Andreas Büttner, Referatsleiter des Landesamts für Denkmalpflege, erreichte bereits die Nachricht, dass dort nichts gefunden wurde: "Morgen schreibe ich an die Untere Denkmalschutzbehörde, dass nichts rausgekommen ist. Alle Bedenken sind ausgeräumt und es gibt keine weiteren Maßnahmen."

Gute Nachrichten für Johannes Frosch, der nun sein Café in der Innenstadt planen kann. "Wir schreiben jetzt aus und brauchen als erstes Baufirmen die uns Angebote schicken", sagte Frosch erleichtert, "es geht darum, welche Firma im März überhaupt Zeit hat. Das größte Loch nützt mir nichts, wenn ich keine Baufirma kriege."

  

MARTIN BURGER

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