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Pottensteiner Bauerntag: "Wir alle stehen in der Pflicht"

Kritische Auseinandersetzung mit Volksbegehren "Artenvielfalt" — Mehr Wertschätzung der Landwirte - 06.02.2019 23:59 Uhr

Die Genussregion Oberfranken sei ohne die regional erzeugten Qualitätslebensmittel nicht denkbar, sagte Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz (rechts) beim Pottensteiner Bauerntag. © Foto: Rosi Thiem


"Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen, sie hat sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt: Nachhaltige Produktionsmethoden, modernes Betriebsmanagement und Verständnis für die Belange der Umwelt", sagte Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die zum ersten Mal beim Bauerntag war.

Die Landwirtschaft sei nach wie vor eine Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts und der viertgrößte Wirtschaftszweig in Bayern. Verbraucher und Lebensmittelketten sollten bereit sein, für die vielen Gemeinwohlleistungen der nachhaltigen Landwirtschaft einen angemessenen Preis zu zahlen. Fast jeder Bereich der Regierung habe Berührungspunkte mit landwirtschaftlichen Anliegen: Beispielsweise die Wasserwirtschaft, der Naturschutz und die Energieerzeugung.

Zum Trockenjahr 2018 sagte die Regierungspräsidentin, dass die agrarmeteorologische Messstation in Mistelbach insgesamt mehr als 300 Millimeter weniger Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel verzeichnete und demnach rund 40 Prozent an Wasser für das Wachstum gefehlt habe. Am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth wurden über 100 Dürrehilfe-Anträge bearbeitet. "Obwohl die Land- und Forstwirtschaft zu den Hauptbetroffenen des Klimawandels zählen, war in der öffentlichen Diskussion zu beobachten, dass die Ursachen für das Wetterphänomen zu einem großen Teil gleichzeitig diesen Betrieben zugeschrieben wurden", so die Präsidentin weiter.

Ähnliches werde bei der aktuellen Diskussion um mehr Artenvielfalt und Biodiversität beobachtet: "Der zu recht beklagte Artenrückgang hat viele Gründe. Das Thema allein bei der Landwirtschaft zu erörtern, greift zu kurz", mahnte sie und empfahl eine sachliche und vertiefte Auseinandersetzung mit den Inhalten des Volksbegehrens. Der Gesetzesentwurf lasse andere wichtige Ursachen wie Siedlungsentwicklungen, Verkehr und Freizeit außer Betracht. In den vergangenen fünf Jahren habe die Zahl der Bienenvölker um 20 Prozent zugenommen.

Zuhörer Martin Baumgärtner fragte, ob überprüft werde, ob die Schulen ihre politische Neutralität gewährleisten. Er habe Sorge, dass Kinder einseitig informiert würden. Darauf sagte Piwernetz, das höre sie zum ersten Mal und nehme es gerne mit. Gerhard Looshorn aus Elbersberg meinte, dass die Leute nicht wissen, was sie unterschreiben. Der Wahlspruch sei sehr gut, doch die Bienen betreffe es nicht. In der Region gebe es genügend Blühflächen und der Schnittzeitpunkt sei so gewählt, dass die Gräser bereits abgeblüht seien.

"Unsere einzigartige Kulturlandschaft ist sichtbares Zeugnis bäuerlicher Arbeit", so Piwernetz. Sie nannte den Braugerstenanbau als grundwasserschonende Frucht. "Es ist aber auch wichtig, dass die Landwirtschaft die Ansprüche der heutigen Gesellschaft anerkennt. Über die unterschiedlichen Sichtweisen und Erwartungen muss offen, sachlich und wertschätzend gesprochen werden", forcierte sie und machte auf verschiedene Aktionen aufmerksam: Grundwasserschutz, Demonstrationsprojekt "Silphie-Anbau", Ökomodellregionen und "Initiative Wasserschutzbrot".

Auch sieht Heidrun Piwernetz eine Chance beim aufstrebenden Tourismus, der sozialen Landwirtschaft und bei der Energieerzeugung; 49 Biogasanlagen stehen im Landkreis, davon zwei in Pottenstein. 

ROSI THIEM

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