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Montag, 17.05.2021

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Pottensteiner Bergwacht schult Anwärter online

Steffen Puchtler hält ersten digitalen Ausbildungsvortrag für die Jugendgruppe der Bergwacht - 29.01.2021 05:55 Uhr

Ein Bild von Januar 2019, als die Bergwacht Pottenstein bei Bad Reichenhall im Einsatz war. Auch Stadtrat Alexander Berner war zu dem Zeitpunkt im Einsatz (links unten).

28.01.2021 © Foto: Steffen Puchtler


So gehört – passend im Winter – auch die Lawinenkunde zum Einmaleins der Bergwacht und stellt einen großen Bestandteil der Ausbildung dar. Dieses Wissen werde auch dringend benötigt, so wie im Katastrophenfall vor zwei Jahren, als die Bergwacht nach Bad Tölz und Bad Reichenhall gerufen wurde.

Die Zukunft

Die Jugendgruppe der Bergwacht Pottenstein ist zugleich deren Zukunft. Als ehrenamtliche Helfer in Notlagen ist auch die Bergwacht auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen. "Jeder Verein hat aktuell Nachwuchsprobleme. Das ist nichts Neues und trifft auch auf uns zu", weiß der stellvertretende Bereitschaftsleiter Steffen Puchtler. Genau aus diesem Grund kümmere man sich intensiv um diejenigen, die bereits dazugehören. Das große Ziel sei dabei, auf spielerische Art und Weise die Jugendlichen auf den Status eines Anwärters vorzubereiten. Denn nicht jeder kann einfach so zur Bergwacht, erklärt Puchtler.

"Die Jugendgruppe startet ab einem Alter von zwölf Jahren und geht bis zum 16. Lebensjahr." Ab dann werden die Jugendlichen automatisch Anwärter und müssten eine Ausbildung absolvieren. Zu dieser gehören auch Prüfungen, die bestanden werden müssen. Um eine "fertige Einsatzkraft" zu sein, müssen mindestens zwei wichtige Eignungstests abgelegt werden. Eine Prüfung für den Winter und die weitere für den Sommereinsatz. Erst danach dürften die Anwärter auf Einsätze mitgenommen werden. "Wir sind ja nicht auf der Straße unterwegs, sondern da, wo es abschüssig ist und eine gewisse Eigensicherung notwendig ist."

Verschiedene Szenarien

Der Sommereignungstest beinhalte verschiedene Szenarien, das Klettern in der Fränkischen Schweiz, wie man sich im Gelände bewegt, sich sichert und Sicherungsstände aufbaut. Zur Winterqualifikation gehören unter anderem das Klettern im alpinen Bereich, ob man mit Höhen zurechtkommt und natürlich die Kondition. So bekräftigt Puchtler: Als Einsatzleiter achtet man trotzdem darauf, dass die Anwärter nie als volle Einsatzkraft betrachtet werden. Die sollen bei einem realen Einsatz etwas lernen und unterstützen, aber im Vordergrund muss immer das Wohl des Patienten stehen."

Schwieriger geworden

Mit der anhaltenden Pandemie sei die Arbeit mit der Jugendgruppe um einiges schwieriger geworden. Jeder lebe vom persönlichen Austausch und gerade die Bergwacht sei eben sehr viel in der freien Natur unterwegs, sagt der stellvertretende Bereitschaftsleiter. "Mit Corona sind wir die Leidgeplagten. Jetzt haben wir endlich mal den Schnee und dürfen nichts machen. Deshalb sind wir auf digitale Formate umgestiegen." Eineinhalb Stunden habe die Schulung am vergangenen Sonntag gedauert. Vier Jugendliche waren per Videokonferenz anwesend und freuten sich offensichtlich sehr über die Abwechslung. Der Kurs beinhaltete verschiedene Themen, die im Winter für eine Bergwacht relevant werden können. Wie eine Schneedecke aufgebaut ist, wie Schnee überhaupt entsteht und einige Informationen zu Lawinen.

"Es ist wichtig zu wissen, ob eine Gefahr besteht. Was für unterschiedliche Lawinentypen gibt es und was sind die Anzeichen eines Abgangs", erklärt Puchtler, der die Schulung durchführte. Da gebe es das Schneebrett, das viele aus dem Fernsehen kennen. Eine der typischsten Lawinen. Es gibt auch die Lockerschneelawine, die nicht weniger gefährlich sei. Ein punktförmiger Anriss – ein Schneeball – der langsam nach unten rollert und am steilen Gelände immer schneller wird.

Sobald es möglich ist, will die Bergwacht wieder raus ins Freie. Doch zunächst gebe es weitere Online-Kurse. Einer der kommenden soll sich mit dem Naturschutz befassen, dann werde es noch einen Kurs zu Pflanzen geben und wieder ein anderer wird die Knotenkunde behandeln. Dazu werde jedem ein Stück Seil zugeschickt und man übt einige Knoten. Vom Sicherungs- bis zum Kletterknoten – dabei müsse jeder Handgriff sitzen. Aber auch die Notfallmedizin werde nicht zu kurz kommen.

Viele Einsätze

Die Bergwacht hatte im vergangenen Jahr über 40 Einsätze – doppelt so viele wie sonst üblich in den Jahren zuvor. So habe man bemerkt, dass es im Jahr 2020 ein verändertes Freizeitverhalten gab. "Viele waren lange eingesperrt und wollten raus in die Natur." Die gängigsten Gründe bei solchen Einsätzen waren Erschöpfung, Herzinfarkt und Frakturen im Fuß- oder Kniebereich, aber auch zu Kletterunfällen und -stürzen wurde die Bergwacht gerufen. "Das sind dann die Schwerverletzten."

Dass auch für die Pottensteiner Bergwacht die Lawinenkunde wichtig ist, zeigte sich vor zwei Jahren, als es im südlichen Bayern wochenlang schneite und viele Dächer den Massen kaum noch standhalten konnten. Fünf Tage lang waren vier Mitglieder der Bergwacht in Bad Tölz und Bad Reichenhall im Einsatz und haben dort von früh bis spät die Einsatzkräfte unterstützt. "Wir sind im Verband hingefahren und haben geholfen, wo wir konnten."

INFO: Die Bergwacht ist weiterhin auf der Suche nach Nachwuchs. Jugendliche, die Interesse an Klettern, Bergsport oder Skifahren haben, dürfen sich gerne bei der Bergwacht Pottenstein per Mail pottenstein@bergwacht-bayern.de oder unter der Telefonnummer 0 92 43/70 06 21 melden. Weitere Infos erhalten Interessierte auf der Internetseite bergwacht-bayern.de/Pottenstein.

MARTIN BURGER

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