Pottensteiner Schäfer hört nach 40 Jahren auf

1.6.2021, 15:51 Uhr
Konrad Stiller (rechts) hört nach 40 Jahren in seinem Beruf als Schäfer auf. Der studierte Literaturwissenschaftler entschied sich für eine Arbeit und ein Leben in der Natur. Der 64-Jährige hat mit Michael Bauer einen Nachfolger gefunden und arbeitet den jungen Mann ein.

Konrad Stiller (rechts) hört nach 40 Jahren in seinem Beruf als Schäfer auf. Der studierte Literaturwissenschaftler entschied sich für eine Arbeit und ein Leben in der Natur. Der 64-Jährige hat mit Michael Bauer einen Nachfolger gefunden und arbeitet den jungen Mann ein. © Foto: Rosi Thiem

Stillers Berufsweg war früher ein anderer. Eigentlich hatte er Literaturwissenschaften, Geschichte und Philosophie studiert. Er stammte auch aus der Landwirtschaft und merkte für sich, so erzählt er, dass das Wissenschaftliche zu weit weg vom praktischen Leben entfernt war. "Damals merkte ich, dass ich lieber in der Natur sein und mit den Händen was schaffen wollte. Er sattelte noch einmal um. "Das heuer ist mein 40. Jahr als Schäfer", sagte der heute 64-Jährige, der aus Großenohe stammt.

Angst vor Wolfsangriffen

Die Artenvielfalt zu erhalten und etwas für den Naturschutz und das Landschaftsbild zu tun, waren ihm stets wichtig. "Jetzt im Alter tut man etwas langsamer", bemerkt Stiller. Grundsätzlich würde er sich wieder für den Beruf entscheiden, doch gibt es auch Probleme, die ihn zu schaffen machten. Vor zwei Jahren dann sagte er, ich mag nicht mehr: "Die Trockenjahre 2018 bis 2020 und die Angst vor einem Wolfsangriff haben dazu geführt, dass ich nicht mehr wollte", erzählt er ehrlich. In der Trockenheit der vergangenen Jahre war das Futter knapp und er war dankbar, dass nach Aufrufen Flächen aus der Bevölkerung angeboten wurden, die er mit seiner Herde abweiden konnte. "Die Trockenheit war das eine, das andere war die ständige Präsenz vom Wolf: Ich habe mir jeden Morgen gesagt, hoffentlich sind die Schafe noch da, wenn ich zu ihnen gefahren bin." Das belastete ihn sehr.

Wie war es früher? "Vor 40 Jahren gab es noch viele Kleinbauern, die bis in den Herbst hinein Gras gemacht haben, da konnte ich auch viele Brachflächen übernehmen. Heute ist es schwieriger mit den Stilllegungsflächen, da fällt Weide weg", bedauert er. Und trotzdem ist er zuversichtlich für seinen jungen Nachfolger: "Das ist keiner, da wo man hinterher muss, ich war angenehm überrascht. Mit den Pottensteinern, den Obertrubachern und dem gesamten Umland bin ich gut ausgekommen, ich hoffe, dass die Einwohner auch meinem Nachfolger das gute Verhältnis entgegenbringen." Die Nachfolgersuche war am Anfang nicht ganz so einfach. Auf die erste Stellenanzeige kam keine Bewerbung. "Auf die zweite Anzeige im Stellenmarkt für Schäfer kamen dann die Nachfragen. Es waren etliche Bewerber, die aus dem gesamten Bundesgebiet stammten. Von der Nordsee bis nach Niederbayern, auch aus Tschechien kamen die Bewerbungen", zählt er auf. Und Stiller hat sich entschieden: Michael Bauer soll es sein. "Ich bin positiv überrascht, dass es so gut mit meinem Nachfolger klappt", lobt er ihn, wenn er auf die vergangenen Wochen schaut.

Für heuer ist ein gemeinsamer fließender Übergang geplant. Aber was wird dann im Ruhestand? "Langweilig wird mir nicht", winkt er ab und erzählt: "Im und am Haus ist immer etwas zu tun. Eines meiner Hobbys ist das Schnitzen und das Möbelschreinern. Ich gehe viel mit den Hunden raus und beobachte, wie die Pflanzen wachsen und schaue auf die Schmetterlinge."

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