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Mittwoch, 21.08.2019

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Pottensteiner Schäfer sucht dringend Futter

Grüner Aufwuchs durch Hitze nicht möglich. Schafe müssen eventuell vorzeitig zurück. - 22.07.2019 23:51 Uhr

Schäfer Konrad Stiller hofft auf Hilfe, damit seine Herde nicht vorzeitig in den Stall zurück muss. Insbesondere hofft er auf lang anhaltenden Regen. © Foto: Rosi Thiem


Das einzige, das die Schafe im Alter von acht Wochen bis zehn Jahren stehen lassen, ist die Zypressenwolfsmilch. "Da sagt ihr Gehirn: nicht fressen, nicht fressen", erläutert Stiller. Der Milchsaft ist stark giftig. Für Insekten ist die Pflanze jedoch wichtig. Die zehn jüngsten Merinos bekommen noch Milch von den Muttertieren. "Ein Schaf braucht am Tag fünf bis sechs Kilo Gras, wenn es ausreichend ernährt wird. Für die Herde benötige ich täglich zweitausend Liter Wasser, bei Hitze sogar noch mehr", erzählt er.

Stiller findet, dass die Situation noch schlechter als im vergangenen Trockenjahr ist. Dabei sah es im Frühjahr noch gut aus. "Der April war trocken, der Mai aber okay, der Juni war zu heiß und zu trocken bei uns. Die afrikanische Hitze der letzten Zeit ließ kein Gras wachsen." Die ihm anvertraute Herde kommt aus Niederbayern. Wenn er sie vorzeitig zurückschicken muss, dann befürchtet er, wird er sie im nächsten Jahr nicht mehr bekommen.

Die Schafe fressen die Gräser, die die Hitze übrig ließ. Die Lage für Schäfer Konrad Stiller wird immer bedrohlicher, denn jetzt es wird wieder heiß. © Foto: Rosi Thiem


"Das zieht einen Rattenschwanz nach. Wenn ich keine Schafe mehr bekomme, dann ist die Landschaftspflege hier in Gefahr", befürchtet er. Eine Hoffnung hat er. "Vielleicht meldet sich nach diesem Aufruf jemand, der ein Herz für die Merinoschafe hat." Er hofft, es möge jemand anrufen, der eine Fläche ab einen Hektar hat, die er nicht benötigt und abweiden lässt.

Ab einem Hektar würde es sich auch für die Schafherde rentieren, aufzubrechen und einen längeren Weg auf sich zu nehmen. Es kann in der Gegend um Gößweinstein, Obertrubach, Pottenstein, Pegnitz und Haßlach sein. "Vielleicht hat jemand auch einen zweiten Schnitt, den er nicht benötigt", hofft er. "Wenn alle Stricke reißen, muss ich versuchen, irgendwo Heu herzubekommen."

Doch oft sind die Lager leer. "Auch in Niederbayern ist das Futter schon ziemlich knapp." Der 62-jährige Schäfer konnte um diese Zeit im vergangenen Jahr auf Stoppelfelder weiden. "Heuer ist die Ernte noch nicht soweit. Mir läuft die Zeit davon. Ich stehe oft daneben und denke: Das ist wieder einmal ein Ausnahmejahr - aber", so fügt er hinzu "das ist der Klimawandel in Franken. Lange Zeit wurde er vorhergesagt. So, jetzt haben wir ihn."

Die Grillen zirpen neben den grasenden Schafen um die Wette. "Ja, die Grillen mögen das trockene Wetter. Wer mir helfen kann, möge sich bitte mit mir in Verbindung setzten", vertraut der langjährige Naturpfleger auf Leser, die ihm eventuell helfen könnten.

Info: Die Handynummer von Schäfer Stiller lautet (0 15 77) 3 99 99 84. Er hofft auch auf noch etwas: lang anhaltenden Regen. 

ROSI THIEM

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