Segen und Fluch

Pottensteiner Verein gewinnt Rikscha - und weiß nicht wohin damit

23.11.2021, 13:00 Uhr
So ähnlich wird die gewonnene Rikscha aussehen. Ein Leihfahrzeug (Bild) der Adalbert-Raps-Stiftung war bereits in Pottenstein unterwegs und hat für große Augen in der Felsenstadt gesorgt.

So ähnlich wird die gewonnene Rikscha aussehen. Ein Leihfahrzeug (Bild) der Adalbert-Raps-Stiftung war bereits in Pottenstein unterwegs und hat für große Augen in der Felsenstadt gesorgt. © Foto: Maria Spörl/privat

Es scheint Segen und Fluch zugleich: der Gewinn einer Rikscha. Im September erhielt der Elisabeth-Verein die Nachricht, dass sich der Verein im mehrstufigen Auswahlprozess "Rikschas für Oberfranken" durchgesetzt hat. Nur wenige Tage danach stellte der Verein zwei Anträge. Zum einen geht es darum, wo das Gefährt letztendlich untergebracht werde. Denn, wenn es nach dem Verein ginge, dann wäre das Bürgerhaus der ideale Standort. Zum anderen, ob der Verein das Gebäude für seine Aktiven- und Helfertreffen nutzen dürfe.

Garagenstellplatz gesucht

Als eine "äußerst problematische Angelegenheit" bezeichnete Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU-UWV) die Situation, als er das Thema während der Stadtratssitzung ansprach. Da der Verein mit dem Gewinn überrascht wurde und nun eine schnelle Lösung gefunden werden müsse, habe er den Verantwortlichen eine Übergangslösung angeboten und die vorläufige Unterbringung im Pottensteiner Bürgerhaus genehmigt.

Fluchtwege müssen frei sein

"Aktuell gibt es wegen der anhaltenden Corona-Pandemie nicht viele Veranstaltungen, das stimmt. Aber wenn das Bürgerhaus wieder in den normalen Betrieb übergeht, dann wird der Platz als Lagerfläche benötigt. Ich sehe diese Möglichkeit nicht", gab er an das Gremium weiter. Auch im Hinblick auf die Ausgabe eines Schlüssels, der den Zugang zum Bürgerhaus ermöglicht, sehe er Probleme. Zudem ginge es um die Fluchtwege, die dringend frei bleiben müssten.

Gegen eine "kurzfristige Duldung" habe er jedoch nichts. Die Verwaltung stehe dem Verein gerne zur Verfügung, wenn es darum ginge, einen neuen Standort zu finden. So schlug der Bürgermeister vor, dass es ein Inserat im Amtsblatt geben soll, mit der Bitte um Mithilfe aus der Bevölkerung.

Damit zeigte sich Stadträtin Maria Dreßel (FWG) recht zufrieden, da sie in dem Fahrrad einen großen Zugewinn für die Felsenstadt sieht und es "mit viel Glück" gewonnen wurde. Der soziale Aspekt der Rikscha sei enorm, da man den hilfsbedürftigen Menschen, die nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen könnten, wieder etwas Normalität zurückgeben kann. "Die Menschen, um die es hier geht, sitzen wochenlang in ihren Wohnungen und nehmen nicht mehr am Leben teil. Wir müssen hier unterstützen und helfen, einen Raum zu finden. Vielleicht findet sich im Feuerwehrhaus ein Platz", sagte Dreßel, die sich zusätzlich für einen Aufruf im Amtsblatt aussprach. "Eventuell hat ja ein Bürger in der Stadt einen Garagenstellplatz für den Verein, den er vermieten würde."

Doch nur ein Inserat sei zu wenig, ist sich Stadtrat Rainer Brendel (BPU) sicher. Er sei im Geiste alle Möglichkeiten durchgegangen und kam zu dem Entschluss, dass der Verein sich um eine Containerlösung bemühen müsse und nannte im gleichen Atemzug einige mögliche Standorte. Dadurch ergebe sich jedoch ein weiteres Problem, da der Elisabeth-Verein kein Geld habe, um sich etwas kaufen zu können. "Vielleicht kriegen sie ja einen Container geschenkt, wenn sie etwas betteln", sagte Brendel. "Wir werden hier und heute keine Lösung finden", antwortete Frühbeißer und verwies auf die ursprüngliche Idee, einen Aufruf im Amtsblatt zu veröffentlichen.

"Halte ich für gefährlich"

Ebenso kritisch sah Frühbeißer den zweiten Antrag des Vereins. Im Raum neben dem Foyer soll ein abschließbarer Schrank abgestellt werden, in dem Unterlagen und Betreuungsmaterial aufbewahrt werden könnten. Zudem plane der Verein, seine monatlichen Treffen dort abzuhalten. "Es finden dort schon einige Veranstaltungen statt, und wenn dann etwas mit dem Schrank passiert, dann will es wieder keiner gewesen sein. Das halte ich für gefährlich", gab Frühbeißer zu bedenken. Der Aussage pflichtete Stadtrat Markus Polster (FWG) bei und ging einen Schritt weiter. "Es gibt im Bürgerhaus teures Material. Denken wir mal nur an den Beamer. Ich würde den Schlüssel für das Bürgerhaus nicht so einfach herausgeben", mahnte Polster und sprach sich im gleichen Atemzug gegen die Idee aus, die Räume des Feuerwehrhauses anzubieten.

Letztendlich sei das gesamte Thema schnell abgehandelt, wenn man von einer Nutzungsentschädigung spricht, meinte Frühbeißer und verwies darauf, dass der Verein sich jede Idee "entgeltlos" vorstelle. "Wir verlangen aber Nutzungsgebühren. Außerdem müssen wir das, wenn wir es einem Verein anbieten, auch anderen Vereinen anbieten können." Deshalb schlug Frühbeißer vor, ein weiteres Gespräch mit den Vorsitzenden des Elisabeth-Vereins zu führen, um die genannten Vorschläge zu unterbreiten. Beide Anträge wurden daraufhin vom Stadtrat einstimmig abgelehnt.

1 Kommentar