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"Prototyp Pale Ale": Kanadisches Bier aus Franken

Hobbybrauer Chris Ramsay steckt Herz und Seele in seine Leidenschaft - 09.12.2019 20:38 Uhr

Chris Ramsay aus Calgary tüftelte an seinem Bier-Rezept. In der Brauerei Hufeisen in Pottenstein braute er schließlich sein eigenes Bier. Zusammen mit seiner Ehefrau Corinna hat er nun ein Kleingewerbe angemeldet. © Foto: privat


Wie in Pottenstein bei der Brauerei Hufeisen der Familie Wiegärtner. Dort wird nunmehr in der vierten Generation nach überlieferten Familienrezepten gebraut. "Uns gibt es seit 1803. Mein Urgroßvater war Braumeister, mein Vater ist Braumeister und ich bin einer", sagt Peter Wiegärtner.

Seit einigen Jahren bietet die Familie aber auch Hobbybrauern an, ihr eigenes Rezept in größeren Mengen bei den Wiegärtners zu brauen und abfüllen zu lassen. Zumindest in größeren Mengen als Zuhause. Trotzdem ist es Wiegärtner wichtig, dass dabei das Reinheitsgebot eingehalten wird, denn kuriose Anfragen, die gab es bereits des Öfteren.

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"Ich hatte Anfragen, Bier mit einem hohen Kaffeezusatz zu brauen oder mit pürierten Mangos. Wenn man außerhalb des Reinheitsgebots braut, dann dürfen wir es nicht mehr Bier nennen. Darauf muss ich die Kunden dann hinweisen", sagt er. Aber das störe ihn nicht, denn individuell auf jeden Kunden einzugehen, das macht er gerne. Mit fast jedem seiner Kunden habe er ein freundschaftliches Verhältnis. So auch zu Chris Ramsay aus Calgary.

Der ursprünglich in Kanada geborene Hobbybrauer lebt seit dem Jahr 2000 in Deutschland. Nach seinem Studium wollte er eigentlich viel reisen. Weil das Geld fehlte, entschied er sich für ein Austauschprogramm und landete in Göttingen. Dort lernte er auch seine heutige Frau Corinna kennen. Zehn Jahre später erhielt er eine Arbeitsstelle bei Adidas in der Marketingabteilung.

Und so kamen die beiden nach Franken. "Ich habe immer gerne gekocht und vor vier Jahren meinte meine Frau, ich bräuchte ein Hobby", erinnert er sich. "Sie kannte bereits jemanden, der eine kleine Brauerei eröffnet hatte und meinte zu mir, dass ich das auch könnte."

Viele Bücher gelesen

Der 42-jährige fand die Idee großartig und fing an zu recherchieren, wie Bier gebraut wird. Monatelang saß er nach der Arbeit zu Hause und las Bücher, erinnert sich seine Frau. Im hauseigenen Keller fing es dann vor drei Jahren an. So ein Brauereihobby könne schnell teuer werden, bestätigt er: "Ich habe einiges selbstgebaut und musste viel basteln. Man kann sicherlich ein paar hundert Euro oder gar tausende Euro in die Ausrüstung investieren."

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Zudem musste er sich, damit er legal Bier herstellen darf, beim Hauptzollamt anmelden. Denn in Deutschland dürfen Haus- und Hobbybrauer in ihrem Haushalt lediglich 200 Liter im Jahr selbst brauen. Alles was darüber hinausgeht, muss versteuert werden. "Das ist aber nicht viel. Vergangenes Jahr habe ich 300 Liter gebraut und musste nur wenige Euro Steuern zahlen." Das Bier darf ausschließlich im eigenen Heim getrunken werden. "Und das wurde es auch", sagt Ehefrau Corinna.

Das Brauen selbst ist für ihn so, als würde er gerade kochen. Er halte sich strikt an das Reinheitsgebot, kopierte am Anfang einige Rezepte und experimentiere dann an ihnen herum – bis er sein eigenes Rezept perfektioniert hatte. Als die 200 Liter des Kanadiers zwischen guten Freunden und einem "guten Durst" nicht mehr ausreichten, entstand die Idee, das Bier in größeren Mengen herstellen zu lassen.

Namen überlegt

Vor allem weil er gerade seinen 40. Geburtstag feierte und alle seine Freunde zusammenlegten, damit er in Pottenstein sein Bier brauen konnte. Da beide, seine Frau Corinna und er, im Marketing tätig sind, machten sich die beiden Gedanken über ein Label. So entstand auch der Name des fränkisch-kanadischen Biers: Prototype Pale Ale.

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"Wir haben nun ein Kleingewerbe angemeldet. Denn ich wollte nicht in zehn Jahren zurückschauen und mich fragen, warum hast du das nicht gemacht." Auf drei Paletten verteilt stehen die vielen Flaschen in Kartons. Wo genau, das wollten die beiden nicht verraten. "Sonst ist das ja noch schneller weg als die vorherigen 200 Liter", witzelt Corinna Ramsay. Um das fränkisch-kanadische Bier kosten zu können, müsse man nach Herzogenaurach auf den Weihnachtsmarkt zum Stand der Rotarier, denn dort wird das Prototype Pale Ale zuerst verkauft.

Natürlich gibt es das Bier auch online (ramsaysbrewing.com) zu bestellen aber Chris Ramsay hofft darauf, direkt vor Ort zu hören, wie den Leuten sein fränkisch-kanadisches Bier so schmeckt.

Martin Burger

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