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Freitag, 03.07.2020

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Publikum mit Mundschutz bei Konzert auf der Burg Rabenstein

Das erste Konzert nach dem Lockdown auf Burg Rabenstein mit dem Barden Andy Lang besticht durch Spielfreude. - 22.06.2020 05:55 Uhr

Verliert kein einziges Wort, als er auf die Bühne kommt und legt sofort los: Multi-Instrumentalist Andy Lang und Geigerin Monika Romanovska beim ersten Konzert auf Burg Rabenstein nach dem Lockdown. © Foto: Julian Seiferth


50 Menschen sitzen im großen Saal der Burg Rabenstein. "Normalerweise", sagt Betreiberin Sabine Deß, "bekommen wir hier 180 rein." Doch die Coronakrise wirft ihren Schatten über den Abend. Der ursprüngliche Veranstaltungsort im Biergarten fiel buchstäblich ins Wasser – gegen 19 Uhr, eine Stunde vor dem geplanten Start, begann es, in Strömen zu regnen. Die Musiker retten ihre Instrumente nach innen, wo das Konzert mit einer halbstündigen Verspätung beginnt. Sabine Deß muss aufgrund der maximalen Zuschauerzahl mehrere abweisen und erklärt: "Auch wir müssen uns an die Regeln halten."

Roland Pinz und Carola Engelhardt sind aus Nürnberg ins Ahorntal gefahren, um Lang zu sehen – er sieht den Barden zum dritten, sie "bestimmt schon zum 30. Mal", sagt Engelhardt. "Ich bin froh, dass er nach dem Lockdown wieder spielen kann." Pinz ist begeistert vom Saal, der in seinen Augen die perfekte Bühne für Langs Musik bietet.

Cornelia Kallenbach, Klaus Fassler und ihr sechsjähriger Enkel Finn-Lucas sind aus Thüringen auf die Burg gekommen, sie sind unter den ersten Hotelgästen nach der Coronakrise. Beide kennen Lang nicht, sind aber gespannt, wie Cornelia Kallenbach sagt. "Keltische Musik gefällt uns sehr gut." Finn-Lucas rutscht nervös auf seinem Platz hin und her.

Gegen 20.30 Uhr beginnen die beiden Musiker. Lang, den Deß als "Barden aus dem Fichtelgebirge" ankündigt, verliert kein Wort, geht sofort zu seiner Harfe und beginnt zu spielen. Nach wenigen Takten steigt Romanovska ein. "Wir sind", sagt Andy Lang, bevor er anfängt zu schreien, "so heiß darauf, wieder Musik zu machen. Danke, dass ihr gekommen seid."

Auch sein letztes Konzert vor der Krise hat Andy Lang auf Burg Rabenstein gespielt.

Er will an diesem Abend sein Publikum entführen, vorzugsweise nach Irland und Schottland – "wo es noch mehr regnet als hier", sagt er, während draußen ironischerweise die Welt im kühlen Nass unterzugehen scheint. Langs Inspirationen sind weit gestreut, auch ein Lied aus Schweden wird er im Laufe des Abends spielen. Andy Lang hat Lust auf diesen Abend und weiß, das auch ins Publikum zu übertragen.

Stimmungsvolle Ambiente

Romanovskas Rolle in Langs Spiel ist ebenso vielfältig. Ihr Geigenspiel gibt gerade der Harfe eine Tiefe, die der Musik guttut. Mal gibt sie die hohe Gegenstimme zu Andy Langs Bass-Stimme, die derweil fast als eigenes Instrument durchgeht – so sehr beherrscht sie den Raum. In anderen Momenten umspielt Romanovska die Akkorde von Langs Gitarre.

In manchen Momenten sind Sänger und Geige so harmonisch, dass die Violine wie eine eigene Gesangsstimme klingt. Der Platzregen vor den offenen Fenstern tut sein übriges, um das von sich aus schon stimmungsvolle Ambiente zu untermalen.

Immer wieder unterbrechen Lang und Romanovska ihr Spiel. Meist berichtet der Sänger in diesen kleinen Pausen aus seinem Leben – vor dem Stück "You are so beautiful to me", das er vor 14 Jahren zur Geburt seiner Tochter schrieb, erzählt er von dem "bezaubernden kleinen Monster"; später tauscht er mit dem Publikum Quarantäne-Erfahrungen aus. Aus einem Konzertsaal mit 50 Zuschauern macht Lang zwischendurch einen intimen Liederabend unter Freunden.

Andy Lang und Monika Romanovska sind die einzigen Menschen, die an diesem Abend keine Masken tragen. Trotz des Abstandes zwischen den Sitzplätzen besteht Sabine Deß vor Beginn darauf: "Wir freuen uns riesig, dass Konzerte wieder möglich sind. Deshalb müssen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass es nicht wieder schlimmer wird." Auch an anderer Stelle wird die Krise mehr als sichtbar: Lang will eigentlich einen Tanz anleiten, darf es aber nicht. Immerhin rhythmisches Klatschen ist möglich. Den Tanz übernimmt dann ein inzwischen von der Harfe zur Gitarre gewechselter Andy Lang.

"Ein Stück Lebensfreude"

Pünktlich um 22 Uhr beendet Lang den Abend – nachdem er mit Leonard Cohens "Hallelujah" den emotionalen Höhepunkt gesetzt hat. Romanovskas Geigenspiel wirkt an keiner Stelle passender als in diesem Refrain. "Ich hoffe, wir haben ihnen ein Stück Lebensfreude geben können", sagt der Sänger. Das Publikum verabschiedet ihn unter tosendem Applaus.

JULIAN SEIFERTH

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