Lesetipp

Püttlacherin macht mit Roman auf Demenz aufmerksam

4.10.2021, 16:05 Uhr
Hermien Stellmacher bei der Lesung eines ihrer früheren Bücher, „Die Katze im Lavendelfeld“. Sie sei ihr erstes literarisches Werk mit großem Respekt angegangen, habe dann eine große Lust verspürt und den Roman unglaublich gerne geschrieben.

Hermien Stellmacher bei der Lesung eines ihrer früheren Bücher, „Die Katze im Lavendelfeld“. Sie sei ihr erstes literarisches Werk mit großem Respekt angegangen, habe dann eine große Lust verspürt und den Roman unglaublich gerne geschrieben. © Foto: privat

Und sie hat jetzt einen Roman über diesen "Honig im Kopf" geschrieben, der helfen soll, sich diesem "angstbesetzten Thema" leichter anzunähern, ohne persönlich betroffen zu sein. "Was bleibt, wenn alles verschwindet" heißt der Roman der in Püttlach lebenden Autorin, der im Suhrkamp-Verlag erschienen ist.

Eigentlich wollte die 62-Jährige vor drei Jahren etwas ganz anderes schreiben, doch dann hatte ihre Agentin eine Idee. "Mach doch eine Geschichte über Alzheimer", hatte sie angeregt und nach anfänglicher Skepsis gefiel Stellmacher die Idee dann doch ganz gut. So gut, dass sie heute, wenige Wochen nach Erscheinen der ersten Auflage, ziemlich zufrieden ist. "Ich denke, es ist ein sehr spannendes Buch geworden, das zudem deutlich macht, dass eine Demenzerkrankung nicht immer ein familieninternes Thema bleiben muss."

Wenn alles verschwindet

Wenn alles verschwindet, wenn die Erinnerungen an gestern, an den Tod der Eltern oder die Funktion der Kaffeemaschine verloren gehen, dann sind es meist die Angehörigen, die sich um den Betroffenen kümmern. In Stellmachers Roman ist es anders: Susanne lebt alleine, der Sohn ist beruflich und familiär stark eingebunden und so ist es die beste Freundin, die feststellt, dass da mehr ist als ein bisschen Schusseligkeit. Auch Susanne selbst bemerkt, dass etwas nicht stimmt und immer mehr verloren geht. So beginnt sie, ihre Dinge zu ordnen und ein wichtiges Geheimnis, das sie ihrer Freundin Ruth nie anvertraut hat, für sie aufzuschreiben. Während Ruth, unterstützt von ihrem Mann und Freunden, alle Hebel in Bewegung setzt, damit es ihrer Freundin auch in Zukunft an nichts fehlen wird, quält noch eine ganz andere Sorge: Es ist höchste Zeit, Ruth ein gut gehütetes Geheimnis zu offenbaren, das ihrer beider Leben seit langem schicksalhaft miteinander verknüpft. Doch dieses Geständnis könnte die Freundschaft für immer zerstören. "Ein berührender Roman über die Kraft der Freundschaft und zwei starke Frauen, die dem Schicksal mutig die Stirn bieten" rezensiert zum Beispiel der Weltbild-Verlag.


Experte: "Demenzkranken kann es gut gehen"


Zwei Jahre dauerte es von der Idee bis zum Erscheinen des Werks. "Aktiv geschrieben habe ich etwa ein Jahr", berichtet die gebürtige Niederländerin, die seit fast 50 Jahren in Oberfranken lebt. Stellmacher: "Man kann nicht einfach loslegen und schreiben ohne Konzept. Zumindest ich nicht." Sie sei eine Planerin, lege sich zunächst eine Art Drehbuch zurecht, ehe sie schreibe. "Das ist mein erster literarischer Roman, da muss die Dramaturgie schon stimmen." Schreiben sei zwar eine große Lust für sie, meist aber auch harte Arbeit. "Ich beiß‘ mich da richtig rein." Manchmal aber nimmt die Autorin es aber laut eigener Aussage zu genau. "Die Gefahr ist, zu kompliziert und zu viel zu schreiben. Ein Buch ist meist wie eine Reportage in der Zeitung. Du musst die Geschichte, spannend verpackt natürlich, möglichst einfach rüberbringen."

"Es ist halt anders"

Ist der Sprung von der einstigen Illustratorin über die erfolgreiche Autorin von Katzenbüchern hin zu anspruchsvoller Romanliteratur groß? "Na ja, es ist halt was anderes", sagt Hermien Stellmacher, "aber irgendwo auch logisch für mich. Illustrationen für langweilige Bücher zu zeichnen war irgendwann nicht mehr mein Ding und eine Katzen-Mama wollte ich auch nicht ewig sein."

Sie sei ihr erstes literarisches Werk mit großem Respekt angegangen, habe dann eine große Lust verspürt und den Roman unglaublich gerne geschrieben.

"Der Autorin ist es gelungen, viele Aspekte der Demenz und der Begleitung eines Menschen mit dieser Krankheit mit all seinen Herausforderungen sehr realistisch darzustellen. Immer wieder zeigt sie Möglichkeiten des Umgangs mit verschiedenen Situationen auf. Dass Menschen mit Demenz auch von Freunden viel Unterstützung erfahren, wird sonst nur selten thematisiert", rezensiert Susanna Daxl von der Deutschen Alzheimergesellschaft.

Auch dieser Aspekt spricht für das Buch der Niederländerin, die in der Fränkischen Schweiz eine neue Heimat und auch die nötige Ruhe für ihre Berufung zum Schreiben gefunden hat.

INFO: Das Buch "Was bleibt, wenn alles verschwindet" von Hermien Stellmacher ist im Suhrkamp-Verlag erschienen, hat die ISBN-Nummer 978-3-458-68152-6, und ist bei vielen Buchhandlungen für 10,95 Euro erhältlich.

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