Donnerstag, 23.05.2019

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Questel bekommt allseits Unterstützung: Es läuft rund

Grüner Bürgermeister vom Ahorntal will ein Bürgerzentrum im Rathaus - 26.03.2019 12:00 Uhr

Bürgermeister Florian Questel vor dem Container-Komplex am Ortsrand von Kirchahorn. Dorthin musste die Gemeindeverwaltung umziehen, nachdem im Rathaus Schadstoffe festgestellt worden waren. © Foto: Stefan Brand


Florian Questel (38) wirkt richtig aufgedreht, ist mitten drin in seinem neuen Element. Der Eindruck trügt nicht: "Dieses Bürgermeisteramt macht mir richtig Spaß." Das hat Gründe. Der wichtigste: "Alle ziehen mit." Trotz der Vorgeschichte, die sich über Monate hinzog und die Gemeinde auch in die überregionalen Schlagzeilen brachte. Nicht unbedingt zu ihrem Vorteil.

"Ich kann mich wirklich nicht beschweren, das ist alles Vergangenheit", so Questel. Sowohl die Mitarbeiter der Verwaltung als auch die Gemeinderäte kämen ihm in jeder Beziehung entgegen – "vielleicht hat das auch mit dem eindeutigen Wahlergebnis zu tun". Questel kam im Rennen mit seinem Kontrahenten Stephan Wickles bekanntlich auf knapp 72 Prozent der Stimmen.

"Es läuft wirklich alles rund im Moment." Er suche politische Wege in allen Lagen und habe diese auch gefunden. Gerade auch bei Kontakten zur CSU, zu den Mandatsträgern in Bund und Land. Auch sonst habe er sich bei vielen Institutionen mit beachtlichem Widerhall vorgestellt, vom Landrat bis zu diversen Behörden. "Ich kann mich wirklich nicht beschweren", sagt Questel. Denn damit wachse auch sein Netzwerk rasch. Auch in der lokalen Vereinswelt. "Ich versuche, mich da überall einmal sehen zu lassen, wenn es die Terminlage zulässt."

Bei den Vorhaben für das laufende Jahr könne man "nicht alles auf einmal machen, dazu ist zu vieles liegengeblieben". Wie zum Beispiel der Bau eines Radwegs zwischen Kirchahorn und Volsbach, "das steht erst mal hintenan, da muss ich mich um Fördermittel kümmern". Außerdem fehle es an Personal im Rathaus. Wann der neue Geschäftsleitende Beamte seinen Dienst antreten kann, steht noch nicht fest. Wer es ist, will Questel noch nicht verraten. Auch sonst sind Neueinstellungen geplant. Dennoch müssten einige Projekte dringend vorangebracht werden.

Stichwort Körzendorf: Gleich zwei Vorhaben betreffen diesen Ortsteil. Da ist zum einen die unendliche Geschichte mit dem neuen Dorfgemeinschaftshaus. Das ist lange geplant, doch dazu muss erst einmal das ehemalige, mit Schadstoffen belastete Schulgebäude abgerissen werden. "Das wird kommen", so Questel. Und möglichst parallel dazu wird auch die Neugestaltung des Dorfplatzes in Angriff genommen, dafür läuft im Moment die Ausschreibung. "Wir versuchen, Teile des Abbruchmaterials dort unterzubringen, das spart Geld." In beiden Fällen gebe es Angebote, die trotz ständig steigender Preise auf dem Baumarkt hoffen ließen – auf Endsummen, die unter der ursprünglichen Kalkulation liegen.

Weniger hoffnungsvoll ist Questel mit Blick auf den Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses. Dazu braucht es Fördermittel der EU. Die müssen neu beantragt werden. Eben, weil so einiges liegen blieb in der Vergangenheit. Für 2019 sieht der Bürgermeister da eher schwarz, aber bis 2021 "müssen wir fertig sein, weil es sonst gar keine Zuschüsse gibt".

Stichwort neues Rathaus: Das alte Rathaus ist mit Schadstoffen belastet und damit nicht mehr benutzbar. Dies zwang die Verwaltung in einen Container-Komplex am Ortsrand. Längst steht der Plan für ein neues Rathaus. Auch nach einem Bürgerbegehren, einem Ratsbegehren. Doch auch da tat sich zwangsläufig in den vergangenen Monaten nichts mehr.

Florian Questel geht nun mit einem ganz anderen Ansatz an das Thema heran: "Der Begriff neues Rathaus ist negativ belastet, ich könnte mir da eher ein Bürgerzentrum vorstellen. Mit Gemeindeverwaltung." Er meint damit nicht nur eine Begriffsänderung. Sondern ein neues Konzept. Schließlich solle das Gebäude laut Plan unterkellert sein. "Das ist Totraum, da tut sich ja nichts", so Questel. Hier könnte Platz für Vereine, für Tanzgruppen, für "alles Mögliche" geschaffen werden.

Mit dem Architekten habe er schon gesprochen, auch mit einem Energieberater. Wie es genau weitergeht, kann er noch nicht sagen. "Da muss wieder eine Projektgruppe aus dem Gemeinderat ran", sagt er. Die gibt es, sie müsse auch jetzt wieder den Anfang machen, "dann sehen wir weiter". An einen Neubau 2019 glaubt der Bürgermeister jedenfalls nicht, das benötigt Zeit. Sein Traum wäre ein neues Ahorntaler Zentrum, in das auch Schule, Kindergarten und Feuerwehr eingebunden sind.

Die Klage: Dass sich mehr als ein halbes Dutzend Bürgermeister im Landkreis mit dem Gedanken tragen, gegen den Kreisumlagebescheid zu klagen, kann Florian Questel nachvollziehen. Auch er wird "wahrscheinlich" seinem Gemeinderat vorschlagen, diesen Schritt zu gehen.  

STEFAN BRAND

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