Donnerstag, 24.10.2019

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Radler vergeben schlechte Noten an Pegnitz

Das Fahrradklima hat sich nicht nur bundes- und bayernweit, sondern auch in der Stadt deutlich verschlechtert - 13.04.2019 08:12 Uhr

Der ADFC Pegnitz wünscht sich, dass die Raumersgasse (Bild), die eine Einbahnstraße ist, mit dem Fahrrad auch in entgegengesetzter Richtung befahren werden kann.


Nach 2014 und 2016 führte der ADFC im vergangenen Jahr erneut eine bundesweite Umfrage von September bis Ende November unter Radfahrern durch. Für den sogenannten Fahrradklima-Index nahmen auch 121 Bürger in Pegnitz an der Umfrage teil. 2014 waren es 80 und 2016 insgesamt 108 Teilnehmer.

Davon nicht überrascht

Stadträtin Sandra Huber ist davon nicht überrascht. "Obwohl gerade in einer Kleinstadt wie Pegnitz die häufig sehr kurzen Wege optimal mit dem Fahrrad bewältigt werden könnten, wird dieses Verkehrsmittel von der Kommunalpolitik bei weitem noch nicht ausreichend gefördert. Dabei wäre es ein wichtiger Baustein einer dringend notwendigen Verkehrswende."

Zum Vergleich erhielt die Stadt 2014 eine Gesamtnote von 3,5 und im Jahr 2016 eine Gesamtnote von 3,3. "Schon beim vergangenen Fahrradklima-Test 2016 wurden zu wenige Abstellmöglichkeiten für Fahrräder bemängelt", sagt Roland Berner, Vorsitzender des ADFC-Ortsclubs in Pegnitz, "zudem müsste die Wegbeschaffenheit verbessert werden."

Ans Ziel über Schleichwege

Zu der Beschaffenheit schrieb zum Beispiel ein Interviewpartner der Umfrage, dass das Fahren mit Kinderanhänger sehr unangenehm sei. Man käme nur über Um- und Schleichwege ans Ziel. Während der Hauptverkehrszeiten müsste der Pegnitzer auf den Gehweg ausweichen, da Radwege oder eine Straße mit Fahrradspur praktisch nicht vorhanden seien.

Die schlechtesten Noten haben die Pegnitzer auf die Fragen "Geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung" und "Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr" vergeben – mit einer Benotung von jeweils 4,5, schnitt die Stadt hier am schlechtesten ab.

Auf die Frage, wo der ADFC Potenzial sieht, sagt Berner: "Pegnitz muss weiter an der Anbindung an die Kernstadt arbeiten — Stichwort: Untere Raumersgasse. Das größte Potenzial ist unsere Landschaft, die viele Menschen anzieht." Das Interesse am Radfahren werde immer größer, ergänzt er. Mittlerweile würde man auch vermehrt Lastenräder sehen; auch die Anzahl der Radfahrer allgemein würde sich zum Positiven entwickeln.

Damit sich solche Trends auch weiterentwickeln initiierte der ADFC die bundesweite Aktion "#MehrPlatzfürsFahrrad". Pegnitz sei schon immer eine Autostadt gewesen, meint Berner. Es sei schon immer darauf Wert gelegt worden, dass der Autoverkehr flüssig läuft. Dabei würden inzwischen viele Städte umdenken, so Berner: "Vor allem im Ausland hat man schon lange umgedacht. Das Fahrrad steht dort als Verkehrsmittel im Vordergrund. Davon sind wir, nicht nur hier in Pegnitz, weit entfernt."

Doch man dürfe das Fahrradklima in der Stadt Pegnitz nicht verteufeln. Die Zufriedenheit der Befragten beim Radfahren, hat sich bei über 170 000 Teilnehmern der ADFC-Umfrage bundesweit verschlechtert. 2014 wurde das Fahrradklima noch mit der Note 3,7 bewertet, 2016 mit 3,8, 2018 mit 3,9.

Dazu sagt Bernadette Felsch, Landesvorsitzende des ADFC Bayern: "Die Radfahrer geben ihren Städten und Gemeinden auch in Bayern im Gesamtergebnis kaum gute Noten. Im Regelfall reicht es nur für eine befriedigende oder gar ausreichende Bewertung – vor allem in punkto Sicherheit."

Das sei alarmierend, denn angesichts von "Umwelt-, Gesundheits- und Verkehrsproblemen sollten dringend mehr Menschen öfters aufs Rad steigen". "Bei unattraktiven Rahmenbedingungen und der Angst vor Unfällen wird dies jedoch nicht passieren." Und sie fügt hinzu: "Radverkehrsförderung lohnt sich, Nichtstun rächt sich."

Gefühl der Unsicherheit

Das Unsicherheitsgefühl der Radfahrer und die Unzufriedenheit mit der Radinfrastruktur sind nach Überzeugung des ADFC der zentrale Grund, warum der Radverkehr nicht — wie politisch gewünscht — deutlich anwächst. Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr liege im Freistaat Bayern aktuell bei elf Prozent.

MARTIN BURGER

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