Donnerstag, 27.02.2020

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Rathaus-Wechsel in Auerbacher Partnerstadt steht an

Serge Bouly ist seit 1993 Bürgermeister von Laneuveville. Bald hört er auf, will aber weiterhin nach Auerbach kommen. - 13.02.2020 10:55 Uhr

30 Jahre in der Kommunalpolitik sind für Serge Bouly genug. Bei der Kommunalwahl im März kandidiert er nicht mehr. Auerbachs Partnerstadt Laneuveville bekommt damit einen neuen Bürgermeister. © Foto: Brigitte Grüner


Insgesamt 30 Jahre engagierte sich Bouly in der Kommunalpolitik. Unter seinem Vorgänger Pierre Mouchette war er von 1989 bis 1993 einer der Beigeordneten. Nach Mouchettes überraschendem Tod wurde der heute 69-Jährige im Juni 1993 von den Stadträten zum neuen Bürgermeister gewählt. Dass diese Zeit nun zu Ende geht, stimmt ihn nicht traurig. Er habe sich bewusst entschieden, nicht mehr zu kandidieren. "Ich war 30 Jahre in verschiedenen Funktionen im Amt, und nun ist es an der Zeit, für jüngere Kommunalpolitiker Platz zu machen. Er hätte schon noch eine Reihe von Ideen für seine Heimatstadt, sagt Bouly im NN-Interview. "Aber ich werde Ende Juli 70 und muss nun mehr an meine Familie und an mich selbst denken."

Das Wahlsystem in Frankreich unterscheidet sich von der anstehenden Kommunalwahl in Bayern. Im Nachbarland entscheiden sich die Bürger für eine Liste mit Bewerbern. Der designierte Rathauschef ist der Spitzenkandidat dieser Liste. In einer konstituierenden Sitzung wählen die Stadträte aus ihrer Mitte den Bürgermeister und die Beigeordneten. Die Liste mit den meisten Stimmen stellt die meisten Stadträte, und die Wahl ihres Spitzenkandidaten zum Bürgermeister ist dann keine Überraschung mehr. Bei den vergangenen Wahlen war Serge Bouly auf Platz eins einer freien Wählergruppe, die – wie er sagt – keiner politischen Partei entspricht. Persönlich favorisiere er die eher konservativen Republikaner. Als seine wichtigsten politischen Themen nennt er die Grundschule, Stadtplanung und Umwelt, das Zusammenleben, Sport, Sicherheit und öffentliche Verkehrsmittel.

Serge Bouly ist ein überzeugter Europäer. Davon konnten sich die Auerbacher bei vielen seiner Reden überzeugen. "Ich liebe Europa und ich versuche es bei den jährlichen Urlauben immer mehr zu entdecken." Er finde es sehr wichtig, die Bräuche und Traditionen, die Kultur und die Geschichte der europäischen Regionen zu kennen.

Ebenso viel Herzblut wie Europa brachte Serge Bouly stets der Städtepartnerschaft entgegen. Die Partnerschaft sei eine wunderbare Sache, die er 1989 erstmals miterlebt habe. "Sie bietet bereichernde Treffen und die Möglichkeit, sich und die Sprache der Freunde immer besser kennenzulernen. Es entstehen dauerhafte Freundschaften, man lernt die Umgebung der beiden Städte kennen und trifft sich einmal jährlich bei einem festlichen Abend." Die Städtepartnerschaft habe darüber hinaus noch einen tieferen Sinn: Sie ermögliche es, am Erhalt des dauerhaften Friedens und der Stabilität in Europa zu arbeiten.

Der scheidende Bürgermeister von Laneuveville war häufig in Auerbach und erinnert sich bestens an seine Aufenthalte. Er habe sich gefreut, viele Auerbacher Bürger kennenzulernen; besonders die Bürgermeister Hanni Haberberger, Helmut Ott und Joachim Neuß und ihre Gattinnen sowie die Stadträte haben einen bleibenden Platz in Boulys Herzen. Er habe fast immer bei privaten Gastgebern gewohnt, um das Leben und die Gewohnheiten der Menschen in der Oberpfalz besser kennenzulernen. Er habe viele Erinnerungen, einige davon waren besonders wichtig: Bouly spricht seinen ersten Besuch in der Oberpfalz 1989 anlässlich der 675-Jahrfeier der Stadt an. Herausragend seien auch die Einweihung des Place de Laneuveville und die Maffeispiele mit internationalen Gästen gewesen. Besonders freue ihn die Freundschaft mit Familie Lutye und das Glück, bei jedem Besuch in Auerbach viele bekannte Gesichter zu treffen.

Für Serge Bouly steht es bereits fest, dass er auch künftig noch an Fahrten nach Auerbach teilnehmen wird. "Es ist keineswegs so, dass ich meine Besuche beende, weil ich nicht mehr Bürgermeister bin." Wenn er eingeladen wird und es die Gesundheit erlaubt, werde er Auerbach besuchen. "Ich fühle mich dort immer wohl, und ich liebe meine Freunde, die Stadträte und die Bürger von Auerbach."

Aktuell sind in der Partnerstadt Laneuveville zwei Listen aufgestellt worden. Eine dieser beiden wird demnach am 15. März die Mehrheit bekommen. Sollte noch eine dritte Liste hinzukommen, könnte es am 22. März zu einer Stichwahl kommen. Der amtierende Rathauschef hat bereits einen Favoriten für den Bürgermeistersessel. Sein jetziger Beigeordneter für die Finanzen Yann Fremy führt eine Liste an. "Ich würde mich freuen, wenn er mein Nachfolger wird", sagt Serge Bouly und betont, dass sich auf dieser Liste Personen mit mehr Erfahrung in der Kommunalpolitik bewerben. Die zweite Liste führt der amtierende Stadtrat Eric da Cunha an.

"Viel Glück, ich liebe euch alle!"

Serge Bouly wird bis 20. März das Stadtoberhaupt in Laneuveville bleiben. Bis zum 21. April ist er noch als Vizepräsident der Metropolregion Grand-Nancy im Amt. Danach möchte er sich seinen vielen Hobbys widmen. Bouly malt – einen Einblick präsentierte er bei einer Ausstellung zu den Maffeispielen 2008 im alten Bergwerk – und schreibt. Er freut sich auf die Gartenarbeit und liebt es, Fossilien und Mineralien zu suchen. Auch die Familie und die Enkelkinder werden nicht zu kurz kommen. Kurz und gut: "Ich werde das machen, was mir gefällt, und das, was man als Bürgermeister im Amt aus zeitlichen Gründen nicht tun kann."

Seine Verbundenheit mit Auerbach bringt Bouly im NN-Interview deutlich zum Ausdruck. Er bedankt sich herzlich bei allen deutschen Freunden für die gemeinsamen Erlebnisse. Er wünscht der Stadt Gottes Segen und hofft, dass die Freundschaft der beiden Städte und der Friede zwischen den beiden Völkern auch in Zukunft Bestand haben werden. "Viel Glück, ich liebe euch alle!"

BRIGITTE GRÜNER

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