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Dienstag, 07.07.2020

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Rathaussanierung in Plech ist angelaufen

Das markante Gebäude in Plech wird energetisch saniert. Für den Keller gibt es inzwischen eine andere Lösung. - 01.07.2020 05:55 Uhr

Kleine Besprechung an der Rathaus-Baustelle in Plech: Architektin Cordula Breitenfellner, Bürgermeister Karlheinz Escher und Malermeister Patrick Thaler (von links), der auch für die energetische Sanierung zuständig ist. © Foto: Klaus Trenz


Architektin Cordula Breitenfellner ist fast jeden Tag an der zurzeit wohl teuersten Baustelle in Plech: Die Arbeiten am Rathaus – hauptsächlich geht es dort um die energetische Sanierung – sind in vollem Gange. Die Architektin will auf Überraschungen gleich reagieren können, die bei einer Altbausanierung vorkommen können. Wie beispielsweise der Abbruch des Doppelkamins durch die Bauhofmitarbeiter oder der Anbau eines Fluchtwegs für die zu sanierende Wohnung unter dem Dachgeschoss.

Bürgermeister Karlheinz Escher (ÜWG) ist über das Engagement der lebenslustigen Architektin, die laut Malermeister Patrick Thaler von der gleichnamigen Firma auf der Baustelle stets gute Laune verbreitet, sehr erfreut. "Lieber machen wir gleich alles auf einmal und müssen nicht hinterher, wenn die Arbeiten fertig sind, eine neue Baustelle aufmachen."

Die Kosten werden zurzeit auf rund 400 000 Euro geschätzt. "Aber das werden wir vermutlich nicht halten können, es kommt halt eines zum anderen", so Escher. Immerhin steht die Förderung mit knapp 200 000 Euro aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (Kip II). Bis Ende August/Anfang September soll die Sanierung des Rathauses, das 1913/1914 gebaut und als Schulhaus genutzt wurde, weitgehend abgeschlossen sein. Ab September soll in die Wohnung vorübergehend die Kinderkrippe einziehen soll. Denn dann steht der Kindergartenan- und -umbau an.

Bereits vor einigen Wochen wurde die Garage als ehemaliges Verbindungselement zwischen Rathaus und Nachbaranwesen abgebrochen. Dies war notwendig, so Breitenfellner, weil ein barrierefreier Zugang zum Sitzungssaal geschaffen werden muss – eine der Voraussetzungen für die Förderung. Das Rathaus sei zudem "ein markantes Gebäude im Zentrum der Marktgemeinde welches als frei stehendes Gebäude wieder besser zur Geltung kommt".

Ideal für eine gelungene Gestaltung wäre es, wenn das nebenstehende Anwesen Hauptstraße 17 saniert werden könnte, sind sich Architektin und Bürgermeister einig. Aber es befindet sich in Privatbesitz. Dem Haus ist von außen kaum anzusehen, dass es unter Denkmalschutz steht. Denn unter der Verkleidung mit Platten soll sich ein Fachwerk befinden. Escher erklärt, die Gemeinde würde kaum zögern, es zu erwerben, wenn dies möglich wäre.

Zurück zum Rathaus: Die energetische Sanierung erfolgt laut Breitenfellner aus ästhetischer und baulicher Sicht mit einem Hochleistungsdämmschutz, um die Charakteristika der Fassade erhalten zu können. Mit dem so genannten Aerogel sei es möglich, auch mit extrem dünnen Lagen die erforderlichen Dämmwerte zu erreichen. Anstatt starrer Platten lasse sich das Gel wie eine zweite Haut auf die Fassade auftragen und somit könnten räumliche und optische Beeinträchtigungen auf ein Minimum reduziert werden. Auch schall- und brandschutztechnisch übertreffe das Aerogel herkömmliche Dämmstofflösungen. Neben der Fassade wird aus energetischen und brandschutztechnischen Gründen auch die Decke der ehemaligen Wohnung im Obergeschoss sowie im Treppenhauskopf saniert.

Die ursprüngliche Idee, den Keller, aus dem Feuchtigkeit ins Mauerwerk aufgestiegen ist, aufzufüllen, hat man verworfen. Man sei davor gewarnt worden, so Escher. Bei einem Altbau könne bei einer Auffüllung ein gegenteiliger Effekt eintreten und noch mehr Feuchtigkeit nach oben steigen. Für den historischen preußischen Keller mit seinem Kappengewölbe hat man eine andere Lösung gefunden: Nach Abbruch des Heizöltanks wird künftig das modrige Raumklima mittels autarker Solar-Luft-Kollektoren verbessert. Aus Solarzellen gewonnener Strom treibt dabei einen Ventilator an, der gefilterte Außenluft durch einen Luftkollektor saugt. Diese erwärmt sich dabei. So wird Wärme, die über ein Rohrsystem verteilt wird, in das Gebäude gebracht und zugleich die im Keller eindringende Feuchtigkeit entzogen.

Breitenfellner ist zuversichtlich, dass die Bauzeiten eingehalten werden können und verteilt Komplimente: "Wir haben leistungsfähige Handwerker", sagt sie und schließt dabei ausdrücklich die Bauhofarbeiter ein.

KLAUS TRENZ

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