Montag, 08.03.2021

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Rettung aus luftigen Höhen

Mit dem rot-weißen Hubschrauber übte die Bergwacht Pottenstein für den Ernstfall - 20.09.2020 18:55 Uhr

Übung für den Ernstfall: Auf eine schmale Felsspitze wird ein Bergretter abgeseilt, der einen „Verletzten“ im Luftrettungssack abholt. Vorher hat ihn schon ein Notarzt versorgt.

20.09.2020 © Foto: Klaus Trenz


Ein- bis zweimal jährlich sei eine Luftrettung aber nötig, berichteten Bereitschaftsleiter Thomas Eckert und einer seiner Stellvertreter, Steffen Puchtler. Wenn das Gelände noch unwegsamer ist als sonst und "bodengebunden" ein Verletzter nicht geborgen werden kann, geht es nicht anders. Und dann muss jeder Handgriff sitzen. Zusammen mit der am Nürnberger Flughafen stationierten DRF Luftrettung und den Maltesern aus Waischenfeld übte die Bergwacht des Frankenjuras vergangenen Samstag fast den ganzen Tag lang die spektakulären Flüge mit dem rot-weißen Rettungshubschrauber der DRF.

Im Luftrettungssack

Rund vier Stunden – so lange wie zwei Tankfüllungen reichten – flog der Eurocopter zwischen den Hängen des Püttlachtals hin und her, nahm Bergretter und Notärzte per Seilwinde auf, setzte sie ab, holte "Verletzte" mittels Luftrettungssack für Schwerverletzte oder der sogenannten Rettungswindel für leichter Verletzte ab. Einzeln im "Singlewinsch" oder zu zweit im "Doppelwinsch", wie es in der Fachsprache heißt.

Drei Stationen hatte die Bergwacht Pottenstein in den steilen Hängen des Tals als ausrichtende Ortsgruppe eingerichtet, die der Hubschrauber abwechselnd ansteuerte. Dabei konnte es dem einen oder anderen Beobachter schwindlig werden, obwohl er mit beiden Beinen auf dem Boden stand. Punktgenau setzte der Pilot die am Seil schwebenden Notärzte und Retter auf schmalen Felsspitzen, wo es teilweise gut und gerne 20 Metern senkrecht in die Tiefe ging, ab. Das wirkte alles bis ins letzte Detail abgestimmt, eingeübt und routiniert.

Wenn der Rettungshubschrauber mal stand, was er am Samstag selten tat, konnten Zuschauer einen Blick in den Eurocopter werfen.

20.09.2020 © Foto: Klaus Trenz


Zweimal im Jahr, so erzählten Eckert und Puchtler, müssen diejenigen Bergwachtler, die eine Flugberechtigung haben, diese Einsätze in Echtflugübungen trainieren. "Flugberechtigung" heißt dann aber in diesem Fall der Flug am Seil und teils auf der Kufe des Helikopters. Diese Eignung zur Flugberechtigung muss immer wieder nachgewiesen werden, erklärt Puchtler.

Einmal im Jahr übt man diese Szenarien deshalb zusätzlich im hochmodernen Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) in Bad Tölz, wo eine Hubschrauberzelle in einer 1500 Quadratmeter großen Halle an den Stahlseilen eines Krans hängt. "Es ist wichtig", sagt Eckert, "dass man das Ausbildungsniveau auf hohem Stand hält." Und jede Kleinigkeit bespricht; immerhin müssen Verunglückte und die Retter selbst sicher transportiert werden. Da darf nichts schief gehen. Das bewiesen am Samstag bei der Übung auch die ausführlichen Nachbesprechungen der Luftretter.

Rund drei Jahre dauert die Ausbildung bei der Bergwacht mit knapp 100 Unterrichtstagen, erklärt Puchtler. Man absolviert insgesamt fünf Prüfungen und zwei Eignungstests: Das ist Ehrenamt pur. Es gebe fünf Säulen der Ausbildung, die mit dem Thema Naturschutz beginnt. Es folgen die Abschnitte Sommerrettung, Luftrettung, Winterrettung und Notfallmedizin. Drei weitere Ausbildungsmodule braucht man dann für die Eignung zum Einsatzleiter. "Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll", sagt Eckert. Dazu gehören unter anderem auch Klettern und Skifahren. Alles mit dem Ziel in Pottenstein und der Region – unter Umständen auch bayernweit – professionell in unwegsamen Gelände zu helfen. Am Samstag war das eine beeindruckende Demonstration der Kompetenz in Sachen Bergrettung.

Ohne Spenden geht‘s nicht

Die Bergwacht ist eine rein ehrenamtliche Organisation. Sie finanziert sich laut Puchtler zu rund einem Drittel durch die Krankenkassen mit gedeckelten Sätzen für jeden Einsatz, zu je einem weiteren Drittel durch Zuwendungen des Freistaats Bayern und durch Spenden. "Auf Letztere sind wir leider sehr angewiesen", betont Eckert.

InfoDas Einsatzgebiet der Bergwacht Pottenstein ist rund 700 Quadratmeter groß und reicht unter anderem bis ins Hummeltal sowie nach Pegnitz. Ab zwölf Jahren kann man der Bergwacht beitreten. Förderer und Interessierte bekommen weitere Auskünfte unter der Telefonnummer (0 92 43) 70 05 62 und unter bergwacht-bayern.de/pottenstein.html im Internet.

KLAUS TRENZ

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