Richard Wagner machte Eindruck

9.6.2009, 00:00 Uhr
Mit einiger Fantasie lässt sich am Richard-Wagner-Felsen bei Obertrubach der Kopf des Komponisten wiedererkennen. Foto und Montage: Löwisch

Mit einiger Fantasie lässt sich am Richard-Wagner-Felsen bei Obertrubach der Kopf des Komponisten wiedererkennen. Foto und Montage: Löwisch

Einer davon, Richard Wagner, unternahm seinen «Antrittsbesuch» in die Fränkische Schweiz Anfang Juni 1879, also vor genau 130 Jahren. Wie in der Wagnerbiografie von Carl Friedrich Glasenapp (4. Auflage, Leipzig 1905) nachzulesen ist, machte sich Richard Wagner mit Frau Cosima und den drei Kindern «unter prompter Benützung günstiger Witterungsaussichten für den kommenden Tag» per Kutsche auf den Weg.

Über Creußen, Pegnitz und Pottenstein kam er nach Gößweinstein. Nach dem Essen lief die Familie einige Meter durch «den schönen Wald» und fuhr weiter mit der Kutsche nach Muggendorf, wo man Quartier bezog. «Trotz ungenügender Betten und Kopfkissen verbrachte der Meister hier eine sehr gute Nacht», hielt Glasenapp fest. Am nächsten Tag führte die siebenstündige Rückfahrt nach Streitberg und über den mittelalterlichen Geleitweg nach Hollfeld und Bayreuth.

Unterwegs hatte Wagner ein Erlebnis. Er traf einen «armen Krüppel, zum Unglück auch noch einäugig», der mit seinem Handwerkszeug auf dem Rücken nach Streitberg lief. Wagner beschenkte den Armen «mit einem reichlichen Almosen und dem Segenswunsche, dass jener jemanden findet, der ihm weiter hilft». Erfreut registrierte Wagner am nächsten Tag, dass sein Wunsch scheinbar in Erfüllung ging. Er sah den Krüppel auf dem Wagen eines Bauern, «der ihn weiter beförderte», schrieb Glasenapp.

August Sieghardt, profunder Kenner der Fränkischen Schweiz und Autor zahlreicher Heimatkundebücher, versuchte vor 60 Jahren, noch mehr Details der kurzen Wagner-Reise herauszufinden. Er brachte in Erfahrung, dass die Wagners in Tüchersfeld Rast hielten, «um die hier in unvergleichlicher Kühnheit aufstrebenden Felsenpartien» zu bewundern.

Behringersmühle habe man «links liegen gelassen» schreibt er weiter, weil die Familie nach dem Mittagessen durch den Eibenwald zur Stempfermühle und weiter zur Sachsenmühle laufen wollte, wo die Privat-Kutsche nach Muggendorf wartete. Dort nahm die Familie Quartier im Gasthof «Kohlmannsgarten», vermutet Sieghardt, woran die Richard-Wagner-Linde vor dem Haus erinnern soll.

Kein Vorbild für die Gralsburg

Einer hartnäckigen Sage folgend, hat Richard Wagner die Gößweinsteiner Burg als Vorbild für seine Gralsburg im Parsifal genommen. Aus drei Gründen kann die Vermutung laut Sieghardt nicht stimmen. Im Gespräch mit dem Sohn Richard Wagners, Siegfried, erfuhr er, «dass man im Haus Wahnfried wisse, dass solch eine Überlieferung besteht», aber «von seinem Vater darüber nichts mitgeteilt wurde».

Dagegen spricht auch die Tatsache, dass der Parsifal schon fertig war, ehe die Wagners die Reise unternahmen. Und drittens: Eine Anfrage Sieghardts an den Leiter der «Richard-Wagner-Forschungsstätte», Dr. Strobel, ergab seinerzeit, «dass sich die Meinung über die angebliche «Gralsburg Gößweinstein" nur auf die Lage der Burg und nicht etwa auf ihr damaliges Äußeres beziehen könne».

In Erinnerung an die Besuche Richard Wagners gibt es in der Region noch heute einige Örtlichkeiten, die nach ihm benannt sind. So zum Beispiel die Richard-Wagner-Straße in Pegnitz und die Richard-Wagner-Felsen in Waischenfeld und bei Obertrubach: Ersterer war ein Aussichtspunkt im Waischenfelder Buchberg, bis hoch wachsende Bäume die Sicht versperrten. Am Obertrubacher Felsen (gegenüber der Reichelsmühle), der mit einiger Fantasie den Kopf des Meisters zeigt, wird heute fleißig geklettert. Nicht zu vergessen die vom Heimatverein gepflegte «Wagnershöhe» in Gößweinstein. Sie bietet einen schönen Blick auf die Basilika und den Ort.

Außerdem: August Sieghardt «Die fränkische Schweiz», Glock und Lutz Nürnberg, 3. Auflage 1971. In der Bücherei des FSV ausleihbar.