Jubiläum

Riegelsteiner St. Georgskirche feiert 600-jähriges Bestehen

25.7.2021, 18:28 Uhr
Aus Platzgründen nach draußen verlegt wurde der Festgottesdienst zum 600-jährigen Bestehen der St. Georgskirche. Rund 150 Gläubige, zum Teil aus angrenzenden Orten und anderen Dekanatsbereichen, hatten sich eingefunden.

Aus Platzgründen nach draußen verlegt wurde der Festgottesdienst zum 600-jährigen Bestehen der St. Georgskirche. Rund 150 Gläubige, zum Teil aus angrenzenden Orten und anderen Dekanatsbereichen, hatten sich eingefunden. © Foto: Udo Schuster

Der Gottesdienst selbst konnte aus Platzgründen jedoch nicht in der St. Georgskirche stattfinden. Rund 150 Gläubige kamen, um das Fest mitzufeiern, darunter auch evangelische Christen aus anderen Dekanatsbereichen und von den angrenzenden Orten aus dem mittelfränkischen Landkreis.

Durch die kleine Kirche in Riegelstein ist eine enge Verbundenheit mit den umliegenden Ortsteilen entstanden. Deshalb gestalteten auch einige engagierte evangelische Christen aus dem Kirchenbauverein und Mitglieder aus dem Kirchenvorstand aus diesen Dörfern zusammen mit Pfarrer Weißmann den besonderen Festgottesdienst zum Jubiläum.

Den Dankteil, aber auch die Fürbitten übernahmen Annette Böse (Kirchenvorstandsmitglied aus Spies), Andrea Lauger (Kirchenvorstandsmitglied aus Spies und Kirchenbauverein), Angelika Kleiber (1. Vorsitzende des Kirchenbauvereins), Horst Schmidt (2. Vorsitzender des Kirchenbauvereins) und Astrid Steger (Elternbeirat Kita Riegelstein). Der Dank galt auch für den Segen bei Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern und anderen Anlässen, welcher über die Jahrhunderte von der Kirche ausgegangen ist und noch geht.

Landesbischof Bedford-Strohm zitierte zum Beginn seiner Predigt aus der Bibel: "Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."

Kraftvolle Erinnerungsworte

Einen passenderen Bibeltext als diese Passage aus der Bergpredigt Jesus kann man für ein 600-jähriges Kirchenjubiläum wohl kaum finden. Denn diese Worte sind wichtige Erinnerungsworte. Und weil auch die Kirche schon seit fast 2000 Jahren unterwegs sei, brauche sie immer wieder solche biblischen Erinnerungsworte, erklärte der Bischof.

"Denn wer lange unterwegs ist, der kann leicht vergessen, woher er kommt und wohin er eigentlich gehen soll. Für mich sind die Worte aus der Bergpredigt die kraftvollsten Erinnerungsworte", betonte Bedford-Strohm. "Die gute tägliche Arbeit vieler engagierter Menschen in der Kirche droht angesichts der Schlagzeilen in den Hintergrund zu rücken. Es wird von Kirchenaustritten gesprochen, von drastisch zurückgehenden Finanzen, von Missbrauchsskandalen, welche die Glaubwürdigkeit der Kirche für viele im Kern erschüttert."

Da sei es nachvollziehbar, wenn dabei so manchem der Mut sinkt und gerade bei besonders in der Kirche engagierten Menschen zuweilen ein Gefühl der Vergeblichkeit aufkomme, weil all die guten Ideen und Aktivitäten keine Früchte zu zeigen scheinen, so der Münchner Kirchenhirte weiter.

Nicht ganz unkritisch stellte der Geistliche die Frage, wer wir eigentlich sind. "Es ist heilsam, dass wir auch in all den innerkirchlichen Debatten um Haushaltspläne, Gebäudemanagement, Landesstellenplan und mögliche Gemeinde- oder Dekanatsfusionen immer wieder die Frage gestellt bekommen und uns auch selbst stellen, wer wir eigentlich sind", betonte Bedford-Strohm. "Nur wenn wir wissen, wer wir sind und wo wir hinwollen, können wir auch die richtigen Wege dafür finden."

Der Landesbischof hat aber keine Angst um die Zukunft der Kirche, wie er sagte. Heute ist der Kirchenbesuch freiwillig und es besteht keinerlei gesellschaftlicher Zwang, wie dies im Vergleich zu den 50er Jahren noch war. Damals musste man bereits im Kindesalter regelmäßig den Gottesdienst besuchen.

Hoher Besuch im kleinen Riegelstein: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (vorne links) mit seiner Frau, dahinter links der Plecher Bürgermeister Karlheinz Escher mit Frau und rechts der Betzensteiner Bürgermeister Claus Meyer. Der Landesbischof erhielt einen Korb mit regionalen Lebensmitteln und Büchern.

Hoher Besuch im kleinen Riegelstein: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (vorne links) mit seiner Frau, dahinter links der Plecher Bürgermeister Karlheinz Escher mit Frau und rechts der Betzensteiner Bürgermeister Claus Meyer. Der Landesbischof erhielt einen Korb mit regionalen Lebensmitteln und Büchern. © Foto: Udo Schuster

Auch auf die Opfer der derzeitigen Flutkatastrophen ging das Kirchenoberhaupt ein: Die Diakonie-Katastrophenhilfe habe in der vergangenen Woche durch die große Spendenbereitschaft schon vier Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Viele andere Organisationen hätten ähnliches getan. Neben den medizinischen, technischen und finanziellen Hilfen bedürfe es aber auch Hilfe für die Seele. Hilfe, um mit den traumatischen Bildern und Eindrücken zurechtzukommen, die sich in die Seele eingegraben haben. Hilfe, um mit dem Verlust eines lieben Menschen fertig zu werden oder mit der Ohnmacht, noch immer im Unklaren zu sein, was mit einem passiert ist.

Menschen, die mitweinen

"Die Seele braucht keine vorschnellen und dann manchmal allzu billigen Trostworte", mahnte der Landesbischof. "Sie braucht Menschen, die zuhören, die mitweinen, die halten und tragen. Sie braucht auch Menschen, die anpacken. Viele in den Flutgebieten tun dies gerade jetzt. Und das in der Regel ohne großes Aufsehen. Sie sind einfach da. Solche Helfer in der Not gibt es auch hier um Riegelstein. Menschen lassen sich von Gott Kraft geben und stehen einander bei und sind damit das Salz der Erde und das Licht in der Welt."

Die musikalische Umrahmung des Festgottesdienstes übernahm mit ihren Instrumenten eine 30-köpfige Bläserauswahl von den beiden Posaunenchören aus Betzenstein und Plech. Das Zusammenspiel klappte hervorragend. Das "Oberfrankenlied" als Schlusslied der Feier, bei dem auch mitgesungen wurde, dirigierte Georg Binder.

"Quasi über Nacht"

Als letzter Redner bei den Feierlichkeiten beschrieb der stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Kirchenbauvereins, wie es überhaupt zur Vereinsgründung gekommen war und welche Schwierigkeiten dabei bewältigt werden mussten. "Quasi über Nacht waren wir Besitzer einer baufälligen Kirche geworden", erinnerte sich Horst Schmidt. Er nannte auch die Schäden bei Übernahme dieser Kirche, die niemand haben wollte. Insgesamt seien zur Sanierung 415 000 Euro verbaut worden, berichtete der Ehrenamtliche.

Pfarrer Christoph Weißmann und ebenso der Landesbischof dankte allen Helfern, die ein solches Kirchenfest ermöglicht hatten. Die Vereinsmitglieder hatten noch für Gäste und Besucher Küchle und Kuchen als To-go-Angebot in Tüten abgepackt. Allein Familie Dippold aus dem Eibenthal hatte für diesen Zweck über 300 Küchle gebacken. Insgesamt gesehen war es ein Gottesdienst unter freiem Himmel, wie man ihn nicht besser gestalten hätte können.

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