Roland Belz: Pionier und warmherziger Gönner

25.2.2011, 20:26 Uhr
Jahrzehntelang hat Roland Belz an seiner Vision gearbeitet, Kunststoff zu recyceln. Mit der Inbetriebnahme der weltweit ersten Anlage wurde sein Traum wahr.

Jahrzehntelang hat Roland Belz an seiner Vision gearbeitet, Kunststoff zu recyceln. Mit der Inbetriebnahme der weltweit ersten Anlage wurde sein Traum wahr.

Mit dem Verkauf seiner Recyclingfirma BellandVision im Jahr 2008 hat der umtriebige wie schnelllebige Roland Belz bewusst seinen Lebensstil geändert. Jetzt predigte er die „Entschleunigung des Alltags“ und bei Ausfahrten mit den Aaglander-Kutschen den „Luxus der Langsamkeit“. Gern scharte er auf seinen Schlössern Kühlenfels und Frankenberg Freunde um sich und erzählte von seiner Art, die Ressourcen der Natur zu schonen.

Die Geburtsstunde der Idee schlug 1972, im Jahr der Ölkrise. Dass der Student damals wegen des Sonntagsfahrverbots seine Freundin in Rosenheim nicht besuchen konnte, wurmte ihn so sehr, dass er wie besessen an Lösungen arbeitete, wie man mit der Ressource Erdöl verantwortungsvoller umgehen könne. Was er nicht verstehen konnte: Beim weit weniger wertvollen Altpapier klappte das Recycling damals schon ohne jede gesetzliche Verpflichtung.

Belz wollte aus dem Abfall der Konsumgesellschaft einen Wertstoff herstellen, der sich wie Papier wiederverwenden lässt. Er konnte seine Eltern dafür begeistern, ihn dabei finanziell zu unterstützen, forschte drei Jahre im Fraunhofer Institut und gründete schließlich mit namhaften Unternehmern und Wissenschaftlern in Solothurn in der Schweiz die Belland AG. Obwohl die Firma mit einem gigantisch hohen Budget von 25 Millionen Schweizer Franken ausgestattet war, sollte es Jahrzehnte bis zum Durchbruch dauern. Immer wieder musste sich seine Firma vor höchsten Gerichten gegen eine schier übermächtige Konkurrenz erwehren, immer wieder gab es Büro-Durchsuchungen und schließlich saß Belz sogar drei Tage in einem Solothurner Gefängnis.

Der Unternehmer, der später die Liebe zur Fränkischen Schweiz entdeckt und Schloss Kühlenfels gekauft hat, gab, unterstützt von den Mitgesellschaftern Hubertus Bahlsen, dem Spross aus dem „Keks-Konzern“, und dem Pop-Sänger Phil Collins, nicht auf. 1999 konnte endlich eine eigene Recyclinganlage in Betrieb gehen.

Eine Vision wird wahr“, schwärmte Roland Belz beim Festakt in Rudolstadt. Weltweit erstmalig konnte bei der Firma Innocycling das produzierte Rezyklat auf der gleichen Wertschöpfungsstufe eingesetzt werden wie das Ausgangsmaterial. Für Minister Werner Schnappauf war das Anlass, die Staatsmedaille für Umwelt und Gesundheit an die Pegnitzer Firma BellandVision zu verleihen.

Belz, der angetreten war, das Monopol des Dualen Systems Deutschland zu knacken, hatte den Durchbruch geschafft. 2008 verkaufte er seine Firma an den Sita-Konzern.

Den Millionen-Erlös verwendete er, um Schloss Frankenberg zu erwerben, es aus seinem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf zu erwecken und zu einer Pilgerstätte für Genussreisende auszubauen. Der Weigenheimer Bürgermeister Reinhard Kloha glaubt heute noch zu träumen: „An meinem Wahlsonntag meldete sich früh Roland Belz, um mir kurz mitzuteilen, dass er eben das Schloss Frankenberg gekauft hat. Das war für mich wie mehrere Sechser im Lotto. Das Wahlergebnis war mir danach egal.“

Belz hat Wort gehalten. Seine Frau Irmgard hat nicht nur eine 176-seitige Dokumentation über die Schlossanlage erstellt, die selbst die Denkmalschützer in Erstaunen versetzt hat, sie fertigte auch die Planung für den stilgerechten Umbau mit Hotel, Ausflugsgaststätte, Café, Hofladen und einer weiteren Aaglander-Kutschhalterei. Die Fertigstellung darf Belz nicht mehr erleben.

So bleibt nur die Erinnerung an einen großartigen Menschen, der sich längst als Kühlenfelser gefühlt und sein Dorf unterstützt hat, wo es nur ging, mit Arbeitsplätzen wie mit vielfältigen Aktionen, etwa im Klumpertal. Erst das Fehlen von Belz wird zeigen, was die Region verloren hat.