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Freitag, 03.07.2020

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Rote Strahler in Auerbach und Pegnitz beleuchten Job-Misere

Firmen aus der Veranstaltungsbranche weisen in Auerbach und Pegnitz sowie bundesweit auf die dramatische Lage hin. - 23.06.2020 16:48 Uhr

In rotes Licht getaucht wurde auch das Gebäude der Brauer-Vereinigung in Pegnitz. 

© Foto: Richard Reinl


Fast 9000 Gebäude wurden bundesweit in der Nacht zum Dienstag angestrahlt. In roter Farbe. Ausgedrückt werden sollte die Alarmstufe Rot, denn zahlreiche Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Die Veranstaltungswirtschaft stehe inzwischen auf der "roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten", sagen die Initiatoren. Sie wollen auch ausdrücken, dass die Farbe Rot für die Leidenschaft der Mitarbeiter in der Branche steht: "Wir brennen für das, was wir tun." Auch um die Auerbacher InPhase GmbH ist es ruhig geworden. Zu ruhig.

Normalerweise sind zwölf Festangestellte für das Unternehmen unterwegs. Sie alle wurden in Kurzarbeit geschickt. Zwei haben von sich aus gekündigt. Ein Auszubildender ist noch bis zur Abschlussprüfung im Betrieb. Mit bis zu zehn Fahrzeugen wird das technische Equipment der Firma transportiert: Von Messen zu Konzerten, von Kulturevents zu technisch unterstützten Tagungen. Jetzt sind die Fahrzeuge abgemeldet. Bardentreffen und Classic-Open-Air in Nürnberg sind nur zwei Beispiele für das Engagement des InPhase-Teams.

"In der Corona-Krise waren wir die Ersten, die vom totalen Lockdown betroffen waren. Und wir werden wohl auch die Letzten sein, die wieder wie gewohnt ihrer Arbeit nachgehen", ist sich Ernst Sieber bewusst.

Bei der bundesweiten Lichtaktion wurde auch der ehemalige Förderturm der Grube Leonie in Auerbach rot angestrahlt.


 Am 13. März sei die letzte Tournee abgebrochen worden. Seitdem wurden alle Messen, Industrieveranstaltungen und Konzerte zu 100 Prozent abgesagt oder teilweise kurzfristig in den Herbst verschoben. Wegen des Verbots von Großveranstaltungen bis Ende Oktober werden wohl auch diese Veranstaltungen entfallen.

Viele Projekte seien ins kommende Jahr verschoben worden. Unter welchen Rahmenbedingungen sie stattfinden, ist völlig offen. "Ohne vernünftige Unterstützung wird im Herbst wohl die Insolvenzwelle beginnen", blickt Sieber auf die Branche. Kredite nutzen den Firmen relativ wenig, da die Verluste durch Absagen nicht aufgeholt werden können.

Niemand wolle Schulden machen, die nicht zurückgezahlt werden können. Auch für 2021 zeichne sich ein deutlich geringeres Auftragsvolumen ab.

 Ziel der "Night of Light" war der Einstig in einen Dialog mit der Politik, um Wege aus der dramatischen Lage zu finden. Die Veranstaltungsbranche sei immerhin Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig. Die gewährte staatliche Unterstützung garantiere in normalen Zeiten nicht einmal das Überleben für einen Monat, sagt Ernst Sieber dazu. Für die "Night of Light" hat der Auerbacher nicht nur sein Firmengebäude im Gewerbegebiet Leonie mit 14 großen LED-Flutern beleuchtet, sondern auch ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt. Ab 22 Uhr wurde der Förderturm der ehemaligen Grube Leonie mit zehn "High End Beam Spots" rot angestrahlt. Rund zwei Stunden dauerten Vorbereitung und Aufbau. "Unsere Branche ist es gewohnt, schnell und flexibel auf alles Mögliche zu reagieren."

In einer spontanen Aktion beteiligte sich auch der Pegnitzer Waldstock-Verein an der bundesweiten "Night of Light", um auf die wegen der Corona-Krise ausgefallenen Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Einige Aktivisten tauchten das Gebäude der Brauer-Vereinigung, in dem schon viele Events stattgefunden hatten, in rotes Licht. Eine weitere Aktion war am Alten Rathaus. Verantwortlich dafür war die Firma Ton-Laden, die Festivals in ganz Europa beschallt und ausleuchtet. Der Unternehmer Daniel Maisel wollte aufzeigen, dass ihm fast alle Aufträge weggebrochen sind.

 

BRIGITTE GRÜNER UND RICHARD REINL

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